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Wie Daniel Müller Tech Data und Avnet unter einem Dach vereint

Uhr | Aktualisiert

Vor einem Jahr hat Tech Data angekündigt, Avnet TS von Avnet Inc. zu erwerben. Seit Ende August sind nun die Mitarbeitenden der beiden Firmen in der Schweiz gemeinsam unter einem Dach am Tech-Data-Standort in Rotkreuz vereint. Was seither geschah und wie es nun weitergeht mit Tech Data, erklären Daniel Müller, Direktor von Tech Data Enterprise Value, und Gabriele Meinhard, Managing Director von Tech Data.

Daniel Müller, Direktor von Tech Data Enterprise Value. (Source: Netzmedien)
Daniel Müller, Direktor von Tech Data Enterprise Value. (Source: Netzmedien)

Es sieht hier bei Ihnen in Rotkreuz vieles ein wenig anders aus im Vergleich zu meinem letzten Besuch ...

Gabriel Meinhard: Ja, wir haben umgebaut. Wir mieteten im Erdgeschoss 350 Quadratmeter dazu und verlegten den gesamten Schulungsbereich, das Democenter und den Empfang vom ersten Stock in das Erdgeschoss. Auf der frei gewordenen Fläche im ersten Stock richteten wir 60 neue Arbeitsplätze ein. Speziell dabei ist sicherlich, dass wir ein komplettes Democenter installiert haben. Dies ist neu für Tech Data. In diesem Bereich bieten wir Trainings, Produktschulungen und Zertifizierungen im Auftrag von ausgewählten Herstellern an.

Wie ist es Ihnen seit der Übernahme von Avnet TS durch Tech Data ergangen?

Daniel Müller: Es ist uns sehr gut ergangen. Wir haben unsere Organisationen zügig zusammenlegen können. Die Schweiz war eines der Länder, das den organisatorischen Zusammenschluss am schnellsten bewerkstelligen konnte. Ein Vorteil war sicher auch, dass die Büros in der Deutschschweiz in Rüschlikon und Rotkreuz nicht sehr weit auseinander lagen. Der Zusammenschluss wurde zudem von den Mitarbeitenden gut aufgenommen. Die Fluktuation ist in der gesamten Firma weiterhin tief.

Warum machte diese Übernahme für Tech Data Sinn? Was waren die Überlegungen?

Meinhard: Einer der wichtigsten Punkte ist sicher, dass durch den Zusammenschluss neue Talente zu uns gestossen sind. Zudem konnten wir die kritische Masse erhöhen und den Fokus gegenüber Kunden und Herstellern stärken. Die Fusion hat dazu geführt, dass wir heute in der Value Added Distribution der Schweiz ganz sicher in einer führenden Position sind. Zudem haben wir heute bei den zukunftsweisenden "Next Generation"-Technologien in den Bereichen Cloud, Security und IoT mehr Ressourcen in den einzelnen Teams und konnten somit die kritische Masse massiv erhöhen.

Sie haben also die anderen VADs in der Schweiz abgehängt?

Meinhard: Zumindest gibt es bezüglich Grösse und vor allem Fokus in der Schweiz meines Wissens nichts Vergleichbares.

Müller: Tech Data Enterprise Value ist heute so gross wie vereinzelte Mitbewerber als Gesamtfirma – inklusive deren Volumen-Business.

Gabriele Meinhard (l.), Managing ­Director von Tech Data, und Daniel Müller, Direktor von Tech Data Enterprise Value. (Source: Netzmedien)

Wie viele Personen arbeiten denn heute im Value-Team von Tech Data?

Müller: Total sind es zwischen 80 und 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zirka zwei Drittel davon sind aus der ehemaligen Avnet TS zur Tech Data dazu gestossen.

Das ist nicht wenig ...

Meinhard: Ja, das ist praktisch ein Unternehmen im Unternehmen.

Aber es gab auch Überschneidungen in den beiden Businesses von Tech Data und Avnet TS ...

Müller: Ja, die gab und gibt es. Sie sind aber auch erwünscht, denn sie ermöglichen es uns, mehr Business mit einem Hersteller zu machen und so mehr Gewicht zu bekommen. Ein Beispiel ist unser Cisco-Team; dieses Team hat sich verdoppelt, und wir sind nun im Datacenter wie auch im Collaboration-Bereich sehr gut aufgestellt.

Grösse allein ist aber noch kein Garant für Erfolg.

Meinhard: Das stimmt natürlich! Aber relative Grösse und Fokus in den Teams gibt unseren Kunden und Herstellern die Garantie, dass Kompetenzen und Zertifizierungen viel breiter abgestützt sind.

War die Fusion für Tech Data mit Avnet AS auch so etwas wie die Flucht nach vorn angesichts des immer schwieriger werdenden Handelsgeschäfts?

Meinhard: In der Schweiz sind beide Firmen auch vor dem Merger organisch gewachsen. Wir konnten bei wichtigen bestehenden Kunden und Herstellern unseren "share of business" erhöhen und neue Kunden dazugewinnen. Zudem bleibt das Infrastrukturgeschäft für uns weiterhin ein sehr wichtiger Bereich.

Wie kommt die Integration in der Schweiz voran? Welche Baustellen gibt es noch?

Müller: Wir sind sehr gut unterwegs. Wir gehen mit gezielten und kontrollierten Schritten voran, das ist auch für die Mitarbeitenden wichtig. Denn so ändert sich für sie nicht alles gleichzeitig. Der erste Schritt war, dass wir nach Rotkreuz gekommen sind. Nächsten Sommer, wenn die Fusion auch juristisch vollzogen ist, werden unsere IT-Systeme zusammengelegt. Die Schweizer Niederlassung kommt zeitlich mit der Systemintegration im Konzern eher am Schluss. Der Vorteil davon ist, dass wir von den Erfahrungen aus den anderen Ländern profitieren können.

Meinhard: Die Systeme von Tech Data und Avnet TS laufen beide auf SAP und sind sich sehr ähnlich. Das macht den Zusammenschluss sicher einfacher. Die Angleichung der Prozesse und Systeme steuern wir im Rahmen eines Projekts. Ich bin zuversichtlich, dass dies ohne grössere Probleme ablaufen wird.

Wie haben die Partner auf die Übernahme reagiert?

Müller: Bis jetzt sehr positiv. Wir konnten bereits Partner hinzugewinnen. Sie können nun auf noch mehr Wissen und Leistungsfähigkeit unserer Organisation zählen. Und auch auf Herstellerseite sind die Feedbacks positiv. Wir sprechen heute mit Herstellern, mit denen wir vor der Fusion kaum in Kontakt standen. Durch den Leverage beim Produkt- und Dienstleistungsportfolio sind wir zudem für neue Kunden attraktiver geworden.

Meinhard: Wir arbeiten uns Schritt für Schritt vorwärts und liefern, was wir versprechen – und möglichst noch ein bisschen mehr. Von dieser Prämisse wollen wir nicht abweichen. Die Kunden geben uns bezüglich unserer Qualität sehr positive Signale.

Wie geht es nun – einmal abgesehen von den organisatorischen Aufgaben – weiter mit Tech Data Enterprise Value, wie Ihr Bereich neuerdings heisst?

Müller: Für unsere Kunden sind natürlich neben der klassischen Infrastruktur die ganzen Next-Generation-Themen rund um IoT, Cloud und Security interessant. Hier konnten wir gezielt in das Account Development investieren.

Meinhard: Das Infrastrukturgeschäft wird weiterhin im Fokus stehen. Wie Dani sagt, werden wir parallel dazu in das Next-Generation-Business investieren. Wir müssen somit quasi "den Flieger während des Flugs umbauen". Themen wie "On Demand" oder "X-as-a-Service" sind nicht nur Schlagwörter, sondern es bestehen bereits funktionsfertige Lösungen.

Und welche Rolle spielen die Channelpartner in diesen Initiativen?

Meinhard: Wir überlegen uns immer, wie ein Angebot gebaut sein muss, damit es über unsere Handelspartner vertrieben werden kann. Es gibt zum Beispiel in Grossbritannien ein Pilotprojekt mit einigen ausgewählten Partnern, mit denen Tech Data gemeinsam den XaaS-Approach designt und getestet hat. Der Rollout in die einzelnen Länder steht unmittelbar bevor.

Müller: Wir unterstützen die Partner so wie es für sie am meisten Sinn ergibt. Den eher verkaufsgetriebenen Partnern helfen wir mit technischem Know-how, den technisch orientierten Partnern mit Marketingunterstützung oder Lead Generation.

Wie schätzen Sie die Marktentwicklung für das IT-Jahr 2018 ein?

Meinhard: Insgesamt gesehen gehen wir für 2018 von einer flachen Marktentwicklung aus mit einem Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Tech Data will mindestens so stark wie der Markt wachsen. Je nach Bereich und Hersteller werden die Wachstumsziele aber unterschiedlich und deutlich aggressiver sein.

Müller: Der Value-Bereich wird insgesamt leicht stärker wachsen, wobei dies sicher auch abhängig ist von einzelnen Projekten. Wir sehen Themen und Hersteller wie zum Beispiel Red Hat oder Veeam, die weiterhin ein starkes zweistelliges Wachstum zeigen. Da wollen wir natürlich ganz vorne mit dabei sein!

Und wie kann der Channel mit Ihnen wachsen?

Müller: Nun, es ist ja eine Wechselwirkung: Unser Erfolg ist der Erfolg der Partners und umgekehrt. Es muss uns gelingen, unsere Partner effizient sowie effektiv mit Produkten und Dienstleistungen zu bedienen, die am Markt gefragt sind und wo wir einen Mehrwert bieten können. Eine wichtige Zusatzaufgabe ist natürlich nicht nur mit bestehenden Kunden zu wachsen, sondern neue Kunden, die uns das Wachstumspotenzial für morgen und übermorgen sichern, dazuzugewinnen.

Zur Person: Daniel Müller ist in Cham aufgewachsen und absolvierte die Handelsmittelschule in Zug. Sein Debüt in der IT-Branche gab der heute 44-Jährige beim IBM-Partner Ecola, wo er sich für eine Stelle als Juniorprogrammierer bewarb. Spätere Karrierestationen waren IBM Schweiz und Computer 2000. Im Jahr 2000 wechselte er zu Avnet, wo er als Geschäftsführer am Aufbau der Schweizer Niederlassung beteiligt war. Nach mehreren Jahren Tätigkeit für Avnet im Ausland übernahm Müller Anfang 2013 wieder das Amt des Country Managers bei Avnet Schweiz. Er und seine Lebensgefährtin sind Eltern einer vierjährigen Tochter. In seiner Freizeit widmet Müller seine Zeit vorwiegend dem Segeln, dem Golfen und seiner Familie. (Quelle: Tech Data)

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