"Focus on Future" in Baden

"Man muss nicht Superman sein, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen"

Uhr | Aktualisiert

Wie werden Unternehmen erfolgreich, wenn der Chef nicht genial und wahnsinnig ist? Diese Frage stellte gestern die Beraterin Kerstin Friedrich in Baden. An der Abendveranstaltung "Focus on Future" erklärte die Expertin für emotionale Kundenbindung, warum man nicht Superman sein muss, um als Führungskraft Erfolg zu haben.

Steve Jobs von Apple, Larry Ellison von Oracle, Jeff Bezos von Amazon - drei Namen, die in der IT-Branche mit unkonventionellen Methoden grosse Erfolge feierten. Jobs galt als unberechenbarer Manager mit umstritten Führungsstil, Ellison als Getriebener mit Monster-Ego, und Bezos will als Raumfahrt-Begeisterter private Reisen ins Weltall organisieren. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Muss man irre sein, um als CEO eines Unternehmens Erfolg zu haben? Nein, meinte Unternehmensberaterin Kerstin Friedrich gestern an der Veranstaltung Focus in Future Baden: "Man muss nicht Superman sein, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen."

Bloss nicht dem Solutionismus verfallen

Friedrich, die Wirtschaftswissenschaften und Psychologie studierte, gilt als Expertin für die Themen Engpasskonzentrierte Strategie und emotionale Kundenbindung. Dass sie auch eine gute Referentin ist, bewies sie gestern mit viel Charme und Witz in Baden. Unternehmer zu sein heisse, selbst bestimmen zu können, was man machen wolle - und die Leitung des eigenen Unternehmens sei wie eine Liebesbeziehung. Am Anfang aufregend, doch irgendwann werde es zur Qual, scherzte Friedrich in der voll gefüllten Villa Boveri.

Den anwesenden Führungskräften gab sie Tipps für den Alltag. "Kennen und lieben Sie ihre Rolle", sagte Friedrich in Anspielung auf das 3-Rollen-Modell (Fachkraft, Manager, Visionär) des amerikanischen Unternehmensberaters Michael E. Gerber. "Sorgen Sie für eine gute Strategie und schaffen Sie klare Erfolgsbilder." Für Unternehmen sei es wichtig, sich zu spezialisieren, und nicht dem "Solutionismus" (der Zwang, Probleme zu lösen, die keine sind) zu verfallen. Nur weil etwas technisch machbar sei, müsse es noch lange keinen Sinn ergeben, so Friedrich.

Der Trick mit der Visualisierung

Und noch ein Tipp gab Friedrich: CEOs sollen visualisieren, wo sie und ihr Unternehmen zukünftig sein wollen - mit einem Bild, das Arbeiternehmer und Kunden mittragen. Die Strategie, um dahin zu kommen, müsse auch kommuniziert werden. Führungskräfte sollen hinsehen, und handeln.

Leider schreckte Friedrich bei ihren Ausführungen auch vor inhaltsleeren Sprachhülsen nicht zurück - "wo ein Wille ist, ist auch ein Weg" oder "nutzen Sie den gesunden Menschenverstand!" - mag stimmen, haben wir aber schon hundertfach gehört.

"Der Mensch ist lernfähig bis ins hohe Alter", sagte Friedrich zum Schluss, und wurde für ihr Referat mit viel Applaus belont. Durch die Veranstaltung führten die Organisatoren Urs Prantl, Geschäftsführer des IT-Beraters KMU Mentor und Damian Suter, Inhaber der Agentur Captiva. Der Abend ging danach mit einem Apéro riche in der Villa Boveri zu Ende.

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