Keynote in San Francisco

Das neue Google

Uhr | Aktualisiert

Google hat neue Geräte präsentiert und sich dabei als Hardware-Hersteller positioniert. Der Konzern attackiert mit der neuen Ausrichtung seine Konkurrenten Apple, Microsoft und Amazon frontal.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=q4y0KOeXViI
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=q4y0KOeXViI

Google hat Hardware vorgestellt: Zwei Smartphones, ein Headset für die Virtual-Reality-Plattform Daydream, den Streaming-Stick Chromecast Ultra, den Router Wifi und den Lautsprecher Home. Das Unternehmen hielt dafür einen Event in San Francisco ab.

Folgende Dinge fielen an der Keynote besonders auf:

  • Der Grossteil der Veranstaltung drehte sich um die Themen Artificial Intelligence und Machine Learning.

  • Im Zentrum der Ankündigung stand Google Assistant, eine künstliche Intelligenz, die auf Sprachbefehle reagiert. Das Produkt konkurriert mit Apples Siri, Microsofts Cortana und Amazons Alexa. Ob der "Assistant" Googles persönlichen Assistenten Now eines Tages ersetzen wird, ist noch unklar.

  • Alle vorgestellten Produkte haben ein grosses "G" als Markenlogo. Auf den Smartphones gibt es kein Carrier-Branding mehr. HTC steht nirgends drauf - obwohl das Unternehmen für Google die Mobiltelefone herstellt. Google positioniert sich so als Hardware-Hersteller. An der Keynote verzichtete der Konzern fast ganz darauf, seine Partner namentlich zu erwähnen.

  • Google präsentiert neu alle seine Hardware auf dieser Website: https://madeby.google.com/ - mit dem Slogan "Made by Google".

  • Google wird keine Nexus-Geräte mehr produzieren. Darüber beschweren sich nun viele Android-Anhänger. Nexus-Produkte waren dafür bekannt, gute Hardware zu einem fairen Preis zu liefern. Mit seiner Pixel-Linie zielt Google aber nun auf das deutlich teurere High-End-Segment ab - und greift damit vor allem Apple und Microsoft an.

  • Im Gegensatz zu Apple liefert Google seine Smartphones mit einer Kopfhörer-Buchse aus. Google konnte sich deswegen einen Seitenhieb auf Apple nicht verkneifen: (siehe Sekunde 44)

  • Google hat sich bei der Preisgestaltung offenbar an Apple orientiert. Die beiden neuen Google-Smartphones sind in den USA genau gleich teuer wie das iPhone 7 und das iPhone 7 Plus.

  • Google entfachte vor dem Event mit einem Tweet (siehe unten) einen Hype im Internet. Dieser war nicht gerechtfertigt. Die Vorschau auf Andromeda, die von Android-Blogs erwartet wurde, gab es nicht. Laut Gerüchten soll Andromeda die Betriebssysteme Android und Chrome OS zusammenführen.

  • Google betonte gestern ähnliche Werte wie Apple: Design, Integration von Hardware und Software und den Plattformgedanken. Auch die neuen Google-Smartphones erinnern stark an das iPhone.

  • Google greift mit den Pixel-Geräten auch seine Android-Partner an, etwa Asus, Huawei, LG, Samsung und Sony. Sie werden wohl wenig Freude daran haben, dass Google nun Hardware mit eigenem Branding und einer gepimpten Android-Version verkauft.

  • Google stellte keine neue Smartwatch vor. Auch Neuigkeiten zu Android Wear 2.0 gab es keine.

  • Funktionen in neuen Android-Versionen sind nun zum Teil exklusiv für Google-Geräte verfügbar, wie Androidpolice berichtet. Anstatt die grosse Fragmentierung der Android-Plattform anzupacken, hat sich Google also offenbar entschieden, das Problem noch zu verschärfen.

  • Alle neuen Produkte sind in der Schweiz nicht erhältlich. Ob und wann Google die Geräte hier lanciert, ist unklar. Es ist aber davon auszugehen, dass Händler wie Digitec und Brack zumindest die Google-Smartphones importieren werden. Auch im offiziellen Google Store ist ein Verkaufsstart in der Schweiz denkbar.

Zwei neue Google-Smartphones

Die beiden neuen Google-Handys heissen Pixel und Pixel XL. Sie haben fast identische Hardware: Einen Snapdragon-821-Prozessor, 4 GB RAM und 32 oder 128 GB Speicher. Das Pixel hat einen 5-Zoll-1080p-Screen und einen 2770-mAh-Akku, das Pixel XL ein 5,5-Zoll-Quad-HD-Display und einen 3450-mAh-Akku. Google lobte vor allem die Kamera der Geräte. Sie erzielte auf DxOMark mit 89 Punkten den höchsten je gemessenen Wert für eine Smartphone-Kamera.

Google wirbt nun damit, dass Käufer eines Pixel-Handys gratis unbeschränkt Bilder und Videos in Originalgrösse auf Google Photos speichern können. Für Fotos bis 16 Megapixel und Videos bis 1080p war der Speicher allerdings sowieso schon unlimitiert und gratis. Neu ist lediglich, dass Pixel-Käufer auch mit dem Smartphone aufgenommene 4k-Videos unbeschränkt im Original hochladen können.

Google liefert die Pixel-Smartphones mit einer angepassten Version von Android 7.1 aus. Das Unternehmen wird das Betriebssystem auch für andere Geräte freigeben, allerdings ohne Google Assistant und ohne den Pixel Launcher. Der Assistant ist aber auch in Googles Chat-App Allo integriert, die normal im Play Store verfügbar ist.

Für die Pixel-Geräte gibt es zudem einen 24/7-Support, wahlweise telefonisch oder per Chat.

Ein neues Virtual-Reality-Headset

Mit Android 7.0 hielt in Googles Betriebssystem nicht nur die neue Grafik-Engine Vulkan Einzug, sondern auch die Virtual-Reality-Plattform Daydream. Was dafür noch fehlte, war ein Headset von Google. Das Unternehmen hat dieses nun vorgestellt: Daydream View kommt in den USA im November auf den Markt und kostet 79 US-Dollar.

Ein neuer Chromecast

Google stellte mit "Chromecast Ultra" auch einen neuen Streaming-Stick vor. Er kann mit 4k-Content umgehen und unterstützt HDR, Ethernet und Dolby Vision. Ab November sollen auf Google Play Movies 4k-Inhalte verfügbar sein, versprach Google.

Ein neuer Router

Mit Google Wifi präsentierte Google auch einen Router. Laut Google kann der Käufer mehrere der Geräte kombinieren, um die Reichweite des WLAN-Signals zu erhöhen. Für den Router gibt es auch eine App. Und für Eltern soll es besonders einfach sein, mit Google Wifi den Internetzugang der Kinder zu kontrollieren.

Ein neuer Smart-Home-Lautsprecher

Google lancierte zudem Google Home, einen vernetzten Lautsprecher für das Smart Home. Das Gerät ist eine Konkurrenz zu Amazons Echo/Alexa und basiert auf der Technologie Google Assistant.

Webcode
DPF8_7554

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