Worldwebforum im Stageone

Johann Schneider-Ammann ehrt Tim Berners-Lee

Uhr | Aktualisiert

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat WWW-Erfinder Tim Berners-Lee ausgezeichnet. Er erhielt in Zürich-Oerlikon den "Worldwebforum Lifetime Achievement Award".

Tim Berners-Lee, Erfinder des WWW, auf der Bühne im Stateone. (Quelle: Netzmedien)
Tim Berners-Lee, Erfinder des WWW, auf der Bühne im Stateone. (Quelle: Netzmedien)

Über 26 Jahre ist es her, als das Cern die erste Website aufschaltete: info.cern.ch ging am 13. November 1990 online. Erfinder des WWW ist Tim Berners-Lee. Der britische Physiker entwickelte am Forschungszentrum die Hypertext Markup Language (HTML) und gilt damit als Begründer des World Wide Web.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat Tim Berners-Lee nun für die Erfindung des WWWs ausgezeichnet. Berners-Lee erhielt im Stageone den "Worldwebforum Lifetime Achievement Award" für sein Lebenswerk. Die Veranstaltung lockte gestern rund 2000 Besucher nach Zürich-Oerlikon.

"Dass das Internet in der Schweiz erfunden wurde, sollte uns Leuchtturm und Challenge zugleich sein für die kommenden Jahre", sagte Schneider-Ammann in Zürich. Diese Aussage ist falsch. Denn Berners-Lee erfand nicht das Internet, sondern das WWW. Der Volksmund setzt WWW zwar mit dem Internet gleich. Das WWW ist aber nur eines von vielen Internetprotokollen, wenn auch das wichtigste. Weitere sind etwa SMTP, POP und IMAP für den E-Mail-Verkehr oder IPv4 und IPv6 für die Vernetzung von Computern. "Die Digitalisierung ist eine riesige Chance für uns – wir haben die beste Ausgangslage", referierte der Bundesrat weiter.

Berners-Lee ist Verfechter der Netzneutralität und offener Web-Standards. Mit dem heutigen Zustand des WWW ist er nicht glücklich. Das Web werde immer unfreier, sagte er in Zürich. Nutzer müssten das Recht haben, sich im WWW ohne Angst vor Repressalien zu äussern. Gleichzeitig warnte er aber auch vor Gefahren durch Social Media. Die Verbreitung von Fake-News und Hassreden über soziale Netzwerke sei ein Problem, das alle Nutzer des Internets gemeinsam anpacken müssten.

Die Arbeit von Berners-Lee lag auf Schultern von Giganten. Das US-Verteidigungsministerium vernetzte mit Arpanet bereits 1969 vier Universitäten. Der Philosoph Ted Nelson prägte 1965 die Begriffe Hypertext und Hypermedia – bevor es PCs überhaupt gab. Stanford-Professor Vint Cerf entwickelte 1973 das Transmission Control (TCP) und Internet Protocol (IP). Und der Informatiker Paul Mockapetris designte 1983 das Domain Name System (DNS).

Hyperlinks, TCP/IP und DNS. Er habe die Technologien bloss kombiniert, sagt Berners-Lee – so sei das WWW entstanden. Und das sei nur möglich gewesen, weil Universitäten begannen, eigene Websites zu betreiben. Berners-Lee erfand mit dem WWW allerdings nicht nur HTTP, HTML und URL, sondern auch die erste Serversoftware. "CERN HTTPd" lief auf einem PC des Kernforschungszentrums. Das Cern kaufte ihn bei der Firma Next, gegründet von Steve Jobs, als er 1985 Apple verliess. Der "Next Computer" hostete von Meyrin aus die erste Website der Welt.

Damit die Schweiz bei der digitalen Transformation mit dabei bleibt, verfassten 50 "digitale Vordenker" gemeinsam mit der Standortinitiative Digitalswitzerland ein Digitales Manifest. Der designierte ICTswitzerland-Präsident Marcel Dobler und Ringier-CEO Marc Walder übergaben dieses Schneider-Ammann symbolisch.

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