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Kaspar Tappolet über die Auswirkungen der Spaltung von Xerox

Uhr | Aktualisiert

Xerox hat Anfang des Jahres den gleichen Schritt vollzogen wie Hewlett-Packard, wie Symantec, wie Fujitsu. Der Konzern teilte sich in verschiedene eigenständige Unternehmen. Xerox-Schweiz-Chef Kaspar Tappolet erklärt, was die Spaltung für ihn, sein Team und die Partner bedeutet.

Kaspar Tappolet, Country Manager, Xerox Schweiz
Kaspar Tappolet, Country Manager, Xerox Schweiz

Seit Januar 2017 ist Xerox zweigeteilt in Xerox und Conduent. Wie verlief die Spaltung für Sie in der Schweiz?

Kaspar Tappolet: Für uns verursachte die Spaltung nur wenige Nebengeräusche. Unser Angebot blieb unverändert, die Xerox Schweiz AG als Tochterfirma führt ihre Geschäfte im gleichen Stil fort. International gab es selbstverständlich einige aufregende Aktivitäten. Der Börsengang von Conduent sowie der Beginn des «New Xerox» am New York Stock Exchange etwa.

Warum lief die Spaltung in der Schweiz so ruhig ab?

Xerox ist in das abgespaltete BPO-Geschäft erst vor sieben, acht Jahren mit der Akquisition von ACS eingestiegen. ACS war ein klassischer BPO-Anbieter. Die einzige Überschneidung, die es mit dem bestehenden Xerox-Portfolio gab, war das Dokument-Outsourcing, das eigentlich immer schon in der Technologiegruppe von Xerox angesiedelt war, insbesondere in der Schweiz. Dazu kommt, dass das BPO-Geschäft stark auf den nordamerikanischen Markt ausgerichtet war. Es gab und gibt keine Länderorganisation für dieses Geschäftsfeld in der Schweiz. Mit Ausnahme einer Transport-Unit in Bern. Die war aber früher schon unabhängig von uns und betreut Kunden wie etwa die VBZ.

Unter dem Strich hat sich also gar nichts verändert für Sie in der Schweiz?

So würde ich es nicht sagen. Wir sind ein neues Xerox mit einem neuen CEO, Jeff Jacobson, und wir haben eine neue geografische Organisation. Wir sind wieder bei einem klassischen Ländermodell angelangt. Ich verantwortete zwar schon vor der Spaltung viele Teile von Xerox Schweiz persönlich, doch nun liegt der Fokus voll auf dem Inland. Das ist insbesondere auch für den Channel ein grosser Vorteil. 

Wieso ist das für den Channel ein Vorteil?

Weil bei mir am Ende alles zusammenläuft, ich alles überblicken und entscheiden kann und wir somit die channel-freundliche Strategie bestmöglich umsetzen können. Das ist mir sehr wichtig und aus unserer Sicht ein wesentlicher Unique Selling Point.

Das heisst, Sie haben nun mehr Verantwortung als vor der Spaltung?

Ich war früher Geschäftsführer von Xerox Schweiz, so wie ich das jetzt auch bin. Aber es gab vorher eine Matrixorganisation für gewisse Bereiche, die von einem internationalen Management geführt wurde. Diese internationale Geschäftsverantwortung ist nun durch eine geografische ersetzt und die liegt für die Schweiz bei mir. Durch das gibt es weniger Hierarchiestufen bis zu unserem Group CEO, er ist also näher an uns, näher dran am Schweizer Geschäft. 

Wie sehen das Ihre Partner?

In Gesprächen mit unseren Partnern haben wir erklärt, dass sich durch die Spaltung im Grunde nichts an unserer Geschäftsbeziehung zum Partner ändert. Ausserdem gab es für unsere Partner ein paar sehr positive Messages: Wir sind jetzt eine unabhängigere Länderorganisation. Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenzen. Wir investieren in Innovationen. Wir sind jetzt ein kleineres und agileres Unternehmen.

Sind Partner abgesprungen?

Nein.

Wie viele aktive Partner hat Xerox in der Schweiz?

Ohne unseren sehr grossen Volumen-Channel haben wir zirka 30 Partner.

Wollen Sie an der Zahl etwas ändern?

Es ist nicht die Anzahl, die den Erfolg ausmacht. Mit unseren neuen Produkten und der Möglichkeit, im A4-Segment wieder Fuss zu fassen, sehe ich vor allem auch Chancen für bestehende Partner. Grundsätzlich haben wir den Channel sehr hoch priorisiert auf unserer Agenda. 

Im A4-Segment dürfte Ihnen aber ein rauer Wind entgegenwehen. Da tummeln sich viele Hersteller, die ­mitunter sehr gut im Markt positioniert sind. 

Das ist definitiv so. Aber es ist auch ein Verdrängungsmarkt und somit eine Chance für uns. Mit den 29 Geräten unseres neuen Connect-Key-Portfolios und dem Konzept hinter dem Portfolio haben wir sehr interessante Möglichkeiten, für unsere Endkunden neue Strategien mit verschiedenen Geräten zu entwickeln.

Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Ausser den 29 neuen Geräten stehen Apps im Zentrum. Die sollen einerseits den Endkunden unterstützen, andererseits sind sie ein Differenzierungsfaktor und ein neues Geschäftsfeld für die Partner. Mit den Apps können die Partner relativ einfach einzelne Arbeitsprozesse abbilden oder automatisieren. Wir setzen dabei auf eine offene Plattform, auf der Partner bereits heute viele Applikationen externer Entwickler und Anbieter finden können. Zusätzlich entwickeln Partner Anwendungen selbst und können sie in den über 160 Xerox-Ländern anbieten. 

Es entsteht also eine Art Marktplatz, über den ein Partner Apps anderer Partner beziehen oder eigene Apps bereitstellen kann?

Genau. Das Ganze ist mehr oder weniger identisch mit den App-Stores für Smartphones. Wir haben eigentlich schon 2013 damit begonnen, aber durch die neuen Geräte aus dem Connect-Key-Portfolio bekommen die Apps jetzt ein viel grösseres Gewicht, da die Geräte auf einer einheit­lichen Plattform basieren. 

Verdient ein Partner etwas an einer selbstentwickelten App, die andere Partner oder Kunden über den Marktplatz beziehen?

Wie gesagt: Für uns funktioniert der Marktplatz genauso wie die App-Stores der Smartphone-Hersteller. Das heisst, jeder Partner kann selbst entscheiden, ob er seine Anwendung kostenlos oder kostenpflichtig veröffentlicht. 

Woher bekommen die Partner das nötige Know-how, um eine App zu entwickeln?

Es gibt verschiedene Ansätze. Mit unserem Application Builder kann ein Partner relativ einfach über Drag-and-Drop Prozesse und Apps erstellen. Das sind dann eher einfache Apps, die jeder auch ohne spezielles Know-how erstellen kann. Für spezifische, komplexe Apps braucht ein Partner aber ganz klar Entwicklerfähigkeiten. Selbstverständlich haben wir ein Ausbildungskonzept für Partner, die sich dafür interessieren. Wir bieten Online-Trainings sowie individuelle Workshops in unserem Smartcenter im Vereinigten Königreich. 

Wenn Sie sich Ihr Kerngeschäft anschauen und auf die ­zunehmende Digitalisierung blicken, bekommen Sie da keine Angst, dass das sagenumwobene papierlose Büro doch eines Tages Wirklichkeit wird?

Die Frage beschäftigt uns natürlich. Aber ich glaube, dass wir gerade im Verdrängungsmarkt des A4-Segments, in den Büros der KMUs, sehr viel dazugewinnen können. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen: Weniger als 10 Prozent der Druck-Erzeugnisse werden digital gedruckt. Der Rest wird immer noch herkömmlich, etwa im Offset-Verfahren gedruckt. Das, was gedruckt wird, entsteht aber fast ausschliesslich digital. Der Transfer von Offset zu Digital hat bis heute nur bedingt stattgefunden. Das ist ein riesiger Markt. 

Wie sieht es bezüglich 3-D-Druck aus? 

Wir drucken keine Objekte, sondern bedrucken sie mit unserem «Xerox Direct To Object Inkjet Printer». Das geht eher in Richtung Packaging und kosteneffiziente Spezialanwendungen. 

Gibt es in der Schweiz einen Markt dafür?

Wir verfolgen einzelne Projekte, aber wir beginnen erst, die Technologie richtig zu forcieren. Aus meiner Sicht gibt es ganz sicher einen Markt. Die Schweiz ist für alles, was automatisiert oder individuell gemacht werden kann, wo Arbeitszeit gespart oder Prozesse vereinfacht werden können, ein Paradebeispiel.

Sie sagten, dass Sie etwa 30 aktive Partner hätten. Was macht so einen Xerox-Partner aus?

Er macht einen guten Job, indem er dem Kunden zuhört und ihm die richtigen Lösungen empfiehlt.

Wie viel läuft bei Xerox Schweiz überhaupt über die Partner?

Über unsere gesamten Aktivitäten betrachtet etwa 50 Prozent. Es ist aber nicht so einfach, das pauschal in einer Zahl auszudrücken. Im Highend-Produktions- sowie im Services-Geschäft bei Enterprise-Kunden bewegen wir uns tendenziell eher im Direktgeschäft. Teile des Highend-Produktions-Geschäfts und insbesondere die Entry-Produktionssysteme sind aber wiederum stark vom Channel getrieben. Grundsätzlich gilt: Je spezialisierter und komplexer, desto eher braucht es unser Fachwissen. Der Channel ist dennoch strategisch wichtig für uns und ich leite den Bereich innerhalb unserer Geschäftsleitung deshalb auch persönlich. Am Ende spielt es für mich keine Rolle, wie ein Geschäft zustande kommt. Es muss der kürzeste Weg und die beste Lösung für den Kunden sein. Unser Motto: Der Kunde entscheidet.

Was kommt auf die Partner dieses Jahr zu?

Wir veranstalten Mitte Juni einen zweitägigen Kunden- und Partnerevent in einem ehemaligen Kloster. Der Aufhänger für das Kloster ist Brother Dominic. Er war der Protagonist in zwei Werbespots. Einen strahlten wir 1977 während des Superbowls aus, der andere erschien dieses Jahr. Den ersten Tag im Kloster werden wir mit den Partnern in Workshops verbringen. Im Vordergrund steht mit Connect-Key 2017 unser Workplace Assistent. Verschiedene Softwareprovider unterstützen uns bei diesen Workshops. Der zweite Tag ist für die Kunden. Die Partner sind an diesem Tag ebenfalls dabei und können voll von unserer Infrastruktur profitieren. Ausserdem werden wir neue Geräte aus dem Produktionsportfolio präsentieren. 

Wie lautet Ihre persönliche Botschaft an den Schweizer ­Channel? 

Mit fleissiger, ehrlicher Arbeit kann man immer noch sehr viel erreichen. 98 Prozent der Schweizer Unternehmen sind KMUs. Das macht den Schweizer Markt gerade für den Channel sehr interessant. Auf der anderen Seite sollte sich der Channel unbedingt das Konzept und die Produkte von Connect-Key und Workplace Assistent anschauen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge, denn es sind nicht einfach nur neue Geräte, es steckt eine ganze Philosophie dahinter.

Webcode
DPF8_40485

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