ICT-Reseller-Index Juli

Schweizer Reseller fallen sanft ins Sommerloch

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Das Sommerloch ist da. Tief war der Fall ins Loch aber nicht für die Schweizer Reseller. Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller und Autor des ICT-Reseller-Index, erklärt wieso.

(Source: kevron2001 / Fotolia.com)
(Source: kevron2001 / Fotolia.com)

Die Geschäfte der Schweizer Reseller sind im vergangenen Juli sanft ins Sommerloch gerutscht. Dies geht aus dem aktuellen ICT-Reseller-Index von Proseller hervor. Der Index fiel drei Punkte und landete auf einem Wert von 66 Punkten, wie Proseller mitteilt.

Dieser Rückgang von 5 Prozent gegenüber dem Vormonat ist extrem mild, verglichen mit dem Vorjahr. 2016 brach der Index zwischen Juni und Juli um 18 Prozent ein. Damals landete der Markt auf einem Wert von 65 Punkten.

Auch in den Jahren davor war der Übergang ins Sommerloch stets deutlich härter, wie Proseller schreibt:

  • 2017: -5 Prozent von Juni auf Juli

  • 2016: -18 Prozent von Juni auf Juli

  • 2016: -20 Prozent von Juni auf Juli

  • 2014: -12 Prozent von Juni auf Juli

An diesem moderaten Abdriften ins Sommerloch lasse sich erkennen, dass die Kundschaft der Reseller sich geändert hat. "Reseller bedienen immer weniger den preisfokussierten Schnäppchenjäger", sagt Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller und Autor des Index. Stattdessen bedienen Reseller immer mehr den "qualitätsorientierten Poweruser".

Der Index zeigt den sanften Abstieg ins Sommerloch. (Source: Proseller)

"Privatkonsumenten haben im Sommer eher Urlaubsausgaben und urlaubsbedingte Abwesenheiten, sodass sie stärker saisonal kaufen", sagt Czekala. Bei den professionellen Kunden sei diese Saisonalität schwächer, "was wir an der ruhiger verlaufenden Index-Kurve auch erkennen können".

PC-Verkauf stabilisiert sich

Der kumulierte Umsatzverlust gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr beträgt laut der Mitteilung 3 Prozent. Der massive Rückgang der vergangenen Jahre scheine zwar abgebremst, schreibt Proseller. Der Channel könne aber auch 2017 kein Wachstum verbuchen.

Der kumulierte Verlust gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr beträgt 3 Prozent. (Source: Proseller)

Der Verkauf von PCs stabilisierte sich ebenfalls. Gegenüber dem Vorjahr legte er gemäss Mitteilung um 10 Prozent zu. "Der Computer ist weiterhin ein für viele Anwendungen notwendiges Tool", sagt Czekala. "Im professionellen aber auch im Gaming-Umfeld könne es bis auf weiteres nicht durch Smartphone oder Tablet ersetzt werden."

Der Absatz wird sich laut Czekala bis auf weiteres auf dem Niveau halten können. Ein Wachstum sei aber auch hier nicht absehbar. Czekala führt dies auf die verlängerte Nutzungs- und Abschreibungsdauer zurück. Diese lag früher noch bei 3 bis 4 Jahren, nun bei 4 bis 5 Jahren. Das reduziere die Bedarfsmenge.

Die Umsatzentwicklung der einzelnen Produktkategorien. (Source: Proseller)

Spotify für Software

Software-Lösungen generierten im Juli nur noch einen geringen Anteil am Gesamtumsatz der Reseller – nämlich 2 Prozent. Direktgeschäfte, Online-Applikationen und der Trend zur Cloud würden es dem Reseller auf dem Gebiet schwer machen.

Czekala sieht eine eindeutige Parallele zu anderen Branchen. "Alles, was digitalisierbar ist, wird digitalisiert und landet über kurz oder lang auf herstellerübergreifenden Onlineplattformen mit Flat Rate nahe den Herstellerkosten." Die Frage sei nur noch, wann und wer für Software macht, was Spotify für Musik und Amazon für Bücher tat.

Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller und Autor des ICT-Reseller-Index. (Source: Proseller)

"Ob solche übergreifenden Plattformen von Beginn an profitable Geschäftsmodelle sein werden, kann bezweifelt werden", sagt Czekala. Wahrscheinlich werde der Fokus eher auf Produktentwicklung und Marktanteile liegen. So könnten die Betreiber und Investoren einen Verlust lange bewusst akzeptieren.

Czekalas Handlungsempfehlung an Reseller im August

Reflektiert! Traditionell liegt der Tiefpunkt des Sommerlochs immer im August. "Für Reseller ist dies eine gute Zeit, sich einmal mit sich selbst zu beschäftigen", sagt Czekala. Sie könnten in der Zeit die eigene Positionierung, Strategie, Arbeitsabläufe, Team und die ICT-Systeme selbstkritisch betrachten.

"Nur wer wirklich selbstkritisch ist, eventuell auch durch eine Bewertung durch einen ehrlichen Dritten, wird morgen zu den Gewinnern gehören", sagt Czekala. Denn leider sei sicher, dass nicht alle Reseller, die heute operieren, auch morgen noch benötigt werden.

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