VMworld 2017 Europe - Tag 1

VMware baut Partnerschaften aus und setzt auf Sicherheit

Uhr | Aktualisiert

Am gestrigen Dienstag hat VMware seine VMworld 2017 Europe in Barcelona eröffnet. Es gab neue Produkte und Partnerschaften. Auch war ein altbekanntes Schweizer Unternehmen zu Gast.

Pat Gelsinger, CEO von VMware (Source: Netzmedien)
Pat Gelsinger, CEO von VMware (Source: Netzmedien)

Bereits zum neunten Mal veranstaltet VMware in Barcelona die europäische Ausgabe seine Hausmesse VMworld. Dieses Jahr findet die Veranstaltung vom 12. bis zum 13. September satt. Das Unternehmen informiert am Event über neue Produkte. Zudem präsentieren sich Partner und Kunden mit ihren Lösungen.

An beiden Veranstaltungstagen steht je eine Keynote auf dem Programm. Am Dienstag trat VMware-CEO Pat Gelsinger als Hauptredner auf. Entsprechend voll besetzt der Raum. Die Bühne wirkte im Vergleich winzig. Hätten sich nicht zwei grosse Leinwände neben der Bühne befunden, wäre nicht viel von den Rednern zu sehen gewesen.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die VMworld 2017 Europe erneut gewachsen. Rund 11'000 Gäste zählen die Veranstalter. Dies sind 1000 mehr als im Vorjahr, wie Jean-Pierre Brulard, Senior Vice President und General Manager EMEA, an der Eröffnung sagte. Nach einer kurzen Ansprache, die unter dem Motto "We are VMware" stand, übergab er an den Unternehmens-CEO Pat Gelsinger. Seit inzwischen vier Jahren leitet er die Geschicke des Unternehmens.

Jean-Pierre Brulard, Senior Vice President and General Director EMEA, bei der Eröffnung. (Source: Netzmedien)

Produktfeuerwerk blieb aus

Wer ein Feuerwerk an Neuankündigungen erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Dieses hatte es bereits zwei Wochen zuvor an der VMworld in Las Vegas gegeben. Die meiste Beachtung fand dabei die Kooperation von VMware mit Amazon Web Services (AWS). Schon vor einem Jahr war die Zusammenarbeit angekündigt worden. In Las Vegas präsentierten die Firmen erste Ergebnisse. Die Lösungen von VMware können nun auch bei AWS in der Cloud betrieben werden. Damit macht VMware einen ersten grossen Schritt in Richtung Multi-Cloud-Anbieter. Auch am Event in Barcelona ging Gelsinger zunächst prominent auf diese Ankündigung ein.

Pat Gelsinger, CEO von VMware. (Source: Netzmedien)

Als erste Neuheit präsentierte er "VMware Integrated Openstack 4.0". Diese Lösung richte sich vor allem an Telkos, die ihre Architektur für die Zeit von 5G vorbereiten wollen. Denn gemäss Gelsinger verlange 5G eine völlig neue Architektur. Seiner Einschätzung nach wird die Erneuerung die grösste Investition sein, welche die Telkos bisher vorgenommen haben. Mit VMware Integrated Openstack 4.0 will sich VMware in diesem Markt positionieren.

Zu den ersten Kunden gehören Unternehmen wie BT, Vodafone, die Deutsche Telekom, China Mobile – und auch Swisscom, wie an der Präsentation zu sehen war. Dies sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass das Schweizer Unternehmen zur Sprache kam. Dazu später mehr.

Ausbau der Partnerschaften

Eine prominente Rolle nahm während der Keynote die Partnerschaft von VMware mit IBM ein. Die Firmen hatten ihre Zusammenarbeit bereits vor einem Jahr angekündigt. In der Keynote zog David Kenny, SVP IBM Watson and Cloud Platform, eine positive Zwischenbilanz. Gemeinsam gewannen die Firmen laut Kenny bereits über 1400 Kunden, die VMware in der IBM Cloud nutzen.

Pat Gelsinger und David Kenny, SVP IBM Watson and Cloud Platform. (Source: Netzmedien)

Zusammen mit Kenny stellte Gelsinger im Anschluss die VMware-HCX-Technologie vor. Hierbei handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Lösung, welche die Migration von virtuellen Maschinen zwischen verschiedenen Clouds erleichtern soll. IBM ist einer der ersten Partner, die HCX anbieten. Das Unternehmen verspricht sich durch die Lösung eine höhere Skalierbarkeit für seine Kunden. HCX gibt es zunächst nur in den USA, die Lösung soll aber in der ersten Hälfte 2018 auch in Europa ausgerollt werden, sagten Unternehmensverantwortliche an einem Medienevent.

Ausser der Einführung von HCX verlautbarte VMware auch einen Ausbau des "Cloud Provider Programs". Neu kommt das Label "VMware Cloud Verified" und "VMware Cloud Verified Partner" hinzu. Die Auszeichnungen erhalten Unternehmen, die viel in VMware investiert haben und sich verpflichten, "zusätzlich wichtige Services und weiteren Support für eine gemeinsame Infrastruktur anzubieten", wie das Unternehmen mitteilt. Aktuell haben nur Centurylink, Fujitsu, IBM Cloud, OVH und Rackspace diesen Partner-Status. Laut Gelsinger sollen jedoch bald weitere folgen.

Etwas beiläufig gab Gelsinger auch eine neue Partnerschaft mit HPE bekannt. Diese unterstreiche auch die Unabhängigkeit des Unternehmens von Dell-EMC. VMware will auch weiterhin eigenständig und unabhängig von Herstellern sein, wie Gelsinger gegenüber der Presse betonte. In dieser Hinsicht habe die Übernahme von EMC durch Dell keinen Einfluss auf das Geschäft von VMware gehabt.

Das virtuelle Rechenzentrum

Im Anschluss trat Alan Renouf, Senior Product Line Manager von VMware, auf die Bühne. Er gab einen Einblick in das "virtuelle Rechenzentrum", einem experimentellen Projekt von VMware. Gelsinger stellte diese Zukunftsvision vor. Dazu setzte er eine VR-Brille auf. Vor seinen Augen erschien nun ein Raum mit einigen Boxen, die Instanzen repräsentierten. Auf diesen waren virtuelle Maschinen (VMs) abgebildet.

Gelsinger mit VR-Brille im virtuellen Rechenzentrum. (Source: Netzmedien)

Mit einem Auswahlwerkzeug wählte Gelsinger eine solche VM an und die Informationen dazu wurden angezeigt.

Nach der Auswahl einer VM erscheinen die Informationen dazu. (Source: Netzmedien)

Mit dem gleichen Werkzeug konnte er die VM, die nicht mehr benötigt wurde, in den Mülleimer werfen. "This was fun", kommentierte er diese Aktion.

Gelsinger entsorgt eine VM im Papierkorb. (Source: Netzmedien)

Ebenso einfach konnte er eine VM von einer Instanz auf die nächste übertragen. Der Höhepunkt der Präsentation war die Migration der VM in die Cloud. In einer Ecke des virtuellen Rechenzentrums waren einige Wolken dargestellt. Gelsinger griff nun eine VM und warf sie virtuell in die Cloud, womit die Migration erledigt war.

Gelsinger wirft die VM in die AWS-Cloud. (Source: Netzmedien)

Noch ist das virtuelle Rechenzentrum nur eine Demo-Umgebung. VMware werde die Entwicklung jedoch als Open Source für die Entwickler-Community zugänglich machen, damit sich daraus eventuell in Zukunft ein Produkt entwickeln könne, sagte Renouf.

Referenzkunde Swisscom

VMware-CEO Gelsinger bat zur Demonstration der Innovationen von VMware immer wieder Kunden des Unternehmens auf die Bühne. Zusammen mit einem Vertreter von Liberty Global, der Muttergesellschaft von UPC, trat Swisscom-CIO und -CTO Heinz Herren auf die Bühne. VMware-COO Sanjay Poonen interviewte ihn. Die Wahl sei auf Swisscom gefallen, da der Telko mit seinem Weg in die Cloud eine Vorbildfunktion einnehme, sagte Poonen.

Heinz Herren, CIO und CTO von Swisscom, mit VMware-COO Sanjay Poonen. (Source: Netzmedien)

Laut Herren stehen viele Schweizer Unternehmen noch am Anfang ihrer digitalen Transformation, und viele Unternehmen trieben die Virtualisierung nur halbherzig voran. Es gebe noch zu viele Legacy-Architekturen und zu wenig werde automatisch abgewickelt. Daher habe Swisscom zusammen mit VMware vor einem Jahr eine neue Strategie entwickelt. Vor einem Jahr stellte Swisscom seine Cloud-Architektur vollständig auf VMware um. Dazu gingen die Firmen eine strategische Partnerschaft ein. Daraus entstand die neue Enterprise Cloud von Swisscom. Die Lösung ersetzte eine Eigenentwicklung mit "Swiss Finish" ab, wie Herren sagte. Durch die Kooperation könne sich Swisscom stärker auf die Services und die "Time-to-Market" konzentrieren, sagte Herren.

Er glaube an starke Partnerschaften wie die mit VMware. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten hätte das Projekt schnell Fahrt aufgenommen. Herren zog daher eine positive Bilanz der Kooperation.

Sicherheit rückt mehr in den Fokus

Für Gelsinger ist das Thema Sicherheit "das wichtigste Thema überhaupt", wie er zum Abschluss sagte. Die Herausforderungen in diesem Feld würden immer grösser und die Komplexität steige. Hinzu komme noch eine Vielzahl von Sicherheitsanbietern, über die man kaum noch den Überblick behalten könne.

Für Gelsinger braucht es daher einen neuen Ansatz, wie Sicherheit gedacht werden muss. Er plädierte für einen Paradigmenwechsel. Anstelle "chasing bad" sollte es "ensure good" heissen. Im Klartext soll man nicht mehr Schadprogramme wie Nadeln im Heuhaufen suchen. Dies sei ein unmögliches Unterfangen. Zielführender wäre es, auf Anomalien zu reagieren. Erreichen will VMware dies mit dem neu vorgestellten Produkt AppDefence.

Mithilfe von Maschinenlernen soll AppDefence abweichendes Verhalten erkennen. In diesem Fall werden dann Sicherheitsmechanismen ausgelöst. Dies kann etwa das automatische Abschalten einer Applikation oder die Benachrichtigung der zuständigen Person sein. Das Angebot ist zwar zunächst nur in den USA verfügbar, soll aber im Laufe des Jahres 2018 auch in ganz Europa ausgerollt werden.

Die gesamte Keynote von Pat Gelsinger kann online angeschaut werden.

Webcode
DPF8_57208

Kommentare

« Mehr