Kolumne

Warum die digitale Transformation uns alle betrifft

Uhr | Aktualisiert
von Stella Gatziu Grivas, Beirätin Eurocloud Swiss

Die digitale Transformation beeinflusst das Business massgeblich und schürt dabei Hoffnungen wie auch Ängste bei den Menschen. Es handelt sich um einen komplexen Begriff, der nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche Aspekte umfasst.

Stella Gatziu Grivas, Beirätin Eurocloud Swiss. (Source: zVg)
Stella Gatziu Grivas, Beirätin Eurocloud Swiss. (Source: zVg)

Kennen Sie Gustav Hartmann, auch bekannt als «Eiserner Gustav»? 1928 kämpfte er mit einer legendären Protestfahrt von Berlin nach Paris gegen den Untergang des Droschkengewerbes, das von einer disruptiven Technologie in Form des Automobils massiv unter Druck gesetzt wurde. Wie sich die Situation bis heute verändert hat, wissen wir alle ...

Diese Anekdote steht exemplarisch für eine Situation, mit der wir uns heute im Zuge der digitalen Transformation wieder konfrontiert sehen. Künstliche Intelligenz, Bots, Robotik, Internet of Things, Big Data und Data Analytics, mobile Technologien oder Cloud-Services sind Beispiele von technologischen Entwicklungen, welche die digitale Transformation vorantreiben. Zwar sind Roboter insbesondere in Bezug auf Wahrnehmung und «Intelligenz» noch weit vom Menschen entfernt, aber die Entwicklung von humanoiden Robotern wird mit enormem Tempo vorangetrieben. Bereits jetzt übernehmen Roboter wichtige Aufgaben. Sie bringen etwa in Hotels als Mitarbeiter im Zimmerservice frische Handtücher oder sind schnelle und präzise Augen und Arme in Logistikunternehmen. Smarte Systeme sagen mir mit jedem Onlineeinkauf genauer, welche Artikel mir gefallen könnten. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos!

Wer solche Technologien gekonnt einsetzt, kann sich gegenüber Wettbewerbern abheben und schafft damit neue Geschäftsvorteile. Diese Entwicklungen beeinflussen Prozesse und Geschäftsmodelle im Allgemeinen und die Unternehmens-IT im Speziellen. Deren Rolle und Struktur ist heute dabei, sich stark zu wandeln.

Jedes Unternehmen der Zukunft wird auch ein Softwareunternehmen sein. Entsprechend steht die Unternehmens-IT als Businesspartner vor der Herausforderung, mit den technologischen Entwicklungen mitzuhalten, sich umzustrukturieren und neu zu orientieren. Beispielsweise führt der steigende Einsatz von Cloud-Services dazu, dass die Service-Bereitstellung verlagert wird, weg von der eigenen IT. Dadurch wird die Unternehmens-IT zum Service-Broker und Businesspartner und ist zuständig für die Definition der Anforderungen, die Auswahl und die Integration der Services.

Die gesellschaftliche Komponente der digitalen Transformation

Das Beispiel vom Eisernen Gustav veranschaulicht ebenfalls, dass digitale Transformation nicht nur aus Modifikation von Geräten, Instrumenten oder Fahrzeugen besteht. Ich finde es wichtig zu betonen, dass digitale Transformation ebenso etwas Gesellschaftliches wie Technisches ist und somit uns alle betrifft.

Der Begriff hat also ganz verschiedene Ausprägungen und ist weitaus komplexer, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Was bedeutet digitale Transformation
für die Gesellschaft, für jeden einzelnen von uns als
Arbeitnehmer oder Arbeitgeber? Braucht es mich in Zukunft noch? Werden meine beruflichen Kompetenzen auch in einigen Jahren noch genügen? Solche Fragen treiben viele um, zu Gustav Hartmanns Zeiten wie auch heute.

Sicher ist, die digitale Transformation verlangt den Menschen viel ab. Die Erwartungen sind hoch, die Fallhöhe jedoch ebenfalls. Triumph und Tragödie liegen nahe beieinander. Diskussionen rund um Chancen und Ängste im Zusammenhang mit der digitalen Transformation müssen daher unbedingt parallel geführt werden. Wir müssen in Zukunft keineswegs alle IT-Spezialisten sein. Aber jeder sollte die Bereitschaft und den Mut zur Veränderung und Weiterbildung mitbringen.

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