Nachgefragt

Was Cyber-Security-Versicherungen bringen

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Wo ein potenzieller Schaden ist, ist auch eine Versicherung. Versicherungsgesellschaften bieten spezifisch auf KMUs ausgerichtete Cyber-Security-Pakete. Warum diese ihr Geld in eine Versicherung stecken sollten, erklärt Stephan von Watzdorf, Head Professional Liability and Cyber Risk Switzerland, Zurich Versicherung.

Stephan von Watzdorf, Head Professional Liability and Cyber Risk Switzerland bei der Zurich Versicherung. (Source: zVg)
Stephan von Watzdorf, Head Professional Liability and Cyber Risk Switzerland bei der Zurich Versicherung. (Source: zVg)

Wieso sollte ein KMU sein Geld in eine Versicherung stecken, wenn man es auch in Security-Technologien investieren könnte?

Stephan von Watzdorf: Gerade weil Sie nicht über ein unbegrenztes Budget verfügen, brauchen Sie eine Versicherung. Denn Sicherheitstechnologien bieten keinen hundertprozentigen Schutz, ein Restrisiko bleibt immer. Dies zeigen die vielen Berichte über erfolgreiche Angriffe auf grosse Firmen, die über hohe IT-Budgets und viel Know-how verfügen. Damit eine Firma durch eine hohe Rechnung nach einem Cybervorfall nicht in Bedrängnis gerät, empfehlen wir einen Versicherungsschutz.

Wovor schützt die Versicherung genau?

Versicherungen gegen Cyberrisiken decken unter anderem die Kosten, die nach einem Angriff anfallen, um Daten und Systeme einer Firma wiederherzustellen. Auch den Gewinn, der während einer Betriebsunterbrechung entgeht, können die Firmen versichern. Wichtig ist überdies, dass eine Deckung für Haftpflichtansprüche von Dritten besteht. Eine Firma kann beispielsweise mit Kosten konfrontiert sein, wenn Kunden wegen des Verlusts ihrer Daten klagen.

Wie viele Unternehmen in der Schweiz sind bereits versichert?

Bisher versichern sich nur wenige Firmen gegen Cyberrisiken, obwohl diese stark zunehmen. Eine Umfrage von Zurich ergab, dass 12 Prozent der Schweizer KMUs die Gefahren durch Cyberkriminelle für ein Schlüsselrisiko halten, aber nur gerade 2,5 Prozent laut eigener Angabe über voll funktionierende und aktualisierte Schutzmassnahmen verfügen. Hochgerechnet auf die rund 562 000 KMUs in der Schweiz, bedeutet dies, dass 548'000 KMUs über keinen effektiven Schutz verfügen. Eine Cyberversicherung abgeschlossen haben nach unserer Einschätzung weniger als 2 Prozent der Firmen.

Wie sieht das Wachstum in den nächsten zehn Jahren aus?

Der Markt für Cyberversicherungen wächst stetig. Während Lösungen gegen Cyberrisiken bei grossen Konzernen schon länger ein Thema sind, entdecken KMUs das Thema in letzter Zeit mehr und mehr. Das Bewusstsein schärft sich nicht zuletzt durch globale Angriffe wie etwa Wannacry. Solche Attacken sind breit gestreut und betreffen daher auch KMUs.

Mit welchen Unternehmen arbeiten Sie dafür zusammen? Und was bringen diese ein?

Wir arbeiten mit renommierten Firmen wie Deloitte, Crawford oder Kudelski. Sie helfen uns, Risikoanalysen für unsere Kunden durchzuführen, oder unseren Kunden im Schadenfall den bestmöglichen Service durch Spezialisten zu bieten.

Können Reseller diese Versicherungen auch verkaufen?

Wir wollen künftig Kooperationen anbieten. Aktuell prüfen wir verschiedene Optionen. Ähnlich wie bei einer Autoversicherung ist der Handel ein interessanter Ort, um Versicherungslösungen zu platzieren.

Wie hoch ist der durch Cybercrime verursachte Schaden in der Schweiz?

Die Höhe der Kosten ist schwierig zu beziffern, sowohl für die Schweiz als auch für andere Länder. Weltweit gehen Experten von Kosten in der Höhe von 1 Billion US-Dollar aus. In der Schweiz bietet die Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani regelmässig Informationen über aktuelle Zwischenfälle.

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