Jahrestreff der Energiebranche

Wetter, Witz und Weltpolitik an der Smart Energy Party 2017

Uhr | Aktualisiert

Auch in diesem Jahr trafen sich Politiker, Medienschaffende, Wissenschaftler sowie Vertreter der ICT- und Energiewirtschaft an der Smart Energy Party. Während die Gäste Beziehungen knüpften, das Abendessen genossen und über den Stand der Industrie diskutierten, gaben Sandra Boner und Carla del Ponte Einblicke in ihre Arbeit.

Die Smart Energy Party führt alljährlich Vertreter aus Politik, Medien, Wissenschaft, ICT- und Energiebranche zusammen. In entspannter Atmosphäre bietet sie Gelegenheit zum Austausch, zum Kennenlernen und für ein buntes Rahmenprogramm.

Gestern, am 26. Oktober, war es wieder soweit. Mehr als tausend Gäste hätten sich diesmal in der Umwelt Arena Spreitenbach versammelt, sagte Organisator Kurt Lüscher zur Begrüssung. Lüscher zog eine positive Bilanz. Die Zahl der Partner sei gestiegen, das Interesse an der Veranstaltung hoch.

Die Smart Energy Party 2017 fand in der Umwelt Arena in Spreitenbach statt. (Source: Netzmedien)

Auch beim Thema Energie sei viel in Bewegung. Nicht nur durch das im vergangenen Mai vom Volk angenommene Energiegesetz. Smart Everything, Digitalisierung und Vernetzung veränderten die Branche. "Uns erwartet eine enorm spannende Entwicklung", sagte Lüscher.

Als erste Referentin trat Corina Eichenberger auf. Die Nationalrätin der Aargauer FDP fand mahnende Worte für die schweizerische Energiepolitik. Es brauche innovative Ideen und mutiges Vorgehen, um die neue Energiestrategie und das Pariser Klimaabkommen umzusetzen.

Organisator Kurt Lüscher führte durch den Abend. (Source: Zvonimir Pisonic)

Aus dem Nähkästchen einer Wetterfee

In die Welt von Wind und Wolken ging es anschliessend mit Sandra Boner. Die Moderatorin von SRF Meteo sprach über die Tücken der Wetterprognose. Zwar habe der Einsatz von Computern die Meteorologie revolutioniert, das Wetter von morgen vorherzusagen bleibe allerdings eine Herausforderung. Viele Faktoren haben darauf einen Einfluss, sagte Boner.

Die TV-Meteorologin gab Einblicke in die Arbeit auf dem Dach des Studios Leutschenbach. Sie zeigte, wie ihr Tagesablauf aussieht, was live alles schiefgehen kann und wie sich die Sendung seit der Lancierung veränderte. Die Konkurrenz bei Wetterprognosen sei gewachsen, sagte Boner. Meteo müsse sich deshalb auch auf digitale Kanäle ausrichten.

Die Anklägerin und die Politik

Zur Smart Energy Party eingeladen war auch Carla del Ponte. Die ehemalige Bundesanwältin und Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag erzählte, wie sie von der Tessiner Staatsanwaltschaft in die internationale Politik und Diplomatie geriet.

"Ich habe gelernt, mit den Politikern zusammenzuarbeiten", sagte del Ponte mit Blick auf ihre Karriere, die sie mit viel Prominenz der Weltpolitik bekannt gemacht habe. Sie schilderte, wie sie sich mit Angeklagten aus Ruanda und dem ehemaligen Jugoslawien auseinandersetzte.

Carla del Ponte erzählte aus ihrer Laufbahn in Justiz und Diplomatie. (Source: Netzmedien)

Del Ponte zeigte, dass es in der internationalen Justiz vor allem Beharrlichkeit und gute Beziehungen zur Politik brauche. So traf die Tessinerin mit George W. Bush, Gerhard Schröder und Jacques Chirac zusammen. Politiker, die ihre ganz eigene Art des Kontaktes pflegten. Der Handkuss des französischen Präsidenten etwa sei "das fantastischste, was eine Frau erleben kann", sagte del Ponte.

Nach ihrer Tätigkeit am Internationalen Strafgerichtshof bis Ende 2007 ernannte der Bundesrat Carla del Ponte zur Schweizer Botschafterin in Argentinien. Ein willkommener Wechsel nach mehr als 8 Jahren in Den Haag. "Diplomatie ist fantastisch", schwärmte del Ponte. "Ein Botschafter hat keine Verantwortung. Er muss bloss ausführen, was aus Bern kommt. Und es kommt alles aus Bern."

Der syrische Bürgerkrieg war die bislang letzte Station in Carla del Pontes Laufbahn. Hier seien die Grenzen der Diplomatie deutlich geworden, sagte sie. Trotz der vielen Opfer in diesem Konflikt sei es ihr nicht möglich gewesen, die Aufgabe als Sonderermittlerin der UNO zu erfüllen. Verantwortlich dafür sei die fehlende Unterstützung der Politik. 2017 habe sich deshalb zur Demission entschieden.

Musik und Management als Ausklang

Auf einer heiteren Note rundete der Dirigent und Geiger Christian Gansch die Smart Energy Party ab. Der Österreicher zeigte mit Witz, Ton und Tempo die Parallelen zwischen der Leitung eines Orchesters und der Unternehmensführung.

In jedem Orchester gebe es Abteilungen, Reibungen und Hierarchien. Eine Sinfonie zu spielen sei echte Arbeit, sagte Gansch, der sich auf der Bühne selbst ins Zeug legte. An kurzen Musikbeispielen von Bruckner bis James Brown gab er Nachhilfe fürs Management.

Bei Christian Gansch wird das Orchester zur Metapher für das Unternehmen. (Source: Netzmedien)

In der Firma wie im Konzertsaal sei Vertrauen, Eigenverantwortung und Disziplin wichtig. verschiedene Sparten wollen in Harmonie und Takt gehalten werden. Mitarbeiter müsse man mit Wertschätzung, Respekt und vor allem ehrlichem Feedback motiveren, sagte Gansch. "Führen heisst, auch die kleinen Rollen mittnehmen".

Dem Publikum riet der Musikus, die eigenen Ansprüche stets höher als die Erwartungen der Kunden anzusetzen. Manager wie Dirigenten dürften nicht einfach "mitdirigieren", sondern voraus denken und handeln. Ein Orchesterchef müsse aber auch wissen, "wann er sein Orchester nicht stören darf". Seine musikalische Nachhilfe brachte Gansch auf die Formel: "Aufeinander hören, miteinander handeln, voneinander lernen."

So bot die Smart Energy Party 2017 Speis und Trank, ein breites Programm und spannende Gäste. Sie soll auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. Am 25. Oktober 2018, sagte Kurt Lüscher.

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