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Die Elektronikindustrie nimmt Kinderarbeit in Kauf

Uhr | Aktualisiert

Eine Untersuchung von Amnesty International zeigt: Die Elektronik- und Autoindustrie profitiert von Kinderarbeit in den Kobaltminen des Kongo. In den vergangenen zwei Jahren seit der letzten Untersuchung haben Unternehmen wie Microsoft, Lenovo und Co. dennoch nichts unternommen.

Mineral, das Kobalt enthält (Source: Didier Descouens / WikiCommons / CC-BY-SA-4.0)
Mineral, das Kobalt enthält (Source: Didier Descouens / WikiCommons / CC-BY-SA-4.0)

Amnesty International hat untersucht, woher Auto- und Elektronikindustrie das Metall Kobalt beziehen. Die Ergebnisse publizierte die Menschenrechtsorganisation im Bericht "Time to recharge".

Mehrere Elektronikfirmen hatte Amnesty International bereits vor zwei Jahren mit Kobalt aus dem Kongo in Verbindung gebracht – und jetzt wieder. In den Kobaltminen des afrikanischen Staates arbeiten Kinder, wie die Regierung der Demokratischen Republik Kongo erstmals zugab.

Elektronikindustrie unternimmt seit Anfang 2016 kaum etwas gegen Kinderarbeit

Die aktuelle Untersuchung von Amnesty International zeigt, dass Elektronikfirmen seit der Untersuchung vom Januar 2016 nicht viel unternommen haben, um Kinderarbeit zu verhindern. Wenn es nach Ihnen ginge, würden ihre Supply Chains nach wie vor ganz tief im Dunkeln bleiben. Auch Greenpeace stellte dies im Oktober fest.

So haben Microsoft, Lenovo, Huawei und Vodafone seit Januar 2016 gar nichts unternommen und weiterhin das durch Kinderarbeit geförderte Kobalt verwendet. Sony, Samsung Electronics, und die Batteriehersteller Amperex Technology und Tianjin Lishen hätten nur minimale Massnahmen ergriffen. Sony habe kürzlich als Folge der Untersuchung von Amnesty seine Kobaltlieferanten offengelegt, heisst es im Bericht.

Bescheidene Massnahmen seit 2016 haben laut Amnesty International Dell und HPE in die Wege geleitet. Angemessen auf die erste Untersuchung von Amnesty International reagiert hätten lediglich Apple und Samsung SDI, Samsungs Sparte für Batterien und Bildschirme. Kein einziges Unternehmen habe alles in seiner Macht stehende getan, um aus Kinderarbeit stammendes Kobalt aus seiner Produktion zu verbannen, sagt Amnesty International.

Elektronikfirmen verletzen Transparenzgebot und Sorgfaltspflichten

Die Firmen würden ihre Sorgfaltspflichten verletzen. Zudem entspräche es internationalen Standards, das Risiko von Menschenrechtsverletzungen in der Supply Chain transparent mitzuteilen. Apple sei die einzige Firma, die dieses Jahr von sich aus die Namen seiner Kobaltlieferanten veröffentlicht habe und sich bei denen dafür einsetze, Kinderarbeit zu beenden. Einer der grössten Kobaltlieferanten ist die chinesische Firma Huayou Cobalt, die auch Apple beliefert. Bei einem Audit von Huayou Cobalt durch Liz Muller im Juli konnten die Prüfer allerdings nicht ausschliessen, dass Huayou Cobalt aus Kinderarbeit gewonnenes Kobalt liefert.

Kobalt braucht es insbesondere in Batterien und Akkus. Das Metall kommt etwa bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz. Mehr als die Hälfte der weltweiten Kobaltbestände stamme aus dem Kongo, sagt Amnesty International. 20 Prozent davon würden unter prekären Bedingungen von Hand gefördert.

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