"Ein Angriff auf Salt-Mitarbeiter"

Salt verärgert über Netztest – Connect mobilisiert Anwalt

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Salt ärgert sich über die Ergebnisse des diesjährigen Netztests von Connect und erhebt Vorwürfe. Gegen Connect und gegen die Konkurrenz. Connect kontert und mobilisiert derweil den Anwalt.

(Source: Congerdesign / Pixabay.de)
(Source: Congerdesign / Pixabay.de)

Ende November kürte die Fachzeitschrift Connect – wie jedes Jahr – das beste Handynetz der Schweiz. Dieses Jahr bot der Vergleich eine kleine Sensation: Sunrise und Swisscom überzeugten beide mit einem Rekord-Ergebnis von 973 Punkten – bei einer maximalen Punktzahl von 1000.

Der dritte Telko im Bunde, Salt, hatte sich hingegen im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert und landete mit 845 Punkten abgeschlagen auf dem dritten Platz. Das Resultat löste bei Salt "eine grosse Überraschung und viel Unverständnis aus", wie das Unternehmen mitteilte. Offensichtlich gebe es einen grossen Graben zwischen dem, was Connect misst und dem alltäglichen Kundenerlebnis, schreibt der Telko.

Salt-CEO spricht von einem Angriff

In der gleichen Medienmitteilung findet CEO Andreas Schönenberger klare Worte. Der Salt-Chef bezeichnet die Studie als einen "Angriff, der sich hauptsächlich gegen unsere Mitarbeiter, unsere Schweizer Lieferanten und unsere Kunden richtet".

"An einem Angriff auf Mitarbeiter eines Mobilfunkanbieters liegt uns gar nichts", kontert Bernd Theiss, Leiter Test & Technik von Connect, als die Redaktion ihn mit den Vorwürfen Salts konfrontiert. "Der Netztest ist als Beratung für unsere Leserschaft an anspruchsvolle Mobilfunkkunden gedacht." Und die von Salt reklamierten Mängel seien gar keine.

"Wenn wir unsauber arbeiten würden, könnte unsere zwanzigköpfige Redaktion von einem milliardenschweren Netzbetreiber sehr schnell in Grund und Boden verklagt werden", argumentiert Theiss. Dass das noch nicht passiert sei, spreche für Connect.

Salt bündelte seine Kritik am Netztest in vier Punkten. Theiss antwortete auf alle vier:

  1. Connect verteile eine unverhältnismässig hohe Punktzahl für Voice over LTE (VoLTE), sagt Salt. "Connect vergibt keine Punkte auf VoLTE oder auf konventionelle Verbindungen, sondern wertet unabhängig von der Verbindungsart die Rufaufbauzeit, die Sprachqualität und die Zuverlässigkeit aus", antwortet Theiss. Wo möglich werde zwar über VoLTE gemessen, denn das sei die modernere Übertragungstechnik. Doch es sei jedem Netzbetreiber frei, welche Technik er in seinem Netz einsetze.

  2. Beim Test fehle es gänzlich an Crowdtesting-Elementen, sagt Salt. "Selbstverständlich testen auch Connect und unser Messpartner P3 Crowdsourcing-Lösungen", antwortet Theiss. "Doch bisher wurde in der Schweiz damit die nötige Anzahl Messungen pro Stunde nicht erreicht, um ein statistisch belastbares Ergebnis zu erzielen." Tatsächlich publizierte Connect dieses Jahr bereits erste Messergebnisse zur Netzstabilität, die durch die Crowd gesammelt wurden. Sie flossen jedoch noch nicht in die Gesamtbewertung mit ein. Aber: "Auch unter Einbeziehung unserer diesjährigen Crowdsourcing-Ergebnisse wäre Salt bei der Note 'gut' geblieben, Swisscom und Sunrise 'überragend'."

  3. Messkriterien für die Beurteilung der Abdeckung im Gebäudeinnern fehlen ebenfalls, wie Salt sagt. "Zur Beurteilung der Indoor-Coverage schickt Connect Walktest-Teams auf Tour", antwortet Theiss. Das erwähnt Connect auch im Test. "Salt würde bei reiner Beurteilung der Walktest-Ergebnisse übrigens noch schlechter abschneiden", fügt Theiss hinzu.

  4. Zudem berücksichtige Connect die Frage der Volumen- und/oder der Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht, sagt Salt. "Wir beurteilen die Netzqualität", antwortet Theiss. "Welches Angebot der Netzbetreiber dem Kunden macht, liegt nicht im Fokus unseres Tests." Es handle sich beim Netztest explizit nicht um einen Tariftest, ergänzt Theiss.

Salt wettert gegen die Konkurrenz

In der Medienmitteilung wettert Salt auch gegen die Wettbewerber Sunrise und Swisscom. "Es ist doch überraschend festzustellen, dass die beiden Mobilfunkanbieter, welche Zusatzdienstleistungen von Connect beziehen, ex aequo den Test gewinnen und mit dem Prädikat ‘hervorragend’ beglückt werden".

Theiss von Connect wehrt sich gegen diesen Vorwurf. "Wir leisten keine Zusatzdienstleistungen, weder für Sunrise, noch für die Swisscom, noch für einen anderen Netzbetreiber", sagt er. "Wir haben unseren Anwalt auf diese Unterstellung angesetzt."

Auch bei Swisscom will man von Zusatzdienstleistungen nichts wissen. "Es besteht keine Geschäftsbeziehung zwischen Swisscom und Connect", sagt ein Mediensprecher auf Anfrage. Swisscom lasse aber das Mobilfunknetz während dem ganzen Jahr immer wieder von P3 messen - der Messfirma, die auch für Connect arbeitet.

Ergebnisse decken sich mit anderen Tests

Sunrise wiederum wirft den Ball zurück: "Was Salt konkret an der Methodik von P3 kritisiert, ist uns nicht klar", sagt ein Mediensprecher auf Anfrage, "zumal sie – nach ihren eigenen Aussagen – allein im laufenden Jahr 360'000 Franken an P3 für Dienstleistungen bezahlt haben."

Der Mediensprecher verweist zudem auf andere Vergleiche (das Bilanz-Telecom-Rating, Opensignal und den Ookla-Speedtest) bei denen Salt ebenfalls keine bessere Positionierung gegenüber Sunrise haben soll. Nach eigenen Angaben pflegt Sunrise eine Geschäftsbeziehung, "wie mit anderen namhaften Firmen, die Kommunikationsdienstleistungen anbieten".

Swisscom streitet zudem eine Bevorteilung im Test ab. "Die Betreiber kennen die möglichen Routen und Gebiete, die getestet werden könnten", sagt der Mediensprecher. "Welche aber schlussendlich ausgewählt wird, entscheidet das Los und wird den Betreibern nicht bekannt gegeben."

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DPF8_71806

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