Druck der DSAG

SAP wandert beim Personalwesen auf dem Grat zwischen On-Premise und Cloud

Uhr | Aktualisiert

SAP hat eine Lösung vorgestellt, mit der Unternehmen ihre HR-Prozesse in die Cloud verlagern können. Nicht alle Anwender sind mit der Cloud-Strategie glücklich. Ihnen kommt der deutsche Softwarehersteller mit einer Verlängerung des On-Premise-Angebots entgegen.

(Source: bsdrouin/pixabay.com/CC0 Creative Commons)
(Source: bsdrouin/pixabay.com/CC0 Creative Commons)

SAP hat eine Lösung vorgestellt, die Kunden dabei helfen soll, ihre HR-Prozesse in die Cloud zu verlagern. Mit dem Programm "HCM Bridge to the Cloud" liessen sich bestehende "SAP ERP Human Capital Management"-Systeme nach den Ansprüchen des Unternehmens in die Cloud migrieren, verspricht der deutsche Softwarehersteller in einer Mitteilung. So sollen das Personalmanagement vereinfacht, Mitarbeiter besser eingebunden und IT-Abteilungen entlastet werden.

"HCM Bridge to the Cloud" sei Teil einer Reihe von Angeboten, mit denen SAP 2018 seine Kunden zum Umstieg auf Cloud-Services bewegen möchte. Nicht alle sind mit dieser Strategie einverstanden. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) führte eine Umfrage unter ihren Mitgliedern zum Personalwesen in der Cloud durch. Sie habe ergeben, dass sich SAP-Kunden vor allem Klarheit über das Schicksal der On-Premise-Lösungen wünschen.

Dieser Forderung aus den Kreisen der DSAG ist SAP jetzt nachgekommen, wie der Verband in einer Mitteilung schreibt. SAP habe sich bereit erklärt, 2023 eine neue On-Premise-Lösung für das Personalwesen auf den Markt zu bringen und deren Wartung bis 2030 zu gewährleisten. Details hat SAP auf seiner Website veröffentlicht.

Die neue Lösung soll nach Angabe der DSAG auf der Hana-Datenbank laufen. Für die Migration seien entsprechende Services und Tools geplant. Zudem werde es für die neue Lösung im Personalwesen eine eigene Wartungsstrategie geben, da sie unabhängig neben S/4 Hana laufen solle. Bestandskunden würde eine Lizenzkonvertierung nach den bestehenden S/4-Hana-Konvertierungsregeln angeboten.

Skepsis gegenüber HR-Cloud-Lösungen

Die Umfrage im DSAG-Arbeitskreis Personalwesen habe unterschiedliche Meinungen zum Cloud-Angebot von SAP ergeben, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Rund 97 Prozent der Befragten hätten die bestehende Lösung SAP HCM im Einsatz. Auf die Frage, welches Betriebsmodell für SAP-Software ihr Unternehmen in den nächsten Jahren realisieren, gaben 41 Prozent an, dass sie ihr Betriebsmodell "ausschliesslich oder überwiegend On-Premise" sehen. 42 Prozent gaben an, eine hybride Lösung bevorzugen. Nur rund 7 Prozent ziehen eine Cloud-Only-Lösung in Erwägung.

Die Skepsis gegenüber Cloud-Lösungen im Personalwesen führt Hermann-Josef Haag, Sprecher des DSAG-Arbeitskreises, darauf zurück, dass die funktionalen Anforderungen der HR-Abteilungen durch das SAP-Angebot noch nicht erfüllt seien. Auch bestünden Bedenken wegen Kontrolle und Datenschutz.

Viele Fragezeichen bleiben

"Wo liegen die Daten? Wo gehen die Daten hin? Wie gehen wir mit Verträgen um? Wer zahlt, wenn das Rechenzentrum von SAP streikt und die Lösung nicht verfügbar ist? Hier gibt es große Fragezeichen, die den Anwendern eine Entscheidung für die neuen, Cloud-basierten Lösungen erschweren. Mit der neuen Lösung bekommen wir hier mehr Zeit zur Klärung", lässt sich Haag in der Mitteilung zitieren.

Die DSAG begrüsse den Schritt von SAP, will aber kritisch beobachten, wie die neue Lösung im Sinne der Kundenbedürfnisse ausgestaltet werde. Zudem seien noch Detailfragen zu klären.

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