Christian Schubert im Interview

Das BAZL bereitet sich auf neue Digitalisierungswelle vor

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von Calvin Lampert und tme

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat mehrere Digitalisierungs-Grossaufträge an IT-Service-Anbieter in der Schweiz verteilt. Welche Projekte sich dahinter verstecken, und wie das BAZL eine Pionierrolle in Europa einnehmen will, erklärt Christian Schubert, Mediensprecher und stellvertretender Leiter der Kommunikation des BAZL.

Christian Schubert, Mediensprecher und stellvertretender Leiter der Kommunikation des BAZL. (Source: zVg)
Christian Schubert, Mediensprecher und stellvertretender Leiter der Kommunikation des BAZL. (Source: zVg)

Das Bundesamt für zivile Luftfahrt hat via Simap einen Auftrag für ein digitales Lizenzen- und Prüfungssystem vergeben. Worum geht es bei dem Projekt?

Christian Schubert: Beim Projekt für digitale Examen und Lizenzen geht es um die Digitalisierung der Prozesse im Prüfungs- und Lizenzwesen. Pro Jahr verarbeitet das BAZL rund 50'000 Lizenzanträge von Pilotinnen und Piloten, Instandhaltungspersonal, Fluglotsinnen und Fluglotsen sowie Drohnenbetreibenden. Dabei handelt es sich um Erstanträge für eine Lizenz, eine Lizenzerweiterung oder eine Lizenzerneuerung. Bislang wurden diese Anträge mittels eingescannten Papierformularen eingereicht. Mit dem Digitalisierungsvorhaben wird das ganze Antragswesen auf eine digitale Basis gestellt. In Zukunft können Pilotinnen und Piloten, Flugschulen, Fluglehrpersonal und Flugprüfende ihre Geschäfte via der in die BAZL-Systeme integrierten Applikation abwickeln. Damit wird sowohl auf Seite der Nutzenden als auch auf Verarbeitungsseite eine Effizienzsteigerung erzielt, denn die Qualitätsprüfung findet innerhalb der Applikation statt und für die Nutzenden wird der Antrag schneller und zuverlässiger verarbeitet.

Steht das Projekt im Zusammenhang mit den neuen Regeln für das Fliegen von Drohnen, welche dieses Jahr in Kraft getreten sind? Schliesslich sehen diese vor, dass Drohnenpiloten neu eine Prüfung ablegen müssen.

Das Projekt ist nicht direkt mit der Drohnenregulierung verbunden, beinhaltet aber auch die Anträge für Drohnenbetreiberinnen und -betreiber.

Welche Herausforderungen sehen Sie bei diesem Projekt?

Für die Entwicklung der nötigen Software wurden zwei Unternehmen mittelst WTO-Ausschreibung ausgewählt. Da die Schweiz als erstes Land innerhalb der EASA das Lizenz- und Prüfungswesen digitalisiert, übernimmt das BAZL eine Pionierrolle. Umso wichtiger ist es, bei der Softwareentwicklung einen erfahrenen und zuverlässigen Partner zur Seite zu haben. Denn es gibt sicher die eine oder andere "technische Nuss" zu knacken. Umso mehr freuen wir uns auf die Umsetzung dieses Projekts.

Was erhoffen Sie sich von dem Projekt?

Wie bereits erwähnt, ist die Digitalisierung des Prüfungs- und Lizenzwesen als Erweiterung des BAZL-E-Government-Dienstleistungsportfolios zu verstehen. Dabei geht es darum, Behördengänge einfach online erledigen zu können und Zeit zu sparen.

Für welche Firmen haben Sie sich bei der Umsetzung entschieden und aus welchen Gründen?

Die Ausschreibung wurde in zwei Lose geteilt. Los 1, die Lizenzantragsoftware, wurde der Firma TI&M zugeteilt. TI&M ist eine Schweizer Firma mit Sitz in Bern und verfügt über grosse Erfahrung in ähnlichen Projekten, das nötige Fachwissen und konnte mit einem ausgezeichneten Konzept überzeugen. Bei Los 2, der Verwaltung der Theorieprüfungen, wurde die Firma Steag & Partner AG ausgewählt. Auch Steag & Partner verfügt über ein sehr grosses Wissen in diesem Fachbereich und wird eine bestehende Software den BAZL Bedürfnissen anpassen. Die Partnerschaft mit beiden Firmen ist für das BAZL eine grosse Chance für den digitalen Weg in die Zukunft.

Mehr zu der Ausschreibung dieses Projekts erfahren Sie hier. 

Webcode
Z9ERqhLD