Graphax-Event im Aura

Augmented Reality, Bots und Denkanstösse für die Zukunft

Uhr | Aktualisiert

Graphax hat erneut einen Event zur "digitalen Revolution" veranstaltet. Er bot Demos von Augmented Reality und eines Chatbots sowie Denkanstösse für die Zukunft. Mit Christian Gansch referierte zudem ein Star-Dirigent.

Star-Dirigent Christian Gansch am Graphax-Event (Quelle: Netzmedien)
Star-Dirigent Christian Gansch am Graphax-Event (Quelle: Netzmedien)

Graphax hat Kunden und Partner nach Zürich geladen. Bereits vor einem Jahr veranstaltete der IT-Dienstleister einen Event zur "digitalen Revolution". Teil 1 fand im Zürcher Hotel Atlantis am Fusse des Üetlibergs statt, Teil 2 gestern im Aura in der Nähe des Paradeplatzes. Die Langenthalerin, Ex-Joiz-Moderatorin und erste Youtuberin des SRF, Tama Vakeesan, führte gekonnt durch den Nachmittag.

Die Ex-Joiz-Moderatorin Tama Vakeesan führte durch die Veranstaltung (Quelle: Christoph Engeli, fce.photo)

Auch Konica Minolta entwickelt eine KI

Der erste Referent war Milan Lakhani, Strategieentwickler bei Konica Minolta. "Ich darf im innovativsten Land der Welt über Innovation reden", sagte er. Lakhani begann marketinglastig. Doch je länger der Vortrag dauerte, desto spannender wurde er. Am interessantesten war die Demonstration von neuen Augmented-Reality-Projekten.

Milan Lakhani, Strategieentwickler bei Konica Minolta (Quelle: Christoph Engeli, fce.photo)

Die Zuschauer erfuhren viel über das Unternehmen. Wussten Sie, dass es eine künstliche Intelligenz namens Alice entwickelt? Dass es in London, Tokio, Singapur, Shanghai und im Silicon Valley forscht? Und dass es weltweit rund 43'300 Mitarbeiter beschäftigt? Diese Informationen dürften für viele im Saal neu gewesen sein.

Konica Minolta ist in etlichen Bereichen aktiv. Etwa im Internet der Dinge, der Sensorik, in der E-Health-Sparte, im 3-D-Printing und im Markt für smarte Brillen und Armbanduhren. Aktuell arbeitet das Unternehmen auch an Augmented-Reality-Technologien. Lakhani demonstrierte einige davon auf der Bühne.

Ein Projekt mit der britischen Royal Air Force belebt bedrucktes Papier und zeigt Videos und 3-D-Visualisierungen von Fliegern. Ein weiteres Projekt mit dem Bildungsministerium von Kenia führte "zum ersten Augmented-Reality-Buch von Kindern für Kinder". Konica Minolta entwickelte zudem eine Software, die die Erstellung von Augmented-Reality-Anwendungen zum Kinderspiel machen soll.

Sascha Cortis Chatbot

Auch Sascha Corti, Technical Evangelist bei Microsoft, referierte. Er baute auf der Bühne einen Chatbot, der auf Microsofts Technologien für künstliche Intelligenz und die Azure-Cloud zurückgriff. "Sie müssen dafür nicht mal programmieren können", sagte Corti. "In einer Stunde ist das gemacht, das ist ganz einfach." Das sorgte für Lacher im Publikum, das von seiner Demo sichtlich beeindruckt war.

Sascha Corti, Technical Evangelist bei Microsoft (Quelle: Christoph Engeli, fce.photo)

"Wir bei Microsoft glauben, dass Bots die Apps der Zukunft sind", sagte Corti. Sein Beispiel verstand natürliche Sprache und konnte in einem Chatfenster zeigen, welches Parkhaus in Zürich gerade wie viele freie Parkplätze hat. Der Bot verstand zudem "Grüezi" und "Guten Morgen", obwohl Corti als Beispiele nur "Hallo" und "Guten Abend" eingab. Der Rest machte Microsofts künstliche Intelligenz automatisch. Auch mit leichten Vertippern konnte der Bot problemlos umgehen.

Corti ging ebenfalls auf Augmented Reality ein. Microsoft spreche bei seiner Hololens von Mixed Reality. Die Brille sei schon seit über einem Jahr in der Industrie im Einsatz, etwa bei Thyssenkrupp. Auch das Inselspital in Bern setze die Hololens für Operationen in der Hirnchirurgie bereits ein, sagte Corti.

Tschüss ECM, hallo Content-Services!

Antti Nivala, CTO und Gründer von M-Files, hielt ein weiteres Referat. Er wies darauf hin, dass Gartner den Begriff ECM (Enterprise Content Management) nicht mehr nutze und stattdessen von Content-Services spreche. Das zeige, in welche Richtung sich der Markt entwickle: ECM-Systeme könnten nun unterschiedlichste Quellen integrieren, seien intelligent und setzten nicht mehr auf klassische File-Ablagen.

Antti Nivala, CTO und Gründer von M-Files (Quelle: Christoph Engeli, fce.photo)

So auch M-Files. Die Software biete zwar immer noch Workflows, Versionskontrollen und eine Suchfunktion. Darüber hinaus nutze sie aber auch intelligente Algorithmen – etwa die von Corti demonstrierte künstliche Intelligenz Microsofts. Das Produkt setze zudem stark auf Metadaten. M-Files könnten unterschiedlichste Quellen auslesen, unter anderem Box, Dropbox, SAP, Salesforce und Sharepoint. Die Files könnten so in der Cloud bleiben und trotzdem zentral verwaltet werden.

"Man sollte Daten nach ihren Eigenschaften und nicht nach ihrem Speicherort organisieren", sagte Nivala. Viele würden sagen, dass die Migration von Daten beim Einsatz eines neuen ECM-Systems das grösste Problem sei. Mit M-Files falle dieser Schritt komplett weg – die Daten könnten da bleiben, wo sie bereits sind. Das vereinfache auch den Umgang mit Nutzern und Nutzerrechten, sagte Nivala.

Denkanstösse für die Zukunft

Auch Stephan Sigrist, Gründer und Leiter des Think Tanks W.I.R.E., referierte. "Wir sind keine Trendforscher und können die Zukunft nicht voraussehen", sagte Sigrist. Dafür sei die Welt zu komplex und es gebe viel zu viele Einflussfaktoren. Sigrist gelang es trotzdem, das Publikum mit spannenden Inputs zum Nachdenken anzuregen.

Die hohe Komplexität habe dazu geführt, dass klassische Managementstrategien heute nicht mehr funktionieren würden. "Wir müssen viel breiter denken!", forderte Sigrist. Unternehmen würden oft denken, dass es bei der Digitalisierung primär um Technologien gehe. Das sei falsch. Im Zentrum stehe der Mensch.

Stephan Sigrist, Gründer und Leiter des Think Tanks W.I.R.E. (Quelle: Christoph Engeli, fce.photo)

Sigrist fragte, ob durch Automatisierung und künstliche Intelligenz bald ein Grossteil der Arbeitsplätze verschwinde. "Nein", lautete seine Antwort. Verschwinden würden vor allem repetitive Tätigkeiten. Nicht aber solche, die ein hohes Mass an Vertrauen brauchen. "Ein Roboter könnte einen Wellness-Therapeuten ersetzen, aber will das wirklich jemand? Es wird nicht passieren", sagte Sigrist.

Und es gebe noch ein Irrtum: Mehr Daten führen zu mehr Erkenntnis. Es sei heute gar nicht mehr möglich, alle verfügbaren Daten zu verarbeiten. Auch nicht mit modernen Big-Data-Technologien. "Algorithmen und künstliche Intelligenzen können mit überkomplexen Fragestellungen nicht umgehen", sagte Sigrist. Oft helfe darum folgender Rat: "Computer ausschalten, Hirn einschalten."

Was Unternehmen von Orchestern lernen können

Das letzte – und leidenschaftlichste – Referat hielt Christian Gansch. Er dirigierte Orchester wie die Münchner Philharmoniker und arbeitete in der Musikindustrie. Dann schrieb er ein Buch – "Was Unternehmen von Orchestern lernen können."

Star-Dirigent Christian Gansch (Quelle: Christoph Engeli, fce.photo)

"Bei den Berliner Philharmonikern spielen Menschen aus 25 Nationen und es herrscht Harmonie pur", sagt Gansch. Wie ist das möglich? Mit Respekt vor dem Menschen, Flexibilität und der Kunst des Vertrauens. Die erste und zweite Geige könne in einem Orchester nicht sagen, es gehe sie nichts an, wie die Kollegen mit den Celli spielen. Nein – sie müssten sich in Rekordzeit an das Spiel der Celli anpassen.

Viele Dinge seien bei einem Orchester ähnlich wie in Unternehmen:

  • Nicht alles, was innovativ ist, wird sofort erkannt.

  • Führen heisst immer zu sagen, warum.

  • Es gibt kleine und grosse Rollen, aber keine unwichtigen.

  • Man kann nicht immer ständig alles kontrollieren.

  • Vertrauen in und Respekt vor Menschen sind zentral.

Das Referat von Gansch endete mit einem tosendem Applaus. Danach fand der Event mit einem Apéro Riche und viel Networking seinen Abschluss.

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