Martin Bürki im Podium

Was für Vorteile laut Ericsson 5G der Industrie 4.0 bringt

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von Coen Kaat

Der neue Mobilfunkstandard 5G verspricht mehr als nur schnelleres Netflixen. Auch für die Industrie 4.0 bieten die hohe Bandbreite und die niedrige Latenz von 5G zahlreiche Vorteile – etwa wenn es darum geht, die Fertigung zu vernetzen. Wie die Industrie von 5G profitiert, sagt Martin Bürki, Geschäftsführer von Ericsson Schweiz.

Martin Bürki, Geschäftsführer von Ericsson Schweiz. (Source: zVg)
Martin Bürki, Geschäftsführer von Ericsson Schweiz. (Source: zVg)

Wie profitiert die Industrie 4.0 vom neuen Mobilfunkstandard 5G?

Martin Bürki: 5G wird Produktivität sowie Flexibilität steigern und Prozesse vereinfachen. Auch können Servicearbeiten per Remote von überall durchgeführt werden, sodass die Ausfälle minimiert werden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, führt kein Weg an der Digitalisierung der industriellen Produktionsprozesse vorbei. 5G wird hier dank der niedrigen Latenz, dem hohen Datendurchsatz, aber auch wegen der Zuverlässigkeit zellularer Kommunikationstechnologie eine zentrale Rolle spielen.

Was davon ist bereits Realität, was noch Zukunftsmusik?

Mit dem Schweizer Medizintechnik-Unternehmen Ypsomed haben wir bereits Produktionsprozesse mit 5G digitalisiert. Der Elektrohersteller E.Go hat dank der 5G-Technologien Mobil Edge Computing (MEC) und Network Slicing eine smarte Fabrik in Deutschland aufgebaut.­Kleine Echtzeit-Rechenzentren (MEC) verarbeiten die Daten direkt in der Produktionshalle. Network Slicing schafft ein autarkes Netz. Insgesamt 36 kleine Mobilfunkantennen ermöglichen auf über 15 000 Quadrat­metern Bandbreiten im Gigabit-Bereich und niedrige Latenzzeiten von ­wenigen Millisekunden. Auch Audi, Mercedes und BMW setzen bereits auf 5G.

Welche Vorteile bietet 5G für industrielle IoT-Anwendungen im Vergleich zu bisherigen Standards, wie etwa LTE/4G?

Eine bis zu 100-mal schnellere Datenübertragung von 10 bis 20 Gbit/s und eine um das 50-Fache verkürzte Latenz von gerade einmal 1 bis 5 Millisekunden. Die Stabilität der Netze wird nochmals massiv verbessert und weist eine Verfügbarkeit von 99,999 Prozent aus. Zudem bietet "Network Slicing" die Möglichkeit ein physikalisches Netz in mehrere virtuelle "Netz-Scheiben" aufzuteilen, die jeweils bestimmte, fest definierte Charakteristika haben – beispielsweise legt eine Scheibe hohen Wert auf die Ausfallsicherheit und ist nur für spezifische Anwendungen gedacht, die andere wird eher als "offene" Scheibe genutzt, die auch Partner vor Ort nutzen könnten. Weiterer Aspekte sind die Themen ­Sicherheit und Ausfallsicherheit. Zellulare Netze sind als standardisierte Technologien deutlich robuster, was Störungen durch andere Signale angeht. So bricht nicht gleich das gesamte Netz zusammen, wenn ­Kunden und Partner mit ihren "Signalquellen" die Produktionsfläche ­betreten.

Inwiefern werden Unternehmen durch diese Entwicklung gezwungen, mit grossem finanziellem Aufwand aufzurüsten, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen?

Unternehmen unterliegen seit jeher einem Konkurrenzdruck, in dem sie versuchen, durch Verbesserung der Produktionsprozesse oder Produktqualität einen Konkurrenzvorteil zu erzielen. Die Digitalisierung eröffnet ihnen Chancen, einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Und bei der Digitalisierung gilt wie in anderen Fortschritten: Der, der sich als Erstes die Möglichkeiten zunutze macht, hat normalerweise einen Wettbewerbsvorteil. In einer Studie haben wir zuletzt sogar darlegen können, dass es eine sogenannte "Cost of Inaction"-Problematik gibt. Soll heissen, wenn man seinen Produktionsstandort nicht aufrüstet, läuft man Gefahr, am Ende draufzuzahlen, weil Potenzial nicht genutzt werden kann.

Welche Chancen eröffnen sich dadurch für Schweizer IT-Dienstleister, Systemintegratoren und Fachhändler?

Die Digitalisierung von Geschäfts- und Produktionsprozessen stellt ein riesiges Wachstumsfeld dar. 5G ist ein Enabler, um riesige Datenmengen kostengünstig und in Echtzeit übertragen zu können, was über Kabel nicht wirtschaftlich oder unmöglich wäre. Den meisten Netzbetreibern fehlen heute die branchenspezifischen Kenntnisse, die man benötigt, um Firmen in der digitalen Transformation zu begleiten. Hier sehe ich ein grosses Potenzial für Schweizer Dienstleister und Integratoren.

Die Antworten der anderen Teilnehmer des Podiums:

Webcode
DPF8_204281

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