10 Jahre "IT-Markt"

Das Cyber-Kondom im Zeitalter der Digitalisierung

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von Ivan Bütler, Gründer Compass Security & Hacking-Lab, Dozent an der FH OST

Wie werden sich die Themen Hacking und Cybersecurity entwickeln? Welche Trends stehen an? Wohin geht die Reise der ­Digitalisierung? Ivan Bütler, Gründer von Compass Security und Hacking-Lab, stellt sich zu Ehren von zehn Jahren "IT-MARKT" diesen Fragen. Ein persönlicher Bericht.

Ivan Bütler, Gründer Compass Security & Hacking-Lab, Dozent an der FH OST. (Source: zVg)
Ivan Bütler, Gründer Compass Security & Hacking-Lab, Dozent an der FH OST. (Source: zVg)

Ich denke oft darüber nach, wie sich das Bedürfnis für Security entwickeln wird. Als ich kurz nach dem Studium meine erste Anstellung im Unix-Team bei einer Schweizer Bank in St. Gallen antrat, habe ich die Reisezeit ins Büro mit Lesen verkürzt. Das Buch von Bruce Schneier "Angewandte Kryptografie" und das bei Usenet im Jahre 1995 veröffentliche Tool "SATAN - System Administration Tool for Analyzing Networks" haben meinen beruflichen Werdegang massgeblich beeinflusst. Mein Interesse an Sicherheit und das Knacken von Computern und Netzwerken wurde zur Leidenschaft.

Zu Beginn haben Unternehmen alles dafür getan, um sich gegenüber dem Rest der Welt abzuschotten. Begriffe wie Firewall und Bastion Hosts wurden erfunden und ein Filter- und Regelwerk zwischen dem Guten und Bösen entwickelt. Das Internet stand für das Unbekannte und Böse. Mit Ausnahme von E-Mail und Remote-Access-Zugriffen war man zunächst isoliert. Doch mit dem Aufkommen von Internet, der Beliebtheit von Handys und Tablets mussten viele die ursprüngliche Firewall und den Perimeterschutz überdenken, um die neuen Chancen und Optionen der Digitalisierung zu nutzen.

Aus Kostengründen verwenden viele zunehmend die Angebote von Cloud-Anbietern, um die wachsenden Bedürfnisse an On-Demand und Skalierbarkeit zu erfüllen. Diese Systeme sind flexibler, einfacher und oft auch kostengünstiger als der Betrieb von IT im eigenen Rechenzentrum. Doch was bewirkt diese Entwicklung für die Sicherheit? Der hart erarbeitete Perimter zerfällt. Unternehmen verbinden diverse Services zu eigenen Dienstleistungen. Den notwendigen Schutz erwartet man beim Anbieter der Cloud - der die Services professionell bereitstellt.

 

Der Perimeterschutz am Menschen

Eine Grenze, die man bisher kaum noch überwunden hat, ist der menschliche Körper. Doch glaubt man den Ausführungen von Yuval Noah Harari, einem israelischen Historiker und Forscher, so werden wir im nächsten Schritt den menschlichen Körper digitalisieren.

Lassen Sie mich ein Beispiel von Harari zitieren. Die biochemischen Prozesse im Körper geben Auskunft über unseren Gesundheitszustand, unsere Gefühlslage und viele weitere Aspekte. Wenn diese durch einen Chip überwacht und mit künstlicher Intelligenz (KI) in der Cloud gekoppelt werden, kann man viel Gutes tun. Man könnte etwa Krebs zwei Jahre vor der Metastase feststellen, zu einem Zeitpunkt, an dem die Chancen auf vollständige Heilung viel grösser sind. Wenn Sie die Möglichkeit hätten, mit einem solchen Chip im Körper zwei Jahre vor Ausbruch des Krebses davon zu erfahren, würden Sie ihn dann tragen? Viele Menschen haben ihre Erfahrung mit Krebs gemacht und sind auch zulasten der Privatspäre bereit, diese Technik für sich in Anspruch zu nehmen.

Der menschliche Körper wird sich, wie Unternehmen, vom strikten Perimeterschutz verabschieden und in Zukunft mit der Cloud kommunizieren. Die Chancen und Optionen sind enorm. Die KI weiss plötzlich mehr über ein Individuum, als das Individuum selbst über sich weiss. Ethische Fragen werden uns als Gesellschaft stärker beschäftigen und auch die Frage, ob und wie wir mit diesem Potenzial umgehen wollen. Der Cyberspace wird noch mindestens 20 Jahre der Wilde Westen für Hacker und Cyberkriminelle sein. Obschon Cyber zunehmend auch militarisiert wird, so sind unendlich viele offene Türen und Daten vorhanden. So viel Neues wird geschaffen, so viel Komplexität und Vernetztheit kreiert, sodass weiterhin Security-Löcher zu erwarten sind, an die bisher noch niemand gedacht hat. Ich freue mich auf die Zukunft!

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