Das Yoga Book im Test

Gute Idee, schlechte Umsetzung

Uhr | Aktualisiert

Es ist handlich, dünn und leicht. Doch das Yoga Book von Lenovo hat seine Tücken. Die Redaktion testete es zwei Wochen lang.

Das Lenovo Yoga Book ist seit Mitte November in der Schweiz erhältlich. Es ist ein 2-in-1-Gerät. Also Tablet und Notebook zugleich. Ein Multifunktionsgerät. Es unterstützt das Betriebssystem Android oder Windows.

Auf dem Testgerät lief Android. Diese Version kostet 589 Franken. Das Yoga Book läuft mit dem Intel-Atom-x5-Prozessor. Die Festplatte hat eine Speicherkapazität von 64 GB.

Alternativ bietet Lenovo auch ein Gerät mit Windows an. Dieses kostet 699 Franken. Beide Geräte haben ein Display mit 10.1 Zoll Diagonale, beide wiegen 690 Gramm.

Yoga Book lässt sich nicht einhändig öffnen

Das Yoga Book kommt in einer weissen Box. Sie lässt sich wie ein Buch aufklappen. Zwischen den beiden "Buchdeckeln" leuchtet ein schmaler orangefarbener Streifen. Die Box erinnert aber auch an eine Schmuckschatulle. In ihr befinden sich neben dem Yoga Book fein säuberlich verpackt: ein Ladegerät und der "Real Pen" mit verschiedenen Minen, das "Book Pad" und ein Papierbogen mit 20 Blatt.

Sobald das Yoga Book ausgepackt ist, stossen die Finger auf den ersten Widerstand. Das Gerät lässt sich nur schwer öffnen. Mit einer Hand ist es so gut wie unmöglich. Zu glatt ist die Oberfläche, zu dünn ist das Gehäuse.

Zusammengeklappt misst es an der dicksten Stelle 9,6 Millimeter. Die Bodenfläche ist so glatt, dass das Yoga Book auf einigen Tischoberflächen hin und her rutscht.

Tastatur lernt aus Fehlern

Wer es schafft, das Yoga Book zu öffnen, sieht zwei Displays vor sich. Das eine zeigt wie bei jedem Tablet oder Notebook die Benutzeroberfläche und Apps an. Das andere ist wahlweise Tastatur oder Zeichenfläche. Lenovo nennt dieses Display die Halo-Tastatur.

Die Tastatur ist komplett flach und leuchtet nur, wenn sie eingeschaltet ist. Es fällt schwer, damit zu schreiben. Die gewohnten kleinen Erhebungen auf dem "F" und dem "J" sind nur eingezeichnet. Man spürt sie nicht.

Das Yoga Book hilft dem Anwender aber beim Schreiben. Es merkt sich Tippfehler und lernt, diese mit der Zeit auszugleichen. In dem zweiwöchigen Test zeigte diese Funktion bereits Wirkung.

Die Tastatur gibt auch physisches Feedback. Berührt ein Finger eine Taste, vibriert diese sanft. Die Stärke der Vibration kann der Anwender in den Einstellungen ändern.

Tastatur macht, was sie will

Das Testgerät hatte allerdings ein Problem. Alle Sprach- und Tastatureinstellungen waren auf Deutsch eingestellt. Doch das "Y" erzeugte ein "Z" und umgekehrt. Auch andere Tasten waren davon betroffen.

Anstatt "Ö" kam der Strichpunkt, anstatt "Ä" ein Apostroph und anstatt "Ü" eine eckige Klammer nach links. Die Zahlen schienen ein völliges Eigenleben zu führen. Dieses Problem liess sich im Test nicht beheben.

Die Halo-Tastatur ist mit einem Gliederschanier am Display befestigt. Mit diesem lässt sich die Tastatur 360 Grad umklappen. Dadurch lässt sich das Yoga Book in vier Modi benutzen: als Tablet, als Notebook, als aufgestelltes Zelt und als Zeichen- und Schreibunterlage.

Die Tastatur schaltet sich automatisch aus, wenn man sie um mehr als 180 Grad umklappt. Das verhindert das versehentliche Drücken einer Taste.

"Book Pad" verwandelt Hand- in Computerschrift

Zu der Halo-Tastatur gehört der "Real Pen". Ein Stift mit zwei Funktionen. Der Anwender kann mit ihm auf der Tastatur sowie auf dem Papier des "Book Pad" schreiben und zeichnen. Lenovo liefert hierzu verschiedene Minen für den Stift mit. Eine Stylus-Spitze und drei Kugelschreiberminen.

Mit der Kugelschreibermine kann der Anwender auf dem Papier des "Book Pad" schreiben. Ein Magnet hält das "Book Pad" auf der Tastatur fest. Zwei weitere Magnete verhindern, dass das Papier ebenfalls an Ort und Stelle bleibt. Das funktioniert aber nur mit dem mitgelieferten Papierbogen. Grundsätzlich kann man jedes beliebige Papier verwenden.

Das "Book Pad" überträgt die Handschrift direkt auf das Display. Eine zusätzliche App wandelt die Handschrift in Computerschrift um. Diese App ist nicht vorinstalliert. Im App Store finden sich verschiedene Apps, die das können.

Die Zähne ausbeissen

Wer den Stift direkt auf dem Display und der Tastatur benutzen will, muss die Kugelschreibermine gegen die Stylus-Spitze austauschen. Das nötige Werkzeug ist Teil des Stiftes: der Deckel.

Der Deckel hat oben ein Loch. Dort muss der Anwender die Spitze der Mine hineindrücken. Bewegt er sie nach links und rechts, kann er die Mine vorsichtig aus dem Stift herausziehen. Soweit die Theorie.

Beim Test rutschte der Deckel immer wieder über die Kugelschreiberspitze hinweg. Die Mine blieb im Stift. Nach dem fünften Versuch sprang die Kugel aus der Spitze, die Spitze selbst verformte sich. Es blieb nur ein Mittel: Die Kugelschreibermine mit den Zähnen herausziehen.

Ein weiteres Problem: Das Yoga Book hat kein Aufbewahrungsfach für den Stift. Der Stift hat zwar einen Magnet, mit dem er sich am Yoga Book festhalten kann. Doch die Gefahr, ihn unterwegs zu verlieren, ist so ziemlich gross.

Fazit

Das Lenovo Yoga Book ist für den Büroalltag ungeeignet. Es ist zwar dünn, leicht und handlich, doch das wird ihm bei manchen Punkten auch zum Verhängnis. Zumindest bei der Arbeit einer Journalistin: Sie vertippt sich schnell auf der Tastatur. Der Bildschirm ist ihr zu klein, um mehrere Programme gleichzeitig zu öffnen. Acht Stunden Arbeit mit dem Yoga Book strapazieren die Nerven.

Den Plan, diesen Testbericht auf dem Yoga Book zu schreiben, verwarf die Autorin.

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