Spassgerät mit iTunes-Bremse

Ein Wochenende mit dem iPad 2

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Vor dem Apple-Store in Zürich versammelte sich am Freitag eine lange Schlange, um endlich an die zweite Version des begehrten Apple Tablets zu kommen. Auch die Netzwoche konnte sich eins sichern und hat das Gerät übers Wochenende einem Kurztest unterzogen.

Apples Schönfärberei des neuen „Magical“ iPads war keinesfalls übertrieben. Nach einigen Stunden mit dem Tablet-PC sieht das erste Urteil so aus: Spassgerät mit erstaunlichen Eigenschaften. Besonders beeindruckend beim ersten Kontakt war die Dicke des iPads. Es ist mit seinen 8,8 Millimetern sogar um einiges schmaler als das iPhone 4, welches 9,3 Millimeter misst. Zwar merkt man die rund 80 Gramm weniger Gewicht gegenüber der ersten iPad-Version nur geringfügig, aber die technischen Feinheiten, wie der neue Dual-Core-Prozessor lässt das iPad beinahe zu einem Rennpferd werden. Zwar läuft der Prozessor im Vergleich zum Vorgänger weiterhin mit 1 Gigahertz, unterstützt nun allerdings die bereits erwähnte Dualcore-Technologie. Das heisst: Im Chip stecken zwei Rechenkerne, die parallel mit dieser Geschwindigkeit arbeiten!

Allerdings ist die "Marketingaussage" von Apple, dass Spiele und weitere Anwendungen nun "9 mal schneller laufen" etwas übertrieben. Die Spiele laufen aber tatsächlich flüssiger, als bei der ersten Version des iPads. Und auch die restlichen Anwendungen reagieren dank des neuen Prozessors und den 512 Megabyte Arbeitsspeicher sehr fix auf jede Berührung. Apps wie Garage Band, die das iPad zum Achtspur-Recorder macht und zahlreiche an das iPad 2-angepasste Spiele sorgen für jede Menge Spass.

iTunes ist eine Welt für sich

Für diesen Spass und den Zugang zu den insgesamt 65.000 Apps für das iPad muss sich der Nutzer zur Medien- und Dateiverwaltung jedoch an iTunes binden. Und auch mit iTunes erstmal zu recht kommen, ist eine Herausforderung. Dass die Medienverwaltung strikt über iTunes läuft und externe Datenträger sowie Bildschirme per speziellen Adapter angeschlossen werden müssen, wirkt für ein derart universelles Gerät widersinnig. Zumal am Wochenende iTunes so extrem langsam lief, dass man mal eben den ganzen Samstag damit verbrachte sich einige Apps zuzulegen.

Schmutzfaktor Smartcover

Das mit sehr starken Magneten ausgestattete Smartcover ist zwar ganz praktisch und sieht obendrein noch schick aus - allerdings zeigten sich schon nach zwei Tagen unschöne Streifen von den Knickstellen des Smartcovers auf dem Display. Die aus einem Aluminiumstück gefräste Rückseite bleibt ausserdem frei und würde ohne Schutz in kürzester Zeit zerkratzen.

Die Kamera enttäuscht auf ganzer Linie, das Bildrauschen ist viel zu stark (siehe Bildbeispiel). Ausserdem scheint die Kamera einen Zoom eingebaut zu haben, eine eins zu eins Ablichtung ist somit nicht möglich. Mit dem Video lässt sich schon eher etwas anfangen, wobei diese Funktion vorrangig der Videotelefonie Facetime gilt. Denn, wer würde schon mit dem iPad durch die Gegend rennen und Fotos oder Videos drehen. Dafür ist es dann doch zu schwer.

Erstes Fazit

Geschwindigkeit, Handhabung und die erstaunliche Akkuleistung von über zehn Stunden machen Eindruck. Die eingeschränkte Unterstützung von Dateiformaten, fehlende Schnittstellen und das Fehlen von grundlegenden Browser-Plugins des ansonsten hervorragenden Safari verhindern, dass das iPad auch in seiner jüngsten Ausgabe ein universelles Einsatzgerät ist. Professionelles Arbeiten ist mit dem iPad nicht sonderlich spassig. Da greift man doch lieber zu Notebook oder Netbook. Das iPad 2 ist genauso wie die Vorgängerversion ein Luxus-Spielgerät und ein Allzweckgerät für Web, E-Mail und Medien. Doch wer den Spassfaktor iPad für unterwegs und zu Hause sucht, dem sei eine Anschaffung empfohlen.

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