ICT-Reseller-Index April

Ostertage zwingen Reseller in die Knie

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Über Ostern ist der ICT-Reseller-Index deutlich gesunken. Die Feiertage sorgten aus verschiedenen Gründen für schlechte Geschäfte. Der Autor des Index warnt aber auch vor ausländischer Konkurrenz.

(Quelle: Pressfoto / Freepik)
(Quelle: Pressfoto / Freepik)

In den ersten Monaten des laufenden Jahres hatte der ICT-Reseller-Index von Proseller noch auf stabile Geschäfte hingewiesen. Der April brachte mit dem stürmischen Wetter auch hektische Zeiten für Reseller.

Der Index sackte dramatisch ab und landete auf einen Wert von 68 Punkten. 14 Punkte unter dem Vormonat und 17 Prozent unter dem Vergleichswert im Vorjahr, wie Proseller mitteilt.

(Quelle: Proseller)

Flaute wegen Ostern

Ein Grund zur Besorgnis soll das jedoch nicht sein. Die Feiertage rund um Ostern sorgen jedes Jahr wieder für einen Knick im Indexverlauf. Proseller führt dies auf zwei mögliche Ursachen zurück:

  1. Aufgrund der Ferientage sinkt die Nachfrage der Kunden.

  2. Zugleich ist auch der IT-Händler weniger aktiv.

Ein weiterer Grund für den aktuellen Einbruch ist der unfaire Vergleich zum Vorjahr. 2016 lagen die Ostertage sehr früh im Jahr und fielen noch auf den März. Im aktuellen Jahr lag das umsatzschwache Osterwochenende jedoch im April.

Turbulenzen im Reseller-Geschäft

"Schweizer Reseller sind nicht unbedingt von der Grosswetterlage der Gesamtwirtschaft abhängig", sagt Autor der Studie, Thomas Czekala, auf Anfrage. Czekala ist Mitglied des Verwaltungsrats bei Proseller. Ein viel stärkerer Faktor sei die Verschiebung zwischen den Vetriebskanälen.

"Die früher etablierten Kanäle mit stationärem Retail und Resellern müssen bei einem in sich eher stagnierenden Gesamtmarkt an die neuen Kanäle Direktgeschäft, Beschaffung im Ausland und neuen Anbietern mit reinem E-Commerce-Modell abgeben", sagt Czekala.

Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller. (Quelle: Proseller)

Die Reseller, die früher rein offline aktiv waren, würden zwar versuchen, mit eigenen Online- und E-Commerce-Angeboten ihre Marktanteile zu verteidigen. Der Gesamtmarkt teile sich heute aber auf mehr Vertriebsmodelle auf als früher. Bis sich eine neue stabile Struktur ergibt, werden sich Reseller weiter anpassen müssen und die Handelsumsätze sich weiter verschieben.

Jahresprognose weiterhin positiv

Der Verfasser der Studie geht aber davon aus, dass das Reseller-Geschäft – zumindest aktuell – ein Plateau erreicht hat. Am kumulierten Jahresergebnis soll der jüngste Dämpfer daher auch nichts ändern.

Der eine Monat weist ein leichtes Minus vor, der nächste ein Plus. "In Summe läuft die Entwicklung zum Jahresende auf einen ähnlichen Umsatz wie 2016 hinaus", sagt Czekala. Das sei wie der Unterschied zwischen Klima und Wetter. "Auch wenn wir im April noch mal Schnee hatten, gibt es kaum einen Zweifel daran, dass wir in einer Phase der Erderwärmung sind", sagt Czekala.

"Voraussetzung dafür, dass es so bleibt, ist aber, dass kein grosser ausländischer Spieler aggressiv in der Schweiz angreift", sagt der Verwaltungsrat. Zudem müssten die Hersteller an ihren bisherigen Vertriebsmodellen festhalten. Ändert sich einer dieser Faktoren, könnte sich dies negativ auf die Lage der Reseller auswirken.

Konkurrenz aus dem Ausland

Die Chance, dass sich ausländische Konkurrenz im Heimatmarkt breitmacht, besteht gemäss Czekala durchaus. "Diese Spieler haben sich bereits heute in anderen grossen Märkten sehr gute Positionen erarbeitet", sagt er. "So dass sie sowohl grosse Volumen bewegen, aber auch effiziente Prozesse und Systeme vorweisen können."

Bringen ausländischen Konkurrenten diese Vorteile, wie etwa besonders gute Einkaufskonditionen, in die Schweiz, "dann können sich viele Schweizer Reseller warm anziehen", warnt Czekala.

Er empfiehlt den Resellern daher, sich durch Partnerschaften zu grösseren Verbünden zusammenzuschliessen. "Damit würde die Markteintrittshürde für neue Spieler höher und die Situation für Reseller stabiler", sagt der Verwaltungsrat.

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