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Cloud-in-Context: «Mit einem Schlag fiel ich aus meiner rosa Wolke»

Uhr | Aktualisiert
von Manas Deb, PhD, Vice President Cloud Computing, Capgemini

Wer in die Cloud migriert, muss diesen Schritt gut vorbereiten. Denn sonst verliert man schnell den Himmel vor lauter Wolken aus den Augen. Ein pragmatisches Vorgehen, am besten von einem erfahrenen Consulting-Unternehmen begleitet, bietet sich an.

Manas Deb, PhD, Vice President Cloud Computing, Capgemini
Manas Deb, PhD, Vice President Cloud Computing, Capgemini

«Mit einem Schlag fiel ich aus meiner rosa Wolke» soll die bekannte amerikanische Schauspielerin Elizabeth Taylor gesagt haben. Sie bezog sich damit auf ihre Angewohnheit, sich schnell zu verlieben, zu heiraten und nach einem Weckruf wieder scheiden zu lassen. Im Englischen bedeutet die «rosa Wolke» in etwa das, was wir hierzulande mit «Wolke sieben» umschreiben, also den ekstatischen Zustand, den man beispielsweise erfährt, wenn sich nach harter Arbeit endlich der Erfolg einstellt. Kann in Anbetracht der derzeitigen Cloud-Situation der «Move-to-Cloud»-Erfolg ein solches ekstatisches Gefühl hervorrufen? Oder umgekehrt, wird sich ein Misserfolg im Kontext eines Move-to-Cloud doch eher wie der im Zitat genannte Fall von der Wolke anfühlen?

 

Modernisierung von Geschäft und IT durch die Cloud

Die Migration bestehender und neu entstehender Computing-Infrastrukturen und Anwendungen in die Cloud oder der Aufbau neuer Anwendungen direkt in der Cloud ist heute eine weit verbreitete IT-Modernisierungsstrategie. Der derzeit stattfindende grosse «Cloud-Shift» wird von hohen Erwartungen an Kosteneffizienz, Betriebsgeschwindigkeit und Flexibilität des Unternehmens begleitet. Solche Vorteile ergeben sich natürlich nur, wenn die Migrationen in die Cloud wie geplant und erfolgreich verlaufen.

In etablierten Unternehmen sind IT-Infrastrukturen und Anwendungslandschaften sehr komplex. Grosse Unternehmen arbeiten mit mehreren Cloud-Plattformen, wobei jede von ihnen wiederum eigene Ausprägungen mitbringt. Eine Cloud-Migra­tionsmethode, die für eine Plattform funktioniert, wird für die andere nicht im selben Mass funktionieren. Für nicht-triviale Cloud-Migrationen sind wir also gezwungen, uns mit hybriden (Public und Private) und heterogenen (Multiple Technology Platforms) Cloud-Landschaften auseinanderzusetzen.

 

Risiken der Transformation in die Cloud

Wenn Sie sich fragen, ob der angepeilte, erfolgreiche Umzug in die Cloud nicht gefährdet sein könnte, liegen sie vielleicht richtig. Es sei denn, Sie haben sich von Vornherein um das Wesentliche gekümmert. In den ersten Jahren der Cloud-Projekte habe ich viele CIOs gesehen, die grosse Teile der Infrastruktur oder Anwendungen in die Cloud verlagerten, nur um kurze Zeit später mit hohem Kostenaufwand und Unannehmlichkeiten wieder den Kurs zu ändern. Zu den Hauptproblemen bei diesen fehlgeschlagenen Übergängen zählten dann unter anderem geringere Leistung, fehlerhafte Integration, Interoperabilität oder Business Continuity, unzureichende Sicherheit oder Datenschutz sowie erhöhte Kosten.

Die Ursachen vieler dieser Probleme wurden den Anbietern von Cloud-Diensten angelastet; in einigen Fällen waren sie das Ergebnis einer mangelhaften Konzeption oder Implementierung, in anderen Fällen gab es Meinungsverschiedenheiten darüber, was schiefgelaufen war. Leider erscheinen hilfreiche Erläuterungen der Misserfolge im Zusammenhang mit der Migration in die Cloud seltener als die Erfolgsgeschichten. In einem Artikel mit dem Titel «9 Spectacular Cloud Fails» («InformationWeek») von Andrew Froehlich aus dem Jahr 2015 wurden beispielsweise mehrere Serviceausfälle von Cloud-Service-Providern aufgelistet, in denen die meisten der führenden Anbieter von Cloud-Diensten vertreten waren.

 

Anforderungen und Cloud-Dienste

Eine Möglichkeit, die Systemperformance zu garantieren, besteht darin, alle notwendigen funktionalen («was das System tun muss») und nicht-funktionalen («wesentliche Eigenschaften, die das System besitzen muss») Anforderungen im Voraus zu sammeln, um so sicherzustellen, dass sie während des Systemdesigns und der Implementierung berücksichtigt und erfüllt werden. Für traditionelle Infrastrukturen und Anwendungen sind die funktionalen Anforderungen (FR) und nicht-funktionalen Anforderungen (NFR) gut entwickelt. Für den Schritt in die Cloud befinden sie sich jedoch überwiegend noch in der Entwicklung.

Sofern man logisch herangeht, ist die Suche nach den essenziellen FRs und NFRs für den Schritt in die Cloud erfolgreich. Zuerst einmal braucht es eine einfache Verfügbarkeit der Dienste, die für die Nutzung eines Cloud-Systems erforderlich sind (z. B. Betriebssysteme, Datenbanken, Optionen für Virtualisierung oder Containerisierung, populäre Entwicklungs- und Testframeworks, Quellcode-Management, aufstrebende technologische Dienste wie IoT, Analytik, maschinelles Lernen, kognitives Computing oder AI). Diese können als sehr grundlegende (funktionale) Anforderungen angesehen werden, die leicht zu finden sind. Anforderungen, die entweder spezifischer sind oder besondere Aufmerksamkeit beim Aufbau eines Cloud-Systems erfordern, können folgende sein (Grafik):

1. Funktional: Die Hauptkategorien im Rahmen der Legacy-­Migration sind «Elastizität der Rechen-, Speicher- und Netzwerkkapazitäten und die damit verbundenen eindeutigen Pay-per-Use-Begriffe» und «hohe Automatisierung bei der Bereitstellung von Umgebungen», im Kontext von Cloud-nativen Anwendungen DevOps Tool-Chain-Support sowie automatisierungs- und serviceorientierte Dev-/Test-Umgebungen.

2. Nicht funktional: Hier sind die Hauptkategorien Performance (Antwortzeit, Durchsatz), Zuverlässigkeit (Load-Balancing, Verfügbarkeit, Disaster Recovery), Sicherheit und Compliance (bezogen auf Zugriff und Nutzung von HW/SW und Daten) sowie Servicemanagement (Verwaltung von Operationen, Betriebskosten, SLAs) zu nennen.

Im Falle von Cloud-Landschaften mit mehreren oder hybriden Cloud-Umgebungen ist die «Integration» eine weitere wichtige funktionale Anforderung, ebenso wie «Interoperabilität» eine zentrale nicht-funktionale Anforderung ist.

Wer sich fragt, warum einige dieser FRs (oder NFRs) nicht dem ähneln, was man in der Vergangenheit gesehen oder verwendet hat, liegt das daran, dass es hier in erster Linie um die FRs und NFRs von cloud-fähigen Systemen geht und nicht um die Anwendungen, die auf solchen Systemen laufen. Der Schlüssel zum Erfolg in der Cloud ist es, frühzeitig die richtigen Fragen zu stellen, um die grundlegenden Anforderungen abzuleiten, sie dann in das Design zu integrieren und bei der Implementierung des Cloud-Systems zu validieren sowie die geeigneten Notfallstrategien zu entwickeln und anzuwenden.

 

Sich beraten lassen

Wer sich auf dem Weg in die Cloud befindet, ist natürlich nicht allein. Service-Integratoren mit nachweisbarer Erfolgsbilanz bei Cloud-Migrationen helfen gerne. Bei Capgemini etwa unterteilt sich das Cloud-Portfolio in drei Angebotsgruppen: «Advise», «Align» und «Animate», die alle Design-Build-Run-Aktivitäten der Cloud-Journey umfassend abdecken, unabhängig davon, ob es sich um die Transformation veralteter IT-Landschaften oder Cloud-Native Application Builds handelt. Die erwähnten Angebotsgruppen werden in einer Granularität angeboten, die sich leicht an die Geschäftsanforderungen und die Cloud-Reife eines Kunden anpassen lässt.

 

Wie vorgehen

Bei Vorhaben wie den nicht gerade trivialen Cloud-Migrationen ist es leicht, sich in der Komplexität zu vergraben und schnell den Fokus auf die wichtigsten Faktoren zu verlieren, die den gewünschten Erfolg bringen würden. Es ist ratsam beim Zusammentragen der notwendigen Bedürfnisse diesen Worten zu folgen: Nicht übertreiben, pragmatisch bleiben und sich auf die Vorteile für den Endnutzer konzentrieren.

 

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DPF8_72571

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