Porträt

Aus dem Flugzeugwerk in die Cloud

Uhr | Aktualisiert

Es gibt sie noch, die Menschen, die von Anfang an dabei waren, als PCs und Software ganze Unternehmen auf den Kopf stellten. Andy Odermatt ist so einer. Seine Geschichte beginnt unter den Tragflächen Schweizer Flugzeuge.

Andy Odermatt (Quelle: Netzmedien)
Andy Odermatt (Quelle: Netzmedien)

Andy Odermatt ist seit 15 Jahren sein eigener Chef, Firmeninhaber, Arbeitgeber. 15 Jahre, in denen viel passiert ist, in denen sich viel verändert hat, wie er sagt. Er selbst, seine Firma, die IT-Branche.

Seine persönliche Veränderung beginnt aber schon viel früher. Mitte der 1980er-Jahre. Damals ist er frisch ausgelernter Flugzeugmechaniker und arbeitet in den Pilatus-Flugzeugwerken.

An die gerade abgeschlossene Ausbildung hängt er ­direkt die nächste. Odermatt wird Betriebstechniker. "Mich reizte immer schon alles, was sich dauernd verändert", sagt er. Deswegen verändert er sich auch selbst immer wieder.

Der erste PC für den Flugzeugunterhalt

Als Betriebstechniker kümmert er sich um die Prozesse in der Produktion und Fertigung von Pilatus. Doch das reicht ihm nicht, er muss etwas ändern.

Odermatt baut eine Abteilung für den Flugzeugunterhalt auf. Wenig später, Ende der 1980er, wird es ihm wieder langweilig. Er beantragt als einer der ersten im Betrieb einen PC, stösst aber auf Ablehnung. "Wozu brauchst du in der AVOR einen PC?", fragt ihn der Chef.

Pilatus setzt damals die IBM-S38-Systeme ein. "Das waren typische Terminal-Arbeitsplätze. Sehr träge, sehr starr und stur, nah an den IT-Prozessen, fern von unseren Prozessen", erinnert sich Odermatt. Das IBM-System passe nicht zum Flugzeugunterhalt, sagte Odermatt zu seinem Chef. Der Unterhalt sei ein dynamischer Arbeitsbereich mit vielen Ungewissheiten. Man wisse nie genau, was in der Arbeitsvorbereitung alles zu tun sei, seine Leute müssten flexibel reagieren können.

Ein Job, den es heute nicht mehr gibt

Der Chef gibt nach, Odermatt bekommt ihn, den PC. Er und sein Team schreiben fortan eigene Programme. Auf ganz einfachem Niveau, wie Odermatt sagt. Auf der Basis von dBase und Clipper. Das hatte er in der Ausbildung zum Betriebstechniker gelernt.

Die folgenden drei, vier Jahre programmiert Odermatt, was das Zeug hält. Bis es ihm wieder zu langweilig wird. "Ich wollte noch ein bisschen was Anderes sehen", erinnert er sich. Er verlässt den Flugzeughersteller und geht zum Liftbauer Schindler.

Bei Schindler fängt Odermatt als IDV-Berater an. Das Kürzel steht für individuelle Datenverarbeitung. "Den Job gibt es heute in der Form nicht mehr", sagt Odermatt.

Als IDV-Berater kümmert er sich um den Support von Schindler Management, einer Abteilung, die gerade die ersten PCs einführt. "Das war alles ganz neu für die Leute dort." Mitte der 1990er entschliesst sich Odermatt, sein selbsterarbeitetes IT-Wissen zu vertiefen. Er studiert Wirtschaftsinformatik.

Vom Kampf um Ressourcen zum eigenen Unternehmen

Während des Studiums und danach bleibt er Schindler treu. Als sich die Dotcom-Blase Ende der 1990er zu blähen beginnt, zählt die IT-Abteilung 130 Informatiker. Da diese Mannschaft nicht immer voll ausgelastet ist, setzt der Konzern sie vereinzelt für externe Projekte ein. Odermatt verantwortet diese Projekte. Doch er hat es nicht leicht. Odermatt muss um die Ressourcen für die Projekte kämpfen, die Informatiker aus der Linie abziehen, es kommt zu Interessenkonflikten.

2002 zeichnet sich für Odermatt immer deutlicher ab, dass dieses Konzept langfristig wohl keine nachhaltige Strategie darstellen kann. Gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen René Bühler gründet er seine eigene Firma: Prometheus Informatik.

Die ersten Kunden kommen von Schindler. Bis 2003 arbeiten Odermatt und Bühler eng mit Schindler zusammen, kümmern sich um die IT-Kunden Schindlers. 2004 verabschiedet sich die Schindler-Konzernleitung von den externen Projekten und übergibt sämtliche IT-Kunden an Prometheus. Plus drei Mitarbeiter.

Softwareentwicklung ist ein schwieriges Umfeld

Odermatt und seine vier Mitstreiter starten auf drei Standbeinen: Citrix-Technologien, Softwareentwicklung auf Basis von IBM-Domino und herstellerübergreifendes Lizenzmanagement. Mit dieser Strategie fahren sie bis ungefähr 2015 gut. Dann macht Odermatt einen Schnitt.

"Wir waren in der Softwareentwicklung unter die kritische Masse gesunken", sagt Odermatt. "Der Markt rund um IBM-Domino-basierte Collaboration schrumpfte zusehends." Ähnlich sieht es beim Lizenzmanagement aus. "Das ist zu einem schwierigen Umfeld geworden", sagt Odermatt. Es gebe nur noch einige wenige, die hier die gros­sen Deals machten. Der Rest habe das Nachsehen.

Odermatt beschäftigt heute zehn Mitarbeiter. Hauptsächlich gut ausgebildete Projektleiter, wie er sagt. Projektleiter, die Cloud- und Microsoft-Technologien verstehen, die Projekte selbstständig umsetzen. Bei grösseren Projekten arbeiten Odermatt und sein Team mit Partnern zusammen. Denn ausser ihrem Infrastruktur-Know-how brauche es bei einem Grossprojekt oftmals Spezialisten für Applikationen. Etwa wenn ein Kunde Industrie-4.0-Standards einführe und seine Produktion automatisiere.

Ohne Partner geht es nicht mehr

"Wir haben erkannt, dass wir uns fokussieren müssen", sagt Odermatt. "Wir können und wollen gar nicht alles abdecken. Die IT ist heute viel zu komplex." Ohne Partner gehe es nicht mehr.

Eine der wichtigsten Neuerungen der letzten Jahre ist Microsoft Office 365, wie Odermatt sagt. "Den ersten Office-365-Kunden hatten wir vor etwa acht Jahren", sagt er. "Der war damals ein Exot." Office 365 hiess da noch BPOS – Business Productivity Online Suite. Es war Microsofts erster Versuch, im Software-as-a-Service-Umfeld Fuss zu fassen.

Für Odermatt war der Kunde ein Einzelfall, Prome­theus begab sich auf unbekanntes Terrain, wie er sagt. Heute sieht das anders aus. Die Cloud ist ein wichtiges Standbein für Prometheus. Viele Kunden, die vor fünf Jahren noch abgeblockt hätten, würden jetzt unbedingt in die Cloud wollen.

Diese cloud-willigen Kunden stellen am Anfang aber alle die gleiche Frage: Wo sind die Daten? Odermatt versteht die Frage und hat mehrere Antworten. "Wir haben uns ein Konzept zurechtgelegt, damit wir alle Kundenwünsche wie aus einer Werkzeugkiste heraus bedienen können", sagt er.

Kunden, die ihre Daten um jeden Preis in der Schweiz lagern wollen, bietet Prometheus wahlweise Public- oder Private-Cloud-Dienste aus den Rechenzentren von Green an. Infrastruktur, Office und E-Mail-Server. Back-ups speichern Odermatt und sein Team ebenfalls bei Green, auf Schweizer Boden.

Für viele Kunden von Odermatt kommt es aber nicht so weit. Es sind Firmen, die vielleicht einen Exchange-Server haben, der sein Lebensende erreicht hat. Sie wollen keinen neuen anschaffen, und ihnen ist egal, wo ihre Daten liegen, von wo aus sie ihre E-Mails verschicken und abrufen.

Die Cloud hat eine Schattenseite

In diesen Fällen sei die Lösung klar: Exchange online, Office 365 Business Essentials. "Wir bringen den Kunden dann dorthin, wohin er möchte", sagt Odermatt. Auf die Weise decken er und sein Team fast jedes Kundenbedürfnis ab. Und wenn sie doch mal an eine Grenze stossen, arbeiten sie mit einem Partner zusammen, wie Odermatt sagt.

Die Cloud hat für Odermatt aber auch eine Schattenseite: die Abrechnung. "Es ist ein Geschäft der kleinen Beträge", sagt er.

Durch die zum Teil minutengenaue Abrechnung kommen mitunter absurde Beträge zusammen. "Letzten Monat haben wir tatsächlich eine Rechnung über 3.75 Franken verschickt", sagt Odermatt. Das sei er nicht gewohnt.

Distributoren und Partner kämpften im Moment mit den gleichen Problemen. Es sei für sie zum Teil schwierig, die Masse der "kleinen Dienstleistungseinheiten" effizient und in guter Qualität aufzubereiten. "Wir haben mehr Aufwand bei der Verrechnung an unsere Kunden", sagt Odermatt. Er spüre, dass die IT-Branche einmal mehr im Aufbruch sei und es noch vieles dazuzulernen gebe. "Es bleibt spannend!"

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