Besuch bei IBM Research Zurich

Das erforscht IBM in Rüschlikon

Uhr | Aktualisiert

IBM forscht seit über 50 Jahren in Rüschlikon. Der Standort öffnete seine Tore für Journalisten. Die Redaktion nutzte die Gelegenheit und tauchte für einen Tag in die Welt der Forschung und Entwicklung ab.

IBM Research Zurich hat in seine Denkfabrik eingeladen. Das Unternehmen empfing eine Gruppe von Journalisten, die aus Europa angereist war. IBM forscht seit 1956 im Kanton Zürich - anfangs in Adliswil, ab 1963 in Rüschlikon. Der Standort machte sich einen Namen und brachte zwei Nobelpreise der Physik hervor. Heute beschäftigt IBM in Rüschlikon rund 300 Mitarbeiter.

In der Forschungsstätte tüfteln Wissenschaftler und Ingenieure an Technologien rund um Cloud, Speicher und Prozessoren. Neu wird auch an Systembiologie und Quantencomputer gearbeitet. Ein weiteres Forschungsfeld sind neuromorphe Rechnerarchitekturen. Sie bilden die Funktionsweise des Gehirns nach und beruhen nicht auf der für Computer üblichen Von-Neumann-Architektur.

Allroundtalent Watson

IBM führte durch die Labors, präsentierte Ergebnisse aus der Forschung und servierte Essen, das vom Supercomputer Watson zusammengestellt wurde. Watson erkennt nämlich nicht nur die Persönlichkeit von Nutzern und spielt Jeopardy, nein, er ersetzt auch gleich noch den Chefkoch - zumindest fast. Der mit Daten gefütterte Rechengigant spuckt Rezepte aus, die unter anderem von Social Media inspiriert sind und auch auf regionale Besonderheiten achten. Und wie schmeckten die Rezepte aus dem Computer? Einwandfrei, befanden die meisten Journalisten vor Ort.

Im Januar kündigte IBM an, etwa eine Milliarde US-Dollar in Watson zu investieren. Ziel sei es, rund um seinen Supercomputer ein Ökosystem für Entwickler aufzubauen. Das Unternehmen betreibt weltweit 12 Forschungszentren. Eines davon steht im israelischen Haifa, wo Watson gerade die Fähigkeit des Sehens geschenkt wurde. IBM demonstrierte das mit einer Live-Schaltung über Skype. Der Supercomputer könne Ärzten bei der Analyse von medizinischem Bildmaterial helfen, so IBM.

Ein Team aus Rüschlikon, dem Unispital Zürich und internationalen Partnern stellte zudem ein Forschungsprojekt vor, das gut- und bösartige Prostatakrebsarten leichter unterscheidbar machen soll. Das könne Ärzten helfen, ihre Therapien besser zu gestalten und optimal auf die Patienten abzustimmen.

Mehr Privatsphäre im Internet

Der Kryptografie-Experte Jan Camenisch präsentierte mit Identity Mixer eine Technologie, die für mehr Sicherheit und Privatsphäre im Internet sorgen soll. Die Lösung übermittelt nur diejenigen Daten, die ein Webdienstleister auch tatsächlich nachfragt. So ist es möglich, seine Identität im Internet zu verifizieren, ohne dabei Daten preiszugeben, die der Anbieter eigentlich gar nicht braucht.

IBM demonstrierte das Konzept am Beispiel Filmstreaming: Anstatt Name, Geburtsdatum, Adresse, Familienstand und Telefonnummer in die Cloud zu übermitteln, reichen die beiden Informationen "älter als 12 Jahre" und "ja, ich habe ein Abo". Wer seine Apps auf IBMs Platform-as-a-Service-Angebot Bluemix entwickelt, kann auf die Identity-Mixer-Lösung zurückgreifen.

Cars-as-a-Service

Martin Rufli stellte mit Cars-as-a-Service eine Initiative vor, die die brachliegende Kapazität von Fahrzeugen nutzen will. "Privatautos stehen 96 Prozent des Tages herum, 80 Prozent davon zuhause", sagte Rufli, der das Internet der Dinge erforscht. Seine These ist bestechend einfach: Autos sind heute leistungsfähige Computer mit viel Rechenleistung - und die sollte genutzt werden.

Rufli und sein Team kooperieren mit Nissan. Rund 100 Anwendungen gebe es schon als Proof of Concept, sagte der Forscher. Zahlen der Kollegen aus Dublin würden zeigen, dass es möglich und sinnvoll sei, geparkte Autos in eine Service-Delivery-Plattform zu verwandeln. Fahrzeuge könnten so Netzwerke zur Verfügung stellen, auf freie Parkplätze aufmerksam machen oder Karten ausliefern.

Ein Blick in die Zukunft

Die Forscher in Rüschlikon nutzen Hochleistungscomputer ausserdem für die Simulation chemischer Reaktionen in neuartigen Batterien für Elektroautos. Diese basieren auf Lithium- und neu auch auf Natrium-Luft. Ziel sei es, eine leichte Batterie mit sehr hoher Energiedichte zu schaffen, sagte Teodoro Laino, der bei IBM den Titel "Technical leader for Molecular Simulation" trägt.

In Labordemonstrationen gaben die Forscher auch Einblicke in Entwicklungen im Bereich Memory wie Multi-Level und Projected Phase Change Memory oder Carbon Resistive RAM. Die neuen Technologien könnten die in die Jahre gekommene NAND-Technik irgendwann ablösen. IBM zeigte zudem 3-D-Chips, die mit Flüssigkeit gekühlt und gleichzeitig mit Strom versorgt werden.

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