ICT-Reseller-Index im Oktober

Schweizer Reseller überwinden Angst vor der digitalen Transformation

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Das Schweizer Reseller-Geschäft hat ein stabiles Niveau erreicht, wie der ICT-Reseller-Index zeigt. Die digitale Transformation verursacht keine Panik mehr, sondern bringt Stabilität. Doch am Horizont taucht bereits das nächste Schlagwort auf.

(Source: lassedesignen / Fotolia.com)
(Source: lassedesignen / Fotolia.com)

Der ICT-Reseller-Index von Proseller ist im Oktober leicht gestiegen und erreichte einen Wert von 72,5. Damit liegt er 2 Prozent über dem Vormonat und 3 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres, wie Proseller mitteilt.

Der Indexverlauf ist somit seit vier Monaten nahezu identisch mit dem des Vorjahres. Was einmalig sei in der Geschichte des ICT-Reseller-Indexes, schreibt Proseller. Seit Juli lag zudem kein Tageswert mehr als 7 Prozent über oder unter seinem Vorjahreswert.

Diese verminderte Volatilität sieht man auch in den Standardabweichungen. Lagen die einzelnen Tageswerte in den ersten 10 Monaten von 2015 im Schnitt noch 12 Punkte über oder unter dem Vorjahr, waren es 2016 noch 9 und 2017 noch 7,6 Punkte.

Zwar lagen 6 der letzten 10 Monate über dem Vergleichswert des Vorjahres. Dennoch bleibt das kumulierte Ergebnis stets rückläufig. Auch wenn man die Oktoberwerte mit einbezieht, bleibt das Ergebnis gemäss Mitteilung weiterhin 3 Prozent unter dem Vorjahreswert – wie bereits seit Juni.

Der ICT-Reseller-Index stieg im Oktober auf 72,5 Punkte. (Source: Proseller)

Digitale Transformation verursacht keine Panik mehr

"Es gibt weiter die bekannte Saisonalität", sagt Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller und Verfasser des Indexes, auf Anfrage. "Aber die in den letzten Jahren zu spürende Nervosität im Markt ist deutlich zurückgegangen."

Diese Beruhigung der Geschäfte spiegle eine inhaltliche Beruhigung im Schweizer Channel und seiner Umgebung wider. So verursache der seit einiger Zeit durch die IT-Branche kursierende Begriff der digitalen Transformation keine Panik mehr, schreibt Proseller.

Stattdessen wirke er sich stabilisierend auf die ICT-Reseller-Szene aus. Die digitale Transformation kompensiere die fehlenden technischen Innovationen und sorge für gute Beratungs- und neue Servicegeschäfte. In den meisten Unternehmen der Schweiz sei bereits eine individuelle Interpretation des Begriffs erfolgt und die Massnahmen im Budget für 2018 eingeplant.

Für den Hammer ist alles ein Nagel. Frage darum nicht den Hammer um Hilfe, wenn Du eine Schraube bist.

Und schon taucht am Horizont das nächste Schlagwort auf: die digitale Kultur. "Der Begriff ist aus meiner Sicht eine neue Consulting-Vertriebskampagne, nachdem 'digitale Transformation' nicht mehr zieht", sagt Czekala. Beratungsunternehmen versuchten damit, dem sinkenden Beratungsbedarf entgegenzuwirken.

Gemäss diesen Beratern kann heute nur Erfolg haben, wer seine Organisation soweit möglich mit digitalen Prozessen und Tools ausstattet. "Hier muss aber gerade aus Schweizer Perspektive entschieden differenziert werden", kontert Czekala.

Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller und Verfasser des ICT-Reseller-Indexes. (Source: Proseller)

Die Idee, dass mehr digital mehr Erfolg bringe, sei ein blinder Glaube, von dem Czekala abrät. Viele dieser Empfehlungen passten zudem nur sehr begrenzt zur Schweizer KMU-Kultur. Oder anders gesagt: "Für den Hammer ist alles ein Nagel. Frage darum nicht den Hammer um Hilfe, wenn Du eine Schraube bist", ergänzt Czekala.

Der sichtbare Erfolg der Schweizer Wirtschaft basiere auf seiner KMU-Struktur, schreibt Proseller. Diese arbeite bereits heute flexibel, effizient und kundenorientiert. In der Schweiz könnten deswegen oft auch einfachere und weniger komplexe Managementmethoden und Systeme erfolgreich sein. "Es braucht aber nicht jede Bäckerei auch SAP, und selbst der Grosskonzern BASF macht sein IT-Projektportfoliomanagement sehr erfolgreich mit einer Excel-Datei."

Czekalas Handlungsempfehlung an Reseller im November

"Seid vorsichtig und plant!", sagt Czekala. In der Schweiz laufe vieles besser als in der restlichen Welt. "Das wird viel zu selten so gesehen, weshalb ich unbedingt empfehle, mit revolutionären Veränderungen vorsichtig zu sein." Zumindest solange das Geschäftsmodell im Prinzip funktioniere, ergänzt Czekala.

Schweizer Reseller sollten stattdessen bewusst und gezielt wenige Transformationen anstossen. "Die meisten Revolutionäre sind tot und unbekannt", sagt Czekala. "Viele Firmen wurden durch von oben oder von aussen verordnete massive Veränderungen häufig fast in den Ruin getrieben."

Daher sollten Reseller eine ganzheitliche Planung für das nächste Jahr machen, rät Czekala. "Das muss nicht aufwendig sein, aber wichtig ist, die wenigen wichtigen Fragen alle und konsistent zueinander zu beantworten. Mit diesem Gesamtkonzept sollten dann gezielte Massnahmen zur Kundenbetreuung, Organisationsentwicklung und der Modernisierung der Systeme eingeleitet werden."

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DPF8_67528

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