Dashmir Kasa im Podium

Diese Trends treiben laut Studerus den Markt für Netzwerktechnik an

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von Coen Kaat

Sie wurden mit viel Pomp angekündigt, aber danach wurde es still um diese Themen. Was wurde eigentlich aus IPv6, Wi-Fi 6 & Co.? Wie es um die Einführung dieser und weiterer Trends steht, sagt Dashmir Kasa, Support ­Engineer bei Studerus.

Dashmir Kasa, Support ­Engineer bei Studerus. (Source: Netzmedien)
Dashmir Kasa, Support ­Engineer bei Studerus. (Source: Netzmedien)

Welche Trends im Netzwerkbereich haben bei den Schweizer ­Kunden derzeit den höchsten Stellenwert?

Dashmir Kasa: Ein Trend ist Multigigabit auf den Switch-Ports. Das bietet mehr Performance und ist mit WiFi 6 mehr und mehr zu einem Standard geworden. Netzwerke werden vermehrt redundant mit Multi-WAN-Anbindung und Stacking aufgebaut. Noch zu oft werden Switches, wie früher ein Hub, als dumme Verteiler von Ethernet eingesetzt. Switches haben einige Funktionen wie Segmentierung mit VLAN oder Port-Security, die ein Netzwerk sicherer machen können. Es gibt noch viel Potenzial, die Netzwerke bezüglich Sicherheit und Performance zu optimieren. Auch die Routing-Funktionen der Switches werden vermehrt verwendet, um den internen Datenverkehr auf Multigigabit-Level zu halten und die Firewall zu entlasten.

Für 2024 wurde das Ende von IPv4 vorausgesagt. Gemäss Zahlen von Google liegt die Adoptionsrate von IPv6 bei knapp 35 Prozent. Wo hapert es mit der Umstellung auf den Nachfolger?

Eine Umstellung auf IPv6 bringt einem KMU keinen Mehrwert. Wir sehen dafür praktisch kein Interesse bei unseren Kunden. Der Druck ist nur aufseiten der Serviceprovider vorhanden, da die IPv4-Adressen rar und damit teuer werden. IPv6 kommt schon, nur nicht bis zum Anwender.

Und wie steht es um die Umstellung auf Wi-Fi 6?

Seit diesem Jahr werden WLAN-Projekte eigentlich nur noch mit Wi-Fi 6 gemacht. Damit können deutlich mehr Clients mit einer besseren Latenz bedient werden. Auch preislich gibt es keinen Grund mehr für ältere WLAN-Technologien. Die Tendenz geht auch bereits einen Schritt weiter Richtung Wi-Fi 6E. Wi-Fi-6E stellt einen ganz neuen und ungestörten Frequenzbereich zur Verfügung, der von den aktuellen Endgeräten auch bereits genutzt wird.

Was gilt heutzutage im Bereich Netzwerk-Security als State of the Art?

Eine richtig konfigurierte Firewall mit Advanced Threat Protection ist die wichtigste Basis. Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle sensitiven Zugänge wie für Admin und VPN hat sich ebenfalls etabliert. Zero Trust ist auch bei den KMUs angekommen. Dabei geht es darum, einem Client erst nach einer Authentifizierung einen Zugang zur Infrastruktur zu ­gewähren. Bei WLAN wird WPA-Enterprise und DPPSK zunehmend eingesetzt. Dabei bekommt jeder WLAN-User einen individuellen Chiffrierungs-Key.

Welche Trends erkennen Sie im Bereich der Automatisierung?

Mit den heutigen Bedrohungen durch Cybercrime ist es unumgänglich, dass alle Systeme gewartet werden und auf dem aktuellen Stand sind. Zero-Day-Angriffe verbreiten sich immer mehr, und auch bei renommierten Herstellern tauchen immer wieder gravierende Schwachstellen auf. Wer aus dem Internet erreichbare Systeme nicht patcht, wird mit ­Sicherheit innerhalb kurzer Zeit Opfer eines Angriffs. Es gibt diverse Systeme, um so ein Unterhalt von Systemen möglichst zu automatisieren. Eine Variante ist auch, eine selbständige Aktualisierung zu aktivieren, so bleibt ein System auch ohne manuellen Aufwand auf dem aktuellen Stand.

Wie kann der Fachhandel in diesem Geschäft bei den (potenziellen) Kunden punkten?

Managed Services ist das grosse Thema. Eine technische Infrastruktur muss unterhalten werden und das ist ein Service, der einen Mehrwert bringt. Mit den richtigen Tools wird der "Gesundheitszustand" technischer Systeme überwacht und ein Ausfall kann abgewendet oder sofort erkannt werden. So ein Managed Service mit möglichst viel Automatisierung ist Bestandteil eines Service-Level-Agreements und gehört zu einer verlässlichen Einnahmequelle eines Fachhändlers.

Die Antworten der weiteren Teilnehmenden des Podiums:

  • Fredy Bader, Swizzconnexx: "Der Fachhandel spielt immer dann eine wesentliche Rolle, wenn es um kompetente Beratung, Installation und Service geht."
  • Daniel Bertolo, Switch: "Die Vereinfachung des Betriebs durch Automatisierung und Orchestrierung steht bei vielen Kunden auf der Agenda."
  • Christoph Dubsky, Devolo: "Zudem kann der Fachhandel spezifische Lösungen anbieten, die den Anforderungen und Budgets der Kunden entsprechen."
  • Andrej ­Massaro, Lancom: "Als Antwort auf den Fachkräftemangel braucht es Lösungen, die den Betrieb von Netzwerken so effizient wie möglich machen."
  • Hubert ­Rémond, Spie ICS: "Cybersicherheit treibt viele Veränderungen voran, vom Datenschutz bis zur Gewährleistung einer sicheren Konnektivität."
  • Andrea Savoca, Alltron: "Kunden suchen nach Partnern, die auch umfassende Beratung, Implementierung und Support bieten können."
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