Cebit 2016 Preview

"Wir schreiben die Geschichte der Cebit neu"

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Die Cebit will ihr Image wechseln und keine IT- oder Computer-Messe mehr sein. Einen kleinen Vorgeschmack haben die Veranstalter und das Partnerland Schweiz schon jetzt gegeben. G Data kehrt dieses Jahr nach einer zweijährigen Absenz zurück.

Die Cebit 2016 hat ihre Tore zwar noch nicht aufgeschwungen – aber schon mal einen Spalt breit geöffnet. An der Cebit Preview zeigten die Veranstalter, was die Besucher zwischen dem 14. und dem 18. März in Hannover erwartet: ein neues Kapitel für die Messe. So nannte es jedenfalls Oliver Frese, Cebit-Vorstand bei der Deutschen Messe AG. "Wir schreiben die Geschichte der Cebit neu", sagte Frese.

Die Cebit soll ihren Status als Computer- oder IT-Messe verlieren. Stattdessen wollen die Veranstalter ihre Messe als führenden Event für die Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft positionieren.

"Ein ganzheitliches Bild der Digitalisierung"

Die Cebit 2016 soll, wie Frese verspricht, nicht bloss einen Ausschnitt der Digitalisierung, sondern ein ganzheitliches Bild von ihr zeigen. Die Aussteller werden die Digitalisierung in drei Bereichen aufzeigen: die Digitalisierung von Märkten, Branchen und Unternehmen, die der öffentlichen Hand und die der Gesellschaft. So sollen die Besucher auf der Messe die Potenziale der Digitalisierung sowie neue Geschäftsmodelle erkennen.

In diesem Jahr will die Messe zudem ihren Blick auch auf eine bisher kaum thematisierte Produktgruppe werfen: Drohnen. Zu diesem Zweck bauen die Veranstalter auf dem Messegelände eine Flugarena, damit die Geräte zeigen können, wozu sie entwickelt wurden.

Trotz des neuen Kapitels in der Geschichte der Cebit bleibt das Motto der letztjährigen Messe erhalten – auf Wunsch der Aussteller. Auch 2016 heisst es in Hannover also wieder "D!conomy". Dieses Konzept, das die digitale Ökonomie umschreibt, werde sich wie ein roter Faden durch die ganze Messe ziehen.

Partnerland "Sw-IT-zerland"

Als diesjähriges Partnerland gab auch die Schweiz am Preview-Event einen kleinen Vorgeschmack. Beziehungsweise ein Amuse-Bouche, wie man in der Schweiz dazu sage, scherzte Nationalrat und ICT-Switzerland-Vorstandsmitglied Franz Grüter auf der Bühne.

Die Schweiz müsse sich nicht verstecken, wenn es um IT gehe, sagte Grüter. Schliesslich stecke die IT ja bereits im Namen drin: "Sw-IT-zerland". Die Schweiz exportiere IT-Produkte und -Dienstleistungen im Wert von 18 Milliarden Franken. Das sei "zwölf Mal mehr IT als Käse und Schokolade zusammengenommen", sagte Grüter.

Mit dem Status als Partnerland einher geht eine grössere Präsenz an der Messe. Diese ist gemäss dem Nationalrat zehn Mal grösser als jemals zuvor. 1700 Quadratmeter Ausstellungsfläche für Schweizer Unternehmen. Einige Schweizer Aussteller präsentierten bereits während der Preview, was sie im März zeigen wollen.

Hybrid-Drohnen von der ETH

Passend zum neugewonnenen Interesse der Cebit an Drohnen zeigten zwei ETH-Start-ups ihre Flugmaschinen. Beide Unternehmen kombinieren dabei Elemente verschiedener Drohnentypen zu einem neuen Gerät.

Das Projekt Skye kommt als Kreuzung zwischen einem Zeppelin und einem Quadrocopter daher. Ein runder Helium-Ballon wird durch mehrere kleine und verbaute Rotoren gelenkt. Während herkömmliche Drohnen nur eine sehr beschränkte Flugzeit bieten, soll ihr Fluggerät während zweier Stunden in der Luft hängen können.

Ein weiterer Vorteil ist die Sicherheit. Ein Zusammenstoss zwischen Mensch und Ballon sei harmlos. Was Andreas Schaffner, Mitgründer von Skye, auch gleich demonstrierte. Aktuell bietet das Unternehmen seinen Ballon als Dienstleistung an, wie Schaffner sagte. Unternehmen könnten das Gerät mieten und mit ihren Logos bedruckt an Events herumfliegen lassen.

Das Beste aus beiden Welten

Das zweite Schweizer Drohnen-Start-up Wingtra hat sich mit Starrflügeldrohnen beschäftigt. Diese Fluggeräte nutzen einen unbeweglichen Flügel für den Auftrieb und keine Rotoren – wie ein Flugzeug. So können sie länger in der Luft bleiben und grössere Distanzen überwinden. Der Nachteil ist, dass sie für Start und Landung sehr viel Platz brauchen. Etwa drei Fussballfelder, wie Leopold Flechsenberger erklärte. Flechsenberger verantwortet den Bereich Business Development bei Wingtra.

Auf den ersten Blick wirkt Wingtras Drohne wie eine gewöhnliche Starrflügeldrohne. Doch mit ihren Rotoren kann sie gemäss Flechsenberger senkrecht abheben und landen. Im Flug orientiert sich die Drohne neu und verwendet den Flügel für den Auftrieb. Potenzielle Kunden sieht Flechsenberger vor allem in der Landwirtschaft oder in Unternehmen, die sich mit linearer Infrastruktur wie etwa Stromleitungen beschäftigen.

Expansionen und Exporte

Das Schweizer Softwareunternehmen Adnovum will die Cebit nutzen, um seine Security Suite Nevis zu bewerben. Das Unternehmen expandiert derzeit nach Deutschland. Während der Preview kündigte das Unternehmen an, bereits den ersten grossen deutschen Kunden gewonnen zu haben: Generali Deutschland.

Noser Young Professionals, ein Unternehmen der Noser-Gruppe, will derweil das Schweizer Lehrlingssystem exportieren. Aktuell visiert das Unternehmen hierfür die USA an. Um die Besucher von den Vorteilen des Ausbildungssystems zu überzeugen, wird der Cebit-Stand im März grösstenteils von Lehrlingen geführt.

Der Markt für Finanzinfrastruktur wurde durch Six vertreten. An der Cebit will das Unternehmen zeigen, was es zu bieten hat. Derzeit würden sie ihre Lösungen in der Schweiz anbieten, doch könnten diese vielleicht auch im Ausland auf Interesse stossen.

G Data ist wieder da

In den vergangenen beiden Jahren klaffte eine grosse Lücke mitten in der Messe: G Data fehlte. Dabei reicht die Zusammenarbeit des Unternehmens mit der Messe Jahrzehnte zurück. So präsentierte der Sicherheitsexperte vor dreissig Jahren an der ersten Cebit seine erste Antivirenlösung.

Für G Data ist es entscheidend, wer zur Messe geht, wie Thorsten Urbanski, Head of Corporate Communications & Government Affairs, sagte. Der Sicherheitsexperte will an der Cebit seine Partner treffen. Als die Messe bei Consumern immer beliebter wurde, war das für G Data daher keine erfreuliche Entwicklung. 2014 zog sich G Data schliesslich von der Messe zurück.

Bei der Cebit fand seither ein Umdenken statt und die Veranstaltung konzentriert sich wieder stärker auf das B2B-Umfeld. Mit Erfolg. G Data beobachtete die Entwicklung gemäss Urbanski ganz genau und entschied sich, dieses Jahr zurückzukehren.

An der Cebit 2016 will G Data die 14. Generation seiner B2B-Lösungen präsentieren. Diese soll unter anderem mit Technologien gegen Zero-Day-Attacken und erweiterten Monitoring-Tools überzeugen.

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