Adrian Mebold, HP Schweiz

"Pierre Bolle hat mir ein grosses Erbe hinterlassen"

Uhr | Aktualisiert

Seit Februar ist Adrian Mebold für HPs Channelgeschäft in der Schweiz zuständig. Im Interview spricht Mebold über seine ersten Erfahrungen und darüber, was auf die Partner während und nach der Spaltung des Unternehmens zukommen wird.

Adrian Mebold, Country Manager Indirect Business Enterprise Group bei HP Schweiz (Quelle: Enterprise Group HP Schweiz.)
Adrian Mebold, Country Manager Indirect Business Enterprise Group bei HP Schweiz (Quelle: Enterprise Group HP Schweiz.)

Nach elf Jahren bei Compaq/HP sind Sie 2007 zu Microsoft gewechselt. 2010 kamen Sie zurück zu HP. Warum dieser Ausflug?

Adrian Mebold: Ich habe immer gesagt: Wenn ich je zu einem anderen Hersteller wechsle, dann zu Microsoft. 2007 bekam ich das Angebot, Microsofts Servergeschäft zu übernehmen. Das passte gut, ich war damals bei HP schon für das Servergeschäft zuständig.

Warum sind Sie nicht bei Microsoft geblieben?

Ich machte den Job bei Microsoft drei Jahre lang, und das gefiel mir sehr gut. Microsoft hat eine sehr gute Arbeitskultur und sehr gute Produkte. Es kam dann aber ein früherer Arbeitskollege von HP auf mich zu. Er fragte mich, ob ich nicht zurück zu HPs Servern kommen wolle.

Und dann haben Sie "ja" gesagt.

Es war der richtige Schritt. Ich bereue ihn nicht. Schliesslich bin ich in den folgenden Jahren zu "Mister Server" geworden, der Name unter dem man mich heute eigentlich kennt.

Was fasziniert Sie an Servern?

Das Servergeschäft ist meine Leidenschaft. Ich finde unser Serverportfolio ist eine Perle im gesamten HP-Sortiment. Und der Erfolg spricht für sich. Wir haben quartalsweise Marktanteile bis 60 Prozent. Das verdanken wir aber nicht zuletzt der guten Zusammenarbeit mit dem Channel. Diese Zusammenarbeit hat mich dem Channel auch entsprechend nähergebracht.

Der Wechsel an die Spitze von HPs Channel war also kein grosser Schritt mehr?

Ich arbeitete lange sehr eng mit meinem Vorgänger Pierre Bolle zusammen. Daraus entstand mehr als eine beruf­liche Freundschaft. Trotzdem oder wohl eher gerade deshalb trat ich die Stelle am 1. Februar mit sehr grossem Respekt an. Es war also schon eher ein grosser Schritt für mich.

Wieso?

Es ist etwas völlig Neues für mich. Das ganze Ökosystem ist sehr komplex und vielschichtig. Pierre hat mir ein grosses Erbe hinterlassen. Ich durfte aber ein super Team übernehmen und bekam zum Einstieg sehr viel positive Resonanz. Das motiviert natürlich und macht mich sogar stolz. Ich bin froh, dass sich HP für eine interne Lösung entschieden hat.

Und was macht Pierre Bolle jetzt?

Er nimmt sich eine Auszeit – und was er danach tun wird, kann nur er beantworten.

Dann hat der Wechsel nichts mit HPs Teilung zu tun?

Nein, gar nicht. Der Wechsel war eigentlich so geplant. Es ist jetzt lediglich schneller passiert, als ich dachte.

Bekommen Sie nach der Teilung ein Gegenüber?

Das gibt es jetzt schon. Ich bin Channel-Verantwortlicher für die Enterprise Group, Christian Rizzo für Printing and Personal Systems. An diesen Zuständigkeiten wird sich auch nach der Teilung nichts ändern.

An der Partnerkonferenz im März gab es einige Ankündigungen zum künftigen Partnerprogramm. Was ändert sich für die Partner?

Ich glaube, hierzu muss man verstehen, was momentan genau passiert. Am 1. November separieren wir uns in zwei Unternehmen: in HP Inc., das aus PPS entsteht, und in Hew­lett Packard Enterprise, das aus der Enterprise Group, Enterprise Services und Software entsteht. Das sind beides nach wie vor zwei sehr grosse Unternehmen mit je knapp 60 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr. Für wen machen wir das also? Für unsere Kunden.

Wie meinen Sie das?

Mit zwei Unternehmen können wir unseren Kunden schneller und zielgerichteter genau jene Produkte und Lösungen bieten, die sie von uns verlangen. Unsere Innovationskraft wird sich so beschleunigen, wir können die Dynamik am Markt besser abbilden. All das wird für die Partner vieles vereinfachen. Die Organisation wird schlanker, die Entscheidungswege kürzer, und das hat einen Einfluss auf die Partner. Die Interaktionen werden einfacher.

Wie kommt das bei den Partnern an?

Das Feedback ist durchwegs positiv. Unsere Partner verstehen unsere Beweggründe – und sie teilen sie.  

Was passiert als Nächstes?

Ein sehr wichtiges Datum für uns ist der 1. August, das sogenannte Cut Over Date. Das ist der Einstieg in die Wandlungsphase, die einen reibungslosen Übergang gewährleisten soll.

Was bedeutet das konkret?

Am 1. August fangen wir an, Prozesse und Systeme umzustellen, die auch Einfluss auf Partner, Lieferanten und Endkunden haben werden. So wollen wir sicherstellen, dass der Geschäftsgang in der Übergangsphase reibungslos weitergehen kann. Für die Partner richteten wir zudem das Navigator-Programm ein, das sie bei der Reise begleiten wird. Es stellt sicher, dass die Umstellung gut funktioniert und dass die Partner über Supportcenter einen qualifizierten Kontakt haben.

An welche Partner richtet sich das Programm?

Es ist ausgelegt auf autorisierte und zertifizierte Partner. Das Ganze hat nichts mit gross oder klein zu tun. Klei­nere Partner sind ohnehin sehr eng mit ihren jeweiligen Distributoren vernetzt. Will heissen, wir müssen es mit den Distributoren gut machen. Wenn mit den Distis alles funktioniert, funktioniert es auch mit den kleineren Partnern.

Unter dem Strich ändert sich also nicht viel.

Für die kleineren Partner wird sich tatsächlich sehr wenig verändern. Auf Distributoren und grössere Partner kommen Umstellungen und neue Prozesse zu. An den Details arbeiten wir aber noch. Neben HP Partner Navigator haben wir neu auch das Partner One Alliance Program lanciert. Das Programm wurde in Anlehnung an die Star Alliance der Fluggesellschaften entworfen. Beide Unternehmen werden unter dem gemeinsamen Programm vernetzt.

Was passiert mit Anlässen wie der Global Partner Conference oder HP Discover?

Die nächste Partnerkonferenz wird im September 2016 in Boston stattfinden. HP Inc. und Hewlett Packard Enterprise werden beide dort sein. Die Breakout-Sessions werden aber separat voneinander laufen, sodass sich die Partner auf ihre jeweiligen Spezialgebiete konzentrieren können. Grossanlässe wie Discover werden in dem Star-Alliance-­Konzept so funktionieren, dass die Firma, die den Lead hat, der Host des Anlasses sein wird. Das andere Unternehmen wird als Partner auftreten.

Was werden Sie hier in der Schweiz anders machen als Pierre Bolle?

Wir werden uns in der Schweiz an die weltweite Channelstrategie anlehnen. Ich glaube aber, dass wir lokal einen massiven Unterschied machen können in der Art und Weise, wie wir mit Partnern und Kunden interagieren. Ich versuche deshalb, meine Leidenschaft fürs Segeln einzubringen. Bei einer Segelregatta muss alles stimmen: Boot, Trimmung, Segelstellung, Mannschaft, Navigation. Alle Elemente muss man zusammenbringen. In der Channel-­Landschaft sehe ich mich derzeit in einer ähnlichen Situation. Als Skipper will ich mit meiner Mannschaft das HP-­Rennschiff so trimmen, dass wir erfolgreich sind. Wir werden alles daran setzen, dass wir den Erfolgskurs halten können und die Partner aktiv partizipieren können.

Was werden Sie beibehalten?

Die Kontinuität. In all den Jahren, in denen ich dabei bin, sind wir eigentlich immer nach dem gleichen Prinzip vorgegangen: HP, oder früher auch schon Compaq, hat sehr viele Partner gross gemacht. Vice versa haben die Partner HP gross gemacht. Und genau das ist die Kontinuität. Etabliertes weiterführen und das machen, was man sagt. Transparente Kommunikation bringt Vertrauen, und darum geht es im Channelgeschäft.

Welche Art von Partner brauchen die beiden neuen HPs?

Die bestehenden Partner mit den verschiedenen Status werden nach wie vor das Kernkonstrukt unserer Channel-­Landschaft bilden. Klar kommen auch neue Partner dazu, das gibt es aber immer. Ich sehe derzeit nicht, dass sich unser Channel durch die Spaltung in HP Inc. und Hewlett Packard Enterprise massiv verändern wird. Es kann sein, dass wir für den einen oder anderen Partner unserer Mitbewerber attraktiver werden.

Glauben Sie das?

Wir bekommen aus dem Channel die Rückmeldung, dass wir bezüglich unseres Portfolios noch nie so gut aufgestellt waren wie heute. Das heisst, mit uns kann man Business machen, mit uns kann man wachsen. Im Serverbereich mag das bei den hohen Marktanteilen eher schwierig sein, aber beispielsweise bei Networking oder Storage sehen wir sehr gute Chancen, und das sehen auch die Partner der Mitbewerber. Wir hatten gerade erst in der Romandie so einen Fall. Da wandte sich ein Partner vom Mitbewerber ab und kam zu uns.

Wie wird es nach der Spaltung technologisch weitergehen? Für April 2016 ist der lang ersehnte 3-D-Drucker von HP angekündigt. Steht der Termin noch?

Die Arbeit daran läuft auf Hochtouren. Meg Whitman traf nach ihrem Einstieg bei HP die Entscheidung, den HP Labs mehr finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Der 3-D-Drucker ist eines der Resultate. Es ist eine dieser disruptiven Technologien, die im Markt nachhaltig alles verändern werden.

Was heisst das für die Partner?

Früher war das Internet der Megatrend. Heute haben wir mehrere gleichzeitig, die uns prägen: Cloud, Security, Mobility, Big Data. Das sind die Bereiche, auf die wir uns wie andere Hersteller auch stark konzentrieren. Wir sehen hier riesige Chancen für uns und den Channel, bestehende Infrastrukturen zu modernisieren und abzulösen.

Wie sieht es mit Wearables aus? Ist das ein Thema für HP? Im Oktober 2014 gab es ja mit der MB Chronowing einen etwas eigenwilligen Vorstoss in das Feld.

Es gibt hier sicherlich sehr viele neue Möglichkeiten. Ein Fokus wird indes "The Machine" sein, eine neue Computerarchitektur für das gesamte Spektrum.

Die Revolution der Computer?

Seit 60 Jahren entwickelt die Menschheit Computer. In vielen Bereichen stossen wir aber heute an Grenzen: Leistung, Energiebedarf, Datenmengen. Die Rechnerarchitekturen müssen sich zwangsläufig verändern. Und das betrifft nicht nur Server, sondern auch PCs, Smartphones, eigentlich alles, wo Datenverarbeitung stattfindet.

Wie genau soll das funktionieren?

Wir entwickeln die sogenannte Universal-Memory-Technologie, auch bekannt unter Memristor. Daten- und Hauptspeicher sind dabei eine einzige Komponente. Dadurch findet eine massive Beschleunigung statt. Man geht vom Faktor 1000 aus. Letztlich vereinfacht die Architektur alles, was auf ihr aufbaut. Dazu kommt die Art der Datenübertragung. Wir wollen weg vom Kupfer und hin zu Lichtleitern. Das fördert die Geschwindigkeit und senkt den Energieverbrauch. Wir sind überzeugt, dass man relativ zeitnah die ersten Resultate in unseren Produkten sehen wird.

Welche Geschäftsbereiche sollten die Partner denn besonders im Auge behalten?

Die ganze Branche steht momentan in einer fundamentalen Transformation, weil sich die Kundenbedürfnisse stark verändern. Unsere Geschäftspartner sollten sich überlegen, welche Marktleistungen in Zukunft gefragt sein werden – und welche dieser Marktleistungen sie erbringen wollen.  Sie müssen die Bereiche für sich herausfiltern, in denen sie gute Chancen sehen und die für sie profitabel sind. In der Partnerlandschaft hängt das natürlich stark von den Fähigkeiten und der Ausprägung des jeweiligen Partners ab. Auf den Punkt gebracht: Die Zukunft gehört den Mutigen. Und diese Zukunft ist vielversprechend!

Wie lautet Ihre persönliche Botschaft an den Channel?

Da komm ich ganz einfach aufs Segeln zurück: Unsere Teams und ich werden alles daran setzen, dass wir mit den Partnern auf Erfolgskurs segeln. Und zwar bei jedem ­Wetter.

Persönlich: Adrian Mebolds Karriere begann 1996 bei Compaq. Nach der Übernahme durch HP im Jahr 2001 blieb er dem Unternehmen bis 2007 treu. Mebold wechselte dann für drei Jahre zu Microsoft Schweiz. 2010 kam er zurück zu HP und widmete sich seiner Leidenschaft: dem Servergeschäft. Seit Februar 2015 ist HPs «Mister Server» Country Manager Indirect Business Enterprise Group. Er löste in diesem Amt Pierre Bolle ab, der sich entschlossen hatte, HP zu verlassen.

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