Anlass in Volketswil

Screenpro lanciert die Multimedia Trend Days

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Die Schweizer Firma Screenpro hat in Volketswil die ersten Multimedia Trend Days abgehalten. Hauptthemen waren Digital Signage, Virtual Reality, Augmented Reality und künstliche Intelligenz. Die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz.

"Eye C More", frei übersetzt "Auge sieht mehr", hiess das Motto der ersten Multimedia Trend Days in Volketswil. In diesem Zusammenhang hatte der Event vier Schwerpunkte: Digital Signage, Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und künstliche Intelligenz (KI). Das Spezielle am Nachfolgeanlass des Screenpro Open House waren die Vorträge zu diesen Schwerpunktthemen. Im Stundentakt hielten von Veranstalter Screenpro eingeladene Sprecher kurze Reden. Dazwischen konnten Besucher an verschiedenen Ständen aktuelle Technologien begutachten.

Visuelle Interaktion

Unsere Interaktion mit der Welt basiere grundlegend auf visuellem Input, sagte Remo Rodondi, Senior Consultant bei Screenpro, am Eröffnungsvortrag des zweitägigen Events. Das Unternehmen habe das etwa bei Projekten wie dem "Ricolizer" gesehen. Dieses digitale Werbeschild für Ricola soll Fussgänger zum Jodeln einladen und dabei Webvideos von ihrer Interaktion mit dem Gerät aufnehmen.

Ein weiteres Projekt, das Rodondi hervorhob ist das "Big C", ein bespielbares, C-förmiges Display für die Schweizer Bank Cler. Das digitale Werbeschild sei ein "absoluter Hingucker".

Digital Signage braucht guten Content

Samuel Wiesendanger, Technical Presales Engineer B2B Solutions bei Samsung Schweiz, betonte, dass es bei Digital Signage in erster Linie um Inhalte gehe. "Ohne coolen Content können Sie die beste Technologie haben, am Ende ist der Bildschirm trotzdem schwarz." Ein Weg zur Verbesserung des Inhalts sei Samsungs Lösung Magicinfo.

Dieser digitale Werbebildschirm ist gleichzeitig ein Spiegel. (Quelle: Netzmedien)

Diese Lösung demonstrierte Thomas Beck, Produktionsleiter bei Screenpro, an einem Ausstellungsstand. Über jeden beliebigen Browser könnten Kunden auf die Software und die damit verbundenen Bildschirme zugreifen. Mit der Weblösung könnten Benutzer sowohl Inhalte erstellen und sie direkt anzeigen lassen, als auch die Darstellung von bestehenden Inhalten in Form von "Playlists" oder auf Basis von Parametern wie etwa Ortsangaben oder Kalenderdaten automatisieren.

Über den Browser kontrolliert Thomas Beck von Screenpro den Bildschirm hinter ihm. (Quelle: Netzmedien)

Dass eine grosse Firma wie Samsung diese Lösung entwickelt, macht das Produkt besonders interessant, wie Beck meinte. Das Unternehmen nehme Digital Signage ernst und entwickle Magicinfo dauernd weiter.

Analytics tragen zum Inhalt bei

Eine weitere Möglichkeit, Inhalte für Kunden ansprechend zu gestalten sind zudem Analytics. Am Screenpro-Stand gab es ein Beispiel dafür zu sehen. Ein Bildschirm zeigte ein Webcam-Feed an. Stellte man sich vor die Webcam, erschienen von der Software geschätzte Daten über die gefilmte Person. So erkannte sie das Geschlecht, das Alter und die Stimmung des Zuschauers und ordnete ihn einer Zielgruppe zu. Auf einem anderen Bildschirm erschien dann entsprechende Werbung. Etwa für ein iPhone bei einem 30-jährigen. Mit Hutträgern tat sich die Software jedoch schwer.

Die Kamera registrierte Daten über die Besucher und zeigte sie auf dem Bildschirm an. (Quelle: Netzmedien)

Im Normalfall würden Werbeziele natürlich nur den zweiten Bildschirm sehen. Die Analytics selbst sind für den Betreiber des digitalen Schilds zugänglich.

Wie AR Erfolg bringen soll

Zum Thema AR sprach Matthias Känzig, CEO von Takondi. AR sei für den Markt bereit, beteuerte er. Ein Ziel des Schweizer Dienstleisters sei, herauszufinden, wie Unternehmen langfristig mit AR erfolgreich sein können. Die Technologie sei bereits geläufig, sagte Känzig. Doch die Headsets hinkten in der Entwicklung noch etwas hinterher. Diese seien noch zu gross, erklärte der CEO des Unternehmens.

Laut Känzig gibt es vier wichtige Schritte, die für den Erfolg von AR noch notwendig sind. Erstens müsse die Technologie den Massenmarkt erreichen. Die vielen Apps und unterschiedliche Hardware verwirren den Konsumenten.

Zweitens müssten Entwickler sinnvolle Anwendungsbereiche für Endnutzer finden. AR soll nicht nur Spielerei sein, sondern eine zielgerichtete Verbesserung der Nutzererfahrung bieten.

Drittens müssten Hersteller die Displaytechnologie verfeinern. In erster Linie gehe es hier darum, Gewicht und Grösse der Headsets zu reduzieren sowie Kabel aus dem Weg zu schaffen.

Schliesslich brauche es die Unterstützung von Firmen. Grosse Unternehmen wie Facebook, Apple und Google heben die Technologie bereits heute als zukunftsweisend hervor. Je mehr Unternehmen diesem Vorbild folgen, desto besser und schneller etabliert sich AR, wie Känzig sagte.

Kein Grund zu warten

Martin Vollenweider, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur, betonte, dass VR, AR sowie Mixed Reality die Gesellschaft revolutionieren würden. "Auf diese Revolution müssen wir gefasst sein", warnte er.

Er demonstrierte zudem, wie einfach es sei, eine AR-Anwendung zu erstellen. Die Demo mit Aurasma Studio dauerte knapp 5 Minuten. Jeder könne das schaffen, so Vollenweider. Es gebe also keinen Grund zu warten. Besonders wichtig sei es aber, bei der Entwicklung darauf zu achten, dass AR-Anwendungen der Führung im Raum dienen und eine zugrundeliegende Geschichte erzählen.

Auch scheiternde Projekte dienen dem Fortschritt

Verschiedene Headsets gab es an den Ausstellungsständen zu testen. Etwa HTCs Vive am Stand von 3D360.ch und die Hololens von Microsoft beim Stand der HTW Chur. Die Hochschule kollaboriere schon längst mit Unternehmen, um Mixed-Reality-Technologie voranzutreiben, sagte Vollenweider. Selbst wenn ein Projekt scheitere, sei dies eine Win-Win-Situation, die dem Fortschritt diene.

Christian Schläpfer, CEO von 3D360.ch, konzentrierte sich vor allem auf 360-Grad-Inhalte. Er zeigte die Kameras und deren Anwendungsgebiete. Am Stand des Unternehmens konnten sich Besucher mit dem Vive-Headset in Google Earth bewegen. Ein nächstes Ziel ist laut Schläpfer die Möglichkeit, direkt auf Street View zuzugreifen. Dies dürfte auch für den Endkunden interessant sein.

Eine Brücke zwischen Mensch und Maschine

Sylvia Stocker, Besitzerin des Event-Dienstleisters Arabesque, präsentierte verschiedene Roboter mit KI. Diese Art von Intelligenz brauche keine Form, betonte sie. Dass Alexa in einer Plastikbox steckt, liegt gemäss Stocker daran, dass Menschen für die Interaktion mit KI eine visuelle Repräsentation wünschen.

Stocker mit ihren Robotern; im Vordergrund eine verkleidete Alexa-Box. (Quelle: Netzmedien)

Die Interaktion sei gerade das ausschlaggebende Element in der Entwicklung von KI. Das Ziel sei, mit KI eine Brücke zwischen Mensch und Maschine zu bauen. Ohne diese seien die Nutzer nämlich schnell frustriert, wenn sie versuchen, unbekannte Geräte in Betrieb zu nehmen. Diese Funktion von KI mache sie in unzähligen Bereichen der Multimedia-Welt relevant.

Auch Industrieriesen können Trends nicht vorhersagen

Den Abschluss des ersten Tags der Multimedia Trend Days bildete der Vortrag von Andrin Egger, CEO von 42AM. Er befasste sich mit der Frage, wie man Trends und Veränderungen im Konsumverhalten einschätzen kann. Konkrete Prophezeiungen seien diesbezüglich nicht möglich. Nicht einmal Google, Apple oder Facebook könnten dies, sagte Egger.

Einer der am Anlass gezeigten Trends ist, dass Bildschirme heute immer dünner werden. Die dünnsten und leichtesten Bildschirme könne man bereits heute mit nichts weiter als Klebeband an der Wand befestigen, führte Roland Köppel aus. Er ist Verwaltungsrat bei Screenpro.

Dieses Ausstellungsmodell ist 4 Millimeter dünn. (Quelle: Netzmedien)

Der Trend gehe dahin, dass man in Zukunft womöglich den Fernseher als organisches Material auf eine mit Strom versorgte Wand auftragen könnte. Dann wäre nicht mehr die Displaygrösse, sondern die Wandfläche der ausschlaggebende Messwert. "In dieser Sache kommt gewaltig viel auf uns zu in den nächsten Jahren", verspricht Köppel.

Laut Egger können heute aber nur Konsumenten beeinflussen, welche Produkte akzeptiert werden. Hersteller hätten diesbezüglich immer weniger zu sagen. Veränderungen im Konsumverhalten würden sich darum nur dann verändern, wenn es dafür einen "triftigen Grund" gebe. Dem Konsumenten müsse die Veränderung etwas bringen. Darum brauche es viel Einfühlungsvermögen, wenn man als Unternehmen in einem von Innovation geprägten Markt erfolgreich sein möchte.

Positives Fazit

Ladina Roth, Projektleiterin Content bei Screenpro, zog ein positives Fazit für den ersten Tag des zweitägigen Anlasses. In Zusammenarbeit mit der HTW Chur haben man "etwas Neues" machen wollen. Sie rechne damit, dass bis Ende der Multimedia Trend Days über 150 Besucher erscheinen werden.

Ziel sei, den Anlass auch 2018 wieder durchzuführen. Ob und wie das zustande kommen wird, sei von Kundenfeedback abhängig.

Veranstalter Screenpro ist ein Schweizer Dienstleister für Inhalt und Technik im Bereich Multimedia. Das Unternehmen hat Standorte in Volketswil und Münsingen.

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