Die Firma Lexo im Porträt

Wie ein IT-Dienstleister den IT-Support abschaffen will

Uhr | Aktualisiert

Marcus Fleuti und Mike Wäger haben mit der Firma Lexo etwas geschafft, womit sich viele IT-Dienstleister schwertun: den Wandel vom Problembearbeiter zum Lösungsanbieter. Was es dafür brauchte, war technisches Können, einen ­Riecher für Geschäftsideen und eine grosse Portion Leidenschaft.

Lexo-CTO Mike Wäger (l.) und Marcus Fleuti, CEO sowie Gründer von Lexo. (Source: Netzmedien)
Lexo-CTO Mike Wäger (l.) und Marcus Fleuti, CEO sowie Gründer von Lexo. (Source: Netzmedien)

Kaum war das Rechenzentrum Ostschweiz eröffnet, da waren sie schon drin. Marcus Fleuti und Mike Wäger schnappten sich den ersten Platz, installierten dort ihre Server und gingen routiniert ans Werk. Weder besonders aufregend noch unheimlich sei es anfangs gewesen. Eher witzig. Und eben auch Routine. Schliesslich sind die beiden schon lange im Geschäft. Länger als es ihre Firma Lexo gibt.

Beide waren 16 Jahre alt, mitten in der Informatikerlehre, als sie ihre ersten gemeinsamen EDV-Projekte für Kunden abwickelten. "Eigentlich wollten wir so unser Sackgeld aufbessern", sagt Fleuti. Doch schnell war klar: Was sie verbindet, ist mehr als Geschäftssinn. Sie teilen dieselbe Pas­sion. Und beide wollen Erfindergeist beweisen.

IT von der Pike auf gelernt

Fleuti, ein tatkräftiger Tüftler, wusste schon immer, wohin es ihn zieht. Als Neunjähriger las er PC-Hefte bis zum Abwinken, wie er sagt. So brachte er sich die Basics bei. "Als ich dann endlich meinen ersten PC bekam, fing ich an zu programmieren, statt wie andere zu gamen", sagt Fleuti. Drei Jahre später verbrachte er seine freien Nachmittage in den St. Galler PC-Geschäften, reparierte dort Rechner und installierte Software. Gratis, nur aus Spass an der Sache.

Wäger, ein waschechter Techniker, wollte ebenfalls früh verstehen, was die digitale Welt zusammenhält. "Als Teenager plagten wir uns noch mit DOS 4 herum – da kann man gar nicht anders, als den Dingen auf den Grund zu gehen", sagt er schmunzelnd. Technologien auseinandernehmen, sehen, was dahintersteckt, wie alles zusammenhängt: Das ist es, was ihn heute noch reizt.

Aus der Not geboren

Nach der Ausbildung hängten beide noch ein Studium an und gingen vorerst getrennte Wege. Fleuti studierte Wirtschaftsinformatik. So konnte er weiterhin programmieren und sich betriebswirtschaftliches Wissen aneignen. "Jemand muss ja schliesslich den Laden am Laufen halten", sagt er und lacht. Wäger studierte Enterprise Computing. Mehr Hardware, mehr Infrastruktur, mehr Mathematik.

Um sein Studium zu finanzieren, gründete Fleuti seine Firma. Anfangs arbeitete er mit dem damaligen Elektronikhändler Eschenmoser zusammen, installierte dessen Geräte bei den Kunden. 2006 zog er sein erstes Entwicklermandat an Land. Fleuti war 26. Für ein Zürcher KMU programmierte er eine webbasierte ERP-Lösung, speziell fürs Personalwesen. "Das war für mich der Startschuss für die professionelle Softwareentwicklung", sagt er. Nebenbei machte er weiterhin EDV-Projekte, sprich: Client-/Server-, IT-Security-Installationen- und Support. Zwei Jahre später war er völlig ausgebucht und holte Wäger als CTO an Bord.

Neustart mit drei Standbeinen

2010 richteten sie das Unternehmen neu aus. Weg vom IT-Support, lautete die Devise. "Wir wollen Systeme so aufbauen, dass sie so gut wie wartungsfrei funktionieren und es keinen Support mehr braucht", sagt Fleuti. Deswegen fassten sie den Plan, Hard- und Software von Grund auf selbst einzurichten, alle Dienste aufeinander abzustimmen und so viel wie möglich selbst zu entwickeln. Etwa Scripts, Schnittstellen und Monitoring-Lösungen.

Seither fusst Lexo auf drei Pfeilern. Erstens: Infrastrukturlösungen. Fleuti und Wäger planen und realisieren Projekte für den Aufbau sowie fürs Outsourcing. Von On-Premise-Installationen über Netzwerke bis hin zu Virtualisierung, Private Clouds und Migration in Public Clouds. Auch hier gilt das Credo: So wenig Support wie möglich. "Wir betreiben heute noch Systeme, die seit acht Jahren reibungslos und wartungsfrei funktionieren", sagt Wäger.

Zweitens baute Lexo die Softwareentwicklung aus. Zu diesem Zweck beschäftigt die Firma sechs Mitarbeiter im eigenen Büro in Belgrad. Mit ihnen plant, gestaltet und hostet Lexo Websites und Webapplikationen. Mit selbstentwickelten Management-Tools, Caching-Modulen sowie SEO- und Adwords-Services. "Wir bauen suchmaschinenoptimierte Websites mit extrem schnellen Ladezeiten und vernetzen diese Websites mit Onlineshops", sagt Fleuti.

Mit dem dritten Standbein schlagen Fleuti und Wäger eine Brücke zwischen IT und Buchhaltung. Lexo-CFO Rebecca Luperto unterstützt Kunden dabei, ERP-Software und Unternehmensabläufe aufeinander abzustimmen. Zudem lancierten Fleuti und Wäger eine Lösung, die ERP-Systeme und Onlineshops nahtlos miteinander verbinden soll. Mit den Accounting-Lösungen will Lexo die ganz Grossen wie SAP unterbieten, wie Fleuti erklärt: "Was andere für über 50 000 Franken verkaufen, können wir für 8000 anbieten."

Vom Techie zum Patron

Lexo bedient Kunden vom Ein-Mann-Betrieb bis hin zu KMUs mit 200 Mitarbeitern. Viele seien auf Empfehlung anderer Kunden an Bord gekommen. Doch auch mit einem Tech-Blog macht Lexo auf sich aufmerksam. "Auf unserem Blog berichten wir etwa über Bugs, die wir entdeckt und gelöst haben", sagt Fleuti. Etwa 10 000 Nutzer pro Monat würden die Berichte lesen. "Das boostet uns auf Google, was wiederum mehr Kunden anlockt."

Ziel des Blogs sei aber primär, der Community etwas zurückzugeben, erklärt Wäger. Das sei schliesslich Ehrensache. Auch seine persönlichen Ziele klingen bescheiden: "Zurück zu Jugend forscht", sagt er lächelnd. Mehr Zeit finden, um Neues zu lernen. Das bleibe derzeit auf der Strecke.

Fleuti sieht sich indes als Patron. "Es freut mich, dass unsere Ideen Früchte tragen", sagt er. Viel wichtiger sei jedoch, dass sechs Familien in Serbien und drei in der Schweiz davon leben können. "Wir bleiben unserer Branche treu, bringen neue Produkte auf den Markt – doch das Wichtigste zuerst: aufeinander aufpassen und Perspektiven schaffen."

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