Porträt

Ecologic – wenn ein IT-Dienstleister mehr groovt als dirigiert

Uhr | Aktualisiert

Simon Kaiser hat den Wandel der IT-Branche hautnah miterlebt. Seine Firma, der Zürcher IT-Dienstleister Ecologic, startete mit einer zündenden Idee und erfand sich immer wieder neu. Das klappte vor allem deswegen, weil das Unternehmen mit Kunden wie auch mit Mitarbeitern ein taktvolles Miteinander pflegt.

Einen auf Green-IT zu machen, bringt nichts. Selbst wer es ernst meint, redet am Kunden vorbei. Denn der interessiert sich nur für eines: Alles muss reibungslos funktionieren. "Ökologie hin oder her", sagt Simon Kaiser, Gründer und Verwaltungsratspräsident von Ecologic, "an erster Stelle steht immer der Service, und der muss stimmen."

Dennoch legt Kaiser viel Wert auf ökologische Nachhaltigkeit. Dies, weil er nicht anders kann, als nach vorne zu blicken. "Ich gehöre nicht zu der Sorte Grün, die zurück in die Natur will", sagt er. Nichts von wegen Birkenstock und Ponchos. Für Kaiser ist es einfach nur logisch, Ressourcen zu sparen. Und zwar mithilfe dessen, was die Technik möglich macht.

Was einen guten Groove ausmacht

Im Büro von Ecologic scheint Kaisers Haltung durchzuschimmern. Pflanzen, der Kühlschrank und einige Möbel setzen grüne Tupfer. In einer Ecke lehnt eine elektrische Gitarre. Daneben leuchtet eine Skulptur, die ein Mitarbeiter aus Elektronikteilen bastelte. Sie diene als Lampe und Wanderpokal, erklärt Kaiser. "Wir spielen regelmässig Tischfussballturniere mit einem Kunden." Wer gewinnt, darf die Trophäe in Obhut nehmen. "Diesmal sind wir wieder an der Reihe", sagt der Chef lächelnd.

In der Mitte des Raums steht eine Bar. Eine Zapfsäule steht bereit. "Bier gibt es aber erst ab vier", sagt Kaiser. So gemütlich das Büro wirkt, die Mitarbeiter lassen sich offenbar kaum ablenken. Einige hecken Pläne aus, andere blicken konzentriert auf ihre Bildschirme. "Das war schon immer mein Ziel", sagt Kaiser. "Unsere Firma soll funktionieren wie eine Band: freundschaftlich, familiär und aufeinander abgestimmt." Dafür braucht es mehr als nur Taktgefühl. Denn im Gegensatz zu einem Orchester sollen die Mitarbeiter von Ecologic auch mal selbst arrangieren und improvisieren. "Es braucht einen guten Groove, und den haben wir", sagt Kaiser. Allerdings dauerte es eine Weile, sich einzuspielen.

Ein Tüftler mit Hang zum Handfesten

Die Informatik zog Kaiser früh in ihren Bann. Als 18-Jähriger habe er ständig programmiert, erinnert er sich. "Einmal baute ich während des Mathe-Unterrichts ein kleines WLAN, lange bevor es so etwas gab." Er nutzte dazu einen Taschenrechner, einen Fernsehempfänger und sein erfinderisches Talent. "Eine Portion Pioniergeist hatte ich schon immer", sagt er.

Nach dem Gymnasium wollte Kaiser erstmal etwas Handfestes lernen. Er schrieb sich an der ETH Zürich ein und studierte Elektrotechnik. "Dort ging es zwar viel um Theorie, aber immerhin bekam ich auch mal einen Schalter in die Hand", erzählt er. Einer dieser Schalter brachte Kaiser auf seine erste Geschäftsidee.

Über Umwege zum Kerngeschäft

Nachdem er sein Ingenieursdiplom erlangt hatte, tat sich Kaiser mit zwei ehemaligen Mitstudenten zusammen. 1994 gründeten sie die Firma Ecologic. Ihr Produkt: ein Stromsparschalter. Der erste Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Im Jahr der Firmengründung klopfte ein Basler Chemiekonzern an und setzte die Stromsparschalter weltweit in seinen Niederlassungen ein.

Trotzdem war der Anfang hart. Das Geschäft mit den Stromschaltern lief harziger als gedacht. "Der Strom ist in der Schweiz einfach zu billig", sagt Kaiser. Um sich über Wasser zu halten, erledigten die drei Gründer Auftragsarbeiten. Und die entwickelten sich nach und nach zum Kerngeschäft des Unternehmens. Ecologic entwickelte etwa Software für Telefonie und später für ein Fax-Modem namens Spiderman. Bald fragten Kunden auch nach Lösungen für Netzwerke und IT-Infrastruktur. Das Geschäft zog an und Ecologic stellte mehr Mitarbeiter ein.

Hinfallen, aufstehen, weitermachen

Um die Jahrtausendwende spezialisierte sich Ecologic auf Cross-Plattform-Lösungen. Damals bediente die Firma insbesondere Kunden aus der Werbebranche. "Die waren froh, dass jemand Mac und Windows unter einen Hut bringen konnte", sagt Kaiser. Immer mehr Werbeagenturen fragten an, auch die ganz Grossen. Bis die Dotcom-Blase platzte und die Budgets der Kunden wie über Nacht implodierten.

"Solche Rückschläge gehören dazu", sagt Kaiser. Wichtig sei, was man daraus lerne. Nach dem New-Economy-Hype stand fest: Es braucht eine neue Strategie. Ecologic setzte mehr auf langfristige Partnerschaften und auf ein neues Rezept: massgeschneiderte IT- und Softwarelösungen statt branchenspezifische Angebote von der Stange.

Eine Sache des Vertrauens

Der Plan ging auf. Heute bedient Ecologic Kunden aus allen möglichen Branchen. Für einen Zürcher Finanzanalysten entwickelte das Unternehmen Schnittstellen zwischen Bloomberg-Terminals, Excel, SQL und Websites. Für ein Umweltlabor erstellte Ecologic eine Webapplikation, die Labormessungen automatisch auswertet und in Reports verpackt. Und im Integrationsgeschäft drehen sich derzeit viele Projekte um die Hybrid Cloud. Mit der "Eco-Cloud" zählt seit vier Jahren auch eine eigene Private Cloud zum Repertoire des IT-Dienstleisters.

Das Erfolgsrezept sei einfach, erklärt Kaiser. "Wir sind breit aufgestellt und arbeiten eng mit Partnern zusammen." Am wichtigsten sei aber die persönliche Note, den Kunden als Menschen wahrzunehmen und Nähe zu zeigen. "IT ist eine Sache des Vertrauens", sagt er. Häufig habe sich Ecologic zuerst mit einem Integrationsprojekt bewährt und deswegen einen Auftrag zur Softwareentwicklung gewonnen.

Nichts geht über Teamgeist

Kaiser zog sich vor ein paar Jahren aus dem operativen Geschäft zurück. Zumindest teilweise, manche Kunden betreut er weiterhin persönlich.

Von den derzeit 20 Mitarbeitern hatten 5 ihre Karriere als Lehrlinge bei Ecologic begonnen. "Dass sie geblieben sind, ist schon ein gutes Zeichen", sagt Kaiser. Das mache ihn stolz und vor allem dankbar. "Ohne den Elan des Teams stünden wir nicht da, wo wir heute stehen." Und die Firma wäre wohl nicht dieselbe ohne Firmenphilosophie von Kaiser und seinen Geschäftspartnern. "Arbeit gehört zum Leben", sagt er, "also liegt es an uns, sie so zu gestalten, dass sie Freude macht."

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