Big Tech buhlt um die besten KI-Talente der Schweiz
Die ETH und die EPFL sind zwei der weltweit führenden Hochschulen zur Ausbildung von KI-Talenten. Viele von ihnen bleiben nicht in der Schweiz, sondern werden von amerikanischen Tech-Firmen abgeworben.
Die Schweiz hat die höchste Dichte an KI-Experten mit Top-Ausbildung der Welt. Dafür sorgen die ETH und die EPFL, berichtet die "NZZ" (Paywall). Die Talente, die in der Schweiz ausgebildet würden, könnten helfen, Schweizer KI-Technologien zu entwickeln. Dies würde wiederum die digitale Souveränität stärken. Allerdings werben amerikanische Big-Tech-Firmen viele der besten KI-Talente der Schweiz ab. Nach dem Abschluss würden sie für Unternehmen wie Google oder IBM in deren Schweizer Niederlassungen oder gleich in den USA arbeiten.
Zürich als KI-Hotspot
Zürich bringt die akademische KI-Forschung mit Big-Tech-Firmen zusammen, wie “Greater Zurich Area” auf seiner Website schreibt. Mit tech-neutraler Regulierung und einem lokalen Netzwerk zwischen Universitäten und der Industrie sei Zürich ein "Magnet für KI-Innovation".

Millionen-Investitionen in KI-Talente
Zu den US-amerikanischen Tech-Giganten mit einer Niederlassung in Zürich gehören Google, Microsoft, Meta, Apple, OpenAI und Anthropic. Sie investieren in ETH-Forschung, bieten ETH-Forschenden Praktika an und stellen den ETH-Studierenden Mentoren zur Verfügung.
Google etwa habe im Jahr 2026 500’000 Franken an das ETH AI Center gespendet, berichtet die NZZ. Drei ETH-Forschende im Doktoratsstudium hätten ausserdem finanzielle Unterstützung und Mentoren von Google erhalten. Des Weiteren nutze Google den Studierendenverein GDG on Campus Zurich zur Rekrutierung von Studierenden bei Hackathons und Treffen. Der Verein GDG on Campus Zurich ist laut seiner Website Teil der globalen Google Developer Group.
Genaue Zahlen dazu, wie viele Absolventinnen und Absolventen zu Big-Tech-Unternehmen wechseln, gebe es nicht, schreibt die NZZ. Das Anwerben von Talenten durch Tech-Giganten bezeichnet die Zeitung als Braindrain, da die Schweiz ihre besten Köpfe ans Ausland verliere. Andreas Krause, Leiter des ETH AI Centers, bestätigt die Entwicklung gegenüber der NZZ: "Ich beobachte, dass ein grosser Teil der Absolventen des ETH AI Centers zu grossen Techkonzernen wechselt." Für die digitale Souveränität der Schweiz sei dies eine problematische Entwicklung. "Wenn unsere klügsten Köpfe für amerikanische Konzerne arbeiten, liegt die Kontrolle über die Technologie letztlich in den USA."
Mehr Lohn von Tech-Giganten
Big-Tech-Firmen zahlen derart hohe Löhne, dass Schweizer KI-Unternehmen nicht mithalten könnten. Pascal Kaufmann, Gründungsmitglied des ETH Circle, sagt gegenüber der NZZ: "Im KI-Hotspot Schweiz herrscht seit vielen Jahren ein erbitterter Kampf um die besten Talente. Es ist enorm schwierig, ein Talent für uns zu begeistern, wenn dreissig Meter weiter ein US-Konzern ein Vielfaches an Lohn zahlt."
Die Schweiz habe ausserdem keine vergleichbar grossen KI-Unternehmen, auch wenn viele ETH-Absolvierende Start-ups gründen. Raphael Tobler, Präsident der Swiss Startup Association, sagt gegenüber der NZZ, dass KI-Unternehmen hohe Investitionen bräuchten. Da sie diese in der Schweiz nicht erhielten, würden die Unternehmen ins Silicon Valley abwandern.
Um die Entwicklung von KI-Technologien in der Schweiz zu fördern, gründeten die ETHs die Swiss AI Initiative. Die Initiative fördert unter anderem Apertus, ein vollständig offenes KI-Modell.
Als Anthropic 2025 seinen Schweizer Standort vorstellte, bezeichnete auch der Leiter der Niederlassung Neil Houlsby die Schweiz als "Zentrum für kluge Köpfe, die Spitzenforschung betreiben". Mehr dazu lesen Sie hier.
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