Druck auf Apple wächst

Thür will eine "plausible Rechtfertigung" von Apple

Uhr | Aktualisiert

Schon länger ist bekannt, dass Apple bestimmte Positionsdaten von iPhones abfragt. Die US-Forscher Alasdair Allan und Pete Warden entdeckten eine Datei, die ein Bewegungsprofil der Besitzer von mobilem Betriebssystem iOS 4 enthielt. Dies rief weltweit Datenschützer auf den Plan, darunter auch den Schweizer Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür.

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür zieht im Street-View-Prozess gegen Google den Kürzeren.
Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür zieht im Street-View-Prozess gegen Google den Kürzeren.

Hanspeter Thür will die Rechtmässigkeit der Tracking-Funktion von Apples Endgeräten verfolgen. Der Datenschutzbeauftragte des Bundes äusserte sich gegenüber Tagesanzeiger/Newsnetz: "Es ist klar, dass Lokalisierungsdaten heikle Daten darstellen, weil damit von Nutzern Bewegungsprofile erstellt werden können. Wenn sie in zweifelhafte Hände geraten, könnte dies für den Betroffenen sehr heikel werden. Deshalb interessiert die Frage, wem diese Daten zur Verfügung stehen und vor allem, aus welchem Grund sie gespeichert werden. Diese Fragen werden wir Apple unterbreiten."

Er könne sich nicht vorstellen, dass es eine plausible Rechtfertigung dafür gebe, dass die Tracking-Funktion nicht öffentlich gemacht und die Möglichkeit der Ausschaltung gegeben werden. "Es leuchtet nicht ein, dass Daten gesammelt werden, die nicht gebraucht werden. Da verlangen wir eine plausible Antwort", so Thür weiter.

Thür will dem Bericht zufolge den Sachverhalt genau abklären, bevor andere Massnahmen wie ein gerichtliches Vorgehen zur Diskussion stünden. Ein gerichtliches Vorgehen sei vor allem gegen einen international tätigen Konzern kein Spaziergang. Der Datenschutzbeauftragte befürworte ein international, koordiniertes Vorgehen, da sich die Problematik nicht nur auf die Schweiz beschränke.

Erste Sammelklage eingereicht

Zwei Apple-Kunden reichten vor einem US-Gericht in Florida Sammelklage gegen den Konzern ein. In der Klageschrift vom 22. April fordern sie, dass Apple das Sammeln von Ortungsdaten unterbindet.

Amerikanische Politiker erhöhen indess den Druck auf Apple, aber auch Google. Generalstaatsanwältin Lisa Madigan aus Illinois lädt die beiden Konzerne am 10. Mai zu einer Anhörung in den Senatsausschuss. Madigan will wissen, ob die Kunden darüber informiert worden sind, was genau von Apple und Google aufgezeichnet und gespeichert wird und ob diese Funktionen abgestellt werden können.

Google bestätigte in einer offiziellen Mitteilung, dass Android-Geräte Standortdaten des Telefons speichern. Dies geschehe aber nur mit einer expliziten Genehmigung durch den Anwender und lasse sich deaktivieren. Ein offizielles Statement von Apple steht noch aus.

Derweil machen Gerüchte die Runde, Steve Jobs persönlich habe einem verärgerten iPhone-Besitzer geantwortet: "Wir verfolgen niemanden." Ein Leser von Macrumors.com soll den Konzernchef angefragt haben, warum seine Aufenthaltsorte ständig registriert werden. Er werde sonst auf ein Android-Modell umsteigen, die ihn nicht verfolgen. Jobs oder ein Angestellter soll gekontert haben, dass auch Google Daten sammelt und die Informationen, die zurzeit die Runde machen, falsch seien.

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