SAS Analytics Experience Rome

Big Data in der "ewigen Stadt"

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Softwareentwickler SAS hat nach Rom zur Analytics Experience 2016 geladen. An dem Anlass in der Hauptstadt Italiens geht es unter anderem um die Vorteile von Open Source bei der Datenanalyse. Zu den Hauptthemen der Veranstaltung zählt daher auch SAS' offene Viya-Plattform.

In Rom findet derzeit die Analytics Experience von Softwareentwickler SAS statt. An drei Tagen können die Besucher ihr Fachwissen über Business Analytics vertiefen und weitergeben. Mehr als 1000 IT-Experten haben sich angemeldet, wie Marco Icardi, Managing Director Italy bei SAS, am Vorabend im Rahmen eines Gala Dinners sagte.

Nun sitzen die Experten alle im grössten Raum des Marriott-Hotels und lauschen Carl Farrell. Er ist Executive Vice President und Chief Revenue Officer des Softwareentwicklers. Bereits bei seiner Begrüssung wird klar, wo der Fokus des Events liegt: auf der Viya-Plattform. Obwohl die Ankündigung der Open-Source-Plattform mittlerweile schon ein paar Monate zurückliegt.

Offen für alle Nutzer und Sprachen

Farnell betont den offenen Ansatz der Viya-Architektur in Rom erneut und erklärt, was hinter dem Wort steckt. "Open bedeutet auch, dass die Plattform allen möglichen Nutzern offensteht", sagt er. Viya soll nicht nur den IT-Experten ansprechen, sondern alle Benutzergruppen bis hin zur Teppichetage hinauf.

Ferner bedeute "open", dass die Plattform alle Programmiersprachen spricht, auch die von Drittanbietern, um den Zugang zu erleichtern. Java, Lua, Python. "Dann ist Viya bestimmt nicht britisch!", wirft Moderator Jon Briggs selbstironisch dazwischen. Briggs und Farrell sind beide Briten.

Viya bedeute aber nicht das Ende der anderen Produkte. In zwei Wochen will der Hersteller etwa SAS Version 9.4 der veröffentlichen. Die neue Software soll auch über gewisse Features von und Schnittstellen zu Viya verfügen. 2017 sollen weitere Releases folgen.

Überall werden Daten gesammelt

Der nächste Sprecher knüpft an das Thema an. Randy Guard heisst er. Er ist Executive Vice President und CMO von SAS.

Viya soll nicht nur die Probleme von heute lösen. Kunden können die Plattform selbst expandieren, wie er sagt. Dies werde die produktive Nutzungszeit der Plattform deutlich verlängern. Zu diesem Zweck seien auch alle Schnittstellen (APIs) öffentlich.

"Analytics ist ein Wachstumsmarkt", wechselt Guard abrubt das Thema. "Heutzutage fragen sich Unternehmer nicht mehr: Wieso sollte ich Analytics verwenden?" Sondern: "Wie kriege ich mehr aus meinen Daten heraus?"

Ein Grund hierfür seien aktuelle Trends wie das Internet der Dinge (IoT), ergänzt Oliver Schabenberger, Executive Vice President und CTO. Im Internet der Dinge sammelt jedes Gerät, jeder Sensor Daten. "Und wo Daten sind, da sollte auch Analytics sein."

Es sei egal, ob es sich dabei um "Data at Rest" oder um "Data in Use handle". Also ob die Daten aktiv verwendet werden oder nicht. Beide Phasen verlangen unterschiedliche analytische Ansätze. Aber beide verlangen gemäss dem CTO eine Analyse.

10'800 Codezeilen pro Tag

Anschliessend übernimmt Jim Zemlin das Wort. Er ist Executive Director der Linux Foundation, oder wie er selbst sagt: "technisch gesehen bin ich der Chef von Linus Torvalds – auch wenn er nie wirklich auf mich hört."

"Es gibt derzeit einfach zu viel Software, die noch geschrieben werden muss", sagt Zemlin. Traditionelle Softwareentwickler könnten bei der schieren Masse, die etwa das IoT mit sich bringt, schlicht nicht mehr Schritt halten.

"Wir müssen diese Software gemeinsam schreiben", sagt er. Als Beispiel führt er Linux an. Jeden Tag werden 10'800 Codezeilen hinzugefügt, 5300 entfernt und 1875 modifiziert. So könne sich die Software rasch an sich verändernde Bedingungen oder Kundenwünsche anpassen.

Die Zukunft ist offen

Open Source sei aber nicht das Ende der proprietären Software, ergänzt Zemlin. Stattdessen schlägt er eine Kombination beider Welten vor – so wie es heutzutage schon bei vielen Entwicklern üblich sei. Den Grossteil der Lösung sollte man von quelloffenen Codezeilen übernehmen.

Indem man die Open-Source-Community quasi als externes Entwicklungsteam nutze, könne man mit seinem Produkt die Marktreife schneller erzielen. Das eigene Entwicklerteam sollte sich um das letzte Fünftel kümmern und so Mehrwert und Differenzierungsmerkmale kreieren.

"Die Zukunft ist Open Source", sagt Zemlin und beendet seinen Vortrag.

Viele wissen nicht, was Disruption eigentlich heisst

Der nächste Redner erklimmt die Bühne. Seine Kleider sehen aus, als ob er einem Gemälde von Jackson Pollock entstiegen ist. Die blauen und schwarzen Haare stehen ab wie eine Löwenmähne. David Shing, AOLs Digital Prophet.

"Was ist das am meisten abgenutzte Wort des letzten Jahres?", fragt der Marketing-Guru das Publikum. Er selbst weiss die Antwort schon: Disruption. Das Wort werde inflationär verwendet – oft ohne dass der Sinn dahinter verstanden werde. Unternehmer würden heute schon denken, sie seien disruptiv, wenn sie auf Technologie setzen. Sie vergessen dabei laut Shing, dass Disruption schon beim Geschäftsmodell ansetzen muss.

Der direkte Draht zum Lieblingsspieler

Seine Rede geht im Schnellfeuertempo weiter. Innerhalb weniger Minuten streift er Themen wie Virtual Reality, Internet of Things und wie daraus das Internet of Everything und daraus wiederum das Internet of Emotion wurde.

Heute sei alles "smart and beautiful", sagt Shing. Smarte Schnuller, sprachbasierte Übersetzer direkt im Ohr, Elektroschocker in der Handyhülle. Und ein T-Shirt, das direkt mit einem Rugby-Spieler verbunden ist. Der Kunde soll jeden Herzschlag und jeden Tackle seines Lieblingsspielers miterleben können.

Alle diese Geräte sammeln Daten. Marketingverantwortliche sollten sich darauf einstellen. Die Zeiten, in denen man eine Kampagne planen, lancieren und abwarten konnte, seien vorbei. Mit den Daten könnten Marketingabteilungen ihre Kampagnen massschneidern und auch nach der Lancierung noch anpassen. Etwa auf die aktuellen Aktivitäten des Zielpublikums.

Der zweite Tag endet mit einem Besuch der Vatikanischen Museen und der Sixtinischen Kapelle sowie einem Apéro in den Museen.

Neue Plattform für Finanzsektor angekündigt

An der Analytics Experience in Rom hat SAS auch eine neue Lösung für den Finanzsektor vorgestellt: SAS Expected Credit Loss. Hinter dem Namen steckt eine umfassende, modulare Plattform, wie SAS mitteilt. Sie soll Unternehmen bei Vorhersagen, der Buchhaltung und beim Reporting helfen. Die Plattform unterstützt zudem den neuen Buchhaltungsstandard IFRS 9 sowie das amerikanische Pendant CECL.

Der Event dauert noch bis Mittwochabend. Am letzten Tag folgen unter anderen die Referate von Bestseller-Autor Rasmus Ankersen und Tamara Dull, Director Emerging Technologies bei SAS.

Webcode
DPF8_13852

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