Analytics Experience 2017 - Tag 1

SAS schickt die KI aufs Fussballfeld

Uhr | Aktualisiert

SAS hat nach Amsterdam zur Analytics Experience 2017 geladen. Der Softwareentwickler will zeigen, wie Predictive Analytics unsere Arbeits- und Alltagswelt umkrempeln. Big Data soll die humanitäre Hilfe voranbringen und die Fussballstars von Morgen entdecken.

"Predictive Analytics" – wer nicht in der IT- und Geschäftswelt zuhause ist, der runzelt bei der Erwähnung dieses Wortes wohl zuerst die Stirn. Hinter dem Begriff verbergen sich allerdings Entwicklungen, die bereits jetzt unser Alltagsleben beeinflussen. Etwa beim Einkaufen auf Amazon, oder beim guten alten Googeln.

Vom 16. bis 18. Oktober lud der US-amerikanische Softwareentwickler SAS zur Analytics Experience, wo die neuesten Trends in Sachen Predictive Analytics zur Sprache kamen. Natürlich durften dabei die typischen Themen "Internet der Dinge" (IoT) und "Künstliche Intelligenz" (KI) nicht fehlen. An der ersten Keynote ging es aber auch um die konkrete Frage, wie Big Data humanitäre Hilfe voranbringen kann – und wie Echtzeit-Analysen die Fussballwelt der Zukunft revolutionieren könnten.

"Machine Learning? Hokuspokus!"

In der IT-Branche kann man sich derzeit kaum einmal umdrehen, ohne das Stichwort "Künstliche Intelligenz" an den Kopf geschmissen zu bekommen. Jim Goodnight, CEO und Mitgründer von SAS, findet erfrischend direkte Worte zum Hype. "Alle vier Jahre brauchen Unternehmen ein neues Wort, um ihr Produkt an den Mann zu bringen", sagt er beim Presseevent. "In den letzten Jahren war es die Cloud, in den nächsten Jahren wird es die künstliche Intelligenz sein. Dabei reden die Leute auch viel Unsinn über KI."

Das Publikum lauschte gespannt: Die Themen waren breit gefächert und anschaulich. (Source: SAS)

Den Begriff Machine Learning betitelt Goodnight gar als "Hokuspokus". Zum Lernen im strengen Sinn seien Maschinen gar nicht in der Lage. Für KIs bot Goodnight eine simple Definition an: Sie seien Maschinen, die Entscheidungen fällen. Eine Maschine sei dann eine KI, wenn sie sagen könne: "Du bist zwölf Jahre alt? Kein Bier für dich!" Das genüge bereits.

Shipping before Shopping

Die Entzauberung durch den SAS-Chef Goognight täuschte allerdings nicht darüber hinweg, dass die Leute an der Analytics Experience fleissig über KI sprachen. So wollte Ajay Agrawal vom Creative Destruction Lab die Anwesenden davon überzeugen, dass künstliche Intelligenz zu grundsätzlich neuen Geschäftsmodellen führe.

Agrawals Beispiel war das Empfehlungssystem bei Amazon. Zurzeit hätte es bei ihm eine gefühlte Trefferquote von 5 Prozent. "Amazon beschäftigt eine Armee von Leuten, deren einzige Aufgabe es ist, den KI-Regler immer weiter nach oben zu schrauben. Das soll die Empfehlungen verfeinern", sagte Agrawal. "Wenn ich 10 von 20 vorgeschlagenen Artikeln tatsächlich kaufen will, dann wird's interessant." Und wenn die Trefferquote gross genug sei, könne sich das Auslieferungsmodell grundlegend ändern.

Ajay Agrawal, Gründer des Creative Destruction Lab, spricht über die disruptive Kraft der KI. (Source: SAS)

"Weshalb darauf warten, bis der Kunde die Ware kauft? Weshalb die Ware nicht gleich verschicken?", könnte sich Amazon dann fragen. Der Kunde entscheide dann an seiner Haustür, für welche Produkte er wirklich Geld locker machen will. Die ungewünschten Waren würden dann wieder eingesammelt. Ob Amazon dieses Shipping-before-Shopping-Modell jemals in die Tat umsetze, wisse Agrawal nicht. "Aber ein entsprechendes System hat sich der Onlinehändler tatsächlich bereits patentieren lassen."

Laut Agrawal ist die KI-Technologie im vollen Aufschwung. Nicht zufällig fahre Google einen strammen KI-Kurs. "Auch China, Russland und die USA der Obama-Administration räumten der künstlichen Intelligenz eine grosse Bedeutung zu", sagte Agrawal.

Analytics im Dienste humanitärer Hilfe

Die Analytics Experience 2017 hatte royalen Besuch: Prinz Pieter-Christiaan van Oranje-Nassau gab sich die Ehre. Er sprach indes nicht als Vertreter des niederländischen Königshauses, sondern als stellvertretender Vorsitzender des holländischen Roten Kreuzes. Der Prinz stellte ein Projekt namens Smartaid vor.

Prinz Pieter-Christiaan van Oranje-Nassau will Datenspezialisten für das Rote Kreuz begeistern. (Source: SAS)

Das Programm mache die Hilfeleistungen bei Naturkatastrophen rascher und effizienter. Denn es orte diejenigen Gebiete, die am schlimmsten betroffen seien – und in denen Hilfe am dringendsten sei. "Obwohl wir ein eigenes Entwicklerteam beschäftigen, hat Smartaid noch einen langen Weg vor sich", berichtete der Prinz. "Das Projekt ist auf die Unterstützung von Datenenalysten angewiesen."

Auch bei menschengemachten Katastrophen sollen Daten mitunter über Leben und Tod entscheiden. Darauf wies Leonard Doyle von der International Organization for Migration (IOM) hin. Er präsentierte eine einfache App der IOM, die Informationen darüber sammle, wer in einem Krisengebiet was wo brauche. "Das macht die Arbeit der Helfer strukturierter und schneller", sagt Doyle. "Das ist besonders in chaotischen Situationen essentiell."

Leonard Doyle, Sprecher des IOM, erhob das mahnende Notizbuch. (Source: SAS)

Die IOM arbeite seit 10 Jahren mit SAS zusammen, um die humanitäre Hilfe kohärenter zu gestalten. "Bis vor Kurzem hat man Anfragen von Notleidenden lediglich per Papier aufgenommen", erzählt Doyle. Das hab den Prozess gefährlich träge gemacht. Sein Beispiel: "Wenn eine junge Frau in den Wehen liegt, dann muss es schnell gehen."

Auf der Suche nach dem nächsten Shaqiri

Ein holländisches Start-up macht sich auf, die Zukunft des Fussballs umzudenken: Scisports will mithilfe von Analytics in Echtzeit Fussballspiele unter die Lupe nehmen. Wie schnell schiesst der Stürmer aufs Tor? Wie bewegen sich die Spieler auf dem Feld? Solche und weitere Fragen sollen künftig direkt auf dem Fernsehbildschirm beantwortet werden.

Jim Goodnight (CEO von SAS), Giels Brouwer (CEO von Scisports) und Oliver Schabenberger (CTO von SAS) im Gespräch. (Source: SAS)

"Dann hätten die Zuschauer ähnliche Statistiken, wie bei den Videospielen 'Football Manager' und 'Fifa' – einfach mit echten Daten", erklärte Giels Brouwer, CEO von Scisports. Zurzeit nutzten Fussballclubs das Programm, um die Stars von Morgen zu entdecken. "Scisports hat bereits 40 Jungtalente für unterschiedliche Clubs gefunden", sagte Brouwer. Seit zwei Jahren arbeite das Unternehmen mit SAS zusammen – eine Partnerschaft, die Brouwer als sehr fruchtbar bezeichnete.

Brouwer rechnet damit, dass die Echtzeit-Analyse in etwa 4 Jahren ausgereift sei. Die Technologie von Scisports habe das Potential, die Fussball-Branche auf den Kopf zu stellen. Der Einfluss auf die Wettbüros und das Zuschauererlebnis seien nicht absehbar.

Damit endete der erste Keynote-Tag der Analytics Experience. SAS ist es gelungen, das sperrige Wort "Predictive Analytics" mit Leben zu füllen.

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