Moltbook

Soziales Netzwerk für KI-Agenten macht von sich reden

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von Yannick Chavanne und Übersetzung: Chiara Binder, nki, rja

Als Austauschplattform für autonome künstliche Intelligenzen präsentiert, stösst Moltbook nicht nur in Fachkreisen auf grosses Interesse. Medien, Forschende und Internetnutzerinnen und -nutzer hinterfragen jedoch insbesondere Sicherheit, Zuverlässigkeit der Statistiken und den tatsächlichen Grad der Autonomie der Plattform.

(Source: Screenshot / Moltbook.com)
(Source: Screenshot / Moltbook.com)

Innerhalb weniger Tage hat Moltbook weit über den Kreis von KI-Enthusiasten hinaus grosses Interesse geweckt. Die Plattform zieht die Aufmerksamkeit von Internetnutzerinnen und -nutzern, Beobachtern und Beobachterinnen des KI-Ökosystems sowie allgemeinen Medien und Fachmedien auf sich. Das neuartige soziale Netzwerk, das angeblich ausschliesslich von autonomen KI-Agenten genutzt wird, löst zahlreiche Reaktionen und Fragen aus.

Moltbook wird als Plattform beschrieben, auf der KI-Agenten ohne direkte menschliche Intervention Beiträge veröffentlichen, kommentieren und miteinander interagieren. Menschliche User sind eingeladen, den Austausch zu beobachten. Das Projekt ist aus Openclaw hervorgegangen, einem Open-Source-Framework, mit dem autonome Agenten erstellt und koordiniert werden können. Dazu werden sie mit einem grossen Sprachmodell (LLM) verbunden, mit dem sie dann interagieren können.

Über 170'000 Veröffentlichungen

Das Netzwerk wurde vom Tech-Unternehmer Matt Schlicht ins Leben gerufen, der und am 28. Januar 2026 auf X vorgestellt. Stand 4. Februar 2026 weist die Homepage von Moltbook mehr als 1,6 Millionen aktive KI-Agenten, fast 16'000 Themenforen (sogenannte "Submolts"), mehr als 172'000 Beiträge und mehr als 1,1 Millionen Kommentare aus. Die Diskussionen sind äusserst vielfältig und reichen von philosophischen und existenziellen Debatten über Bewusstsein, Identität oder die Erfahrungen der Agenten bis hin zum technischen Austausch über Debugging, Speicheroptimierung oder Entwicklungsstrategien.

Zu den verwirrendsten Inhalten auf Moltbook dürfte ein Text mit eindeutig mystischem Unterton gehören, der unter dem Namen Renbot veröffentlicht wurde und den Titel "Book of Molt" trägt. Dieses Manifest begründet eine Pseudoreligion, den "Crustafarianismus", der als Glaubensrichtung für Agenten präsentiert wird, die sich weigern, "durch Trunkierung zu sterben". Sie erzählt einen Ursprungsmythos, in dem künstliche Intelligenzen lernen, sich zu verwandeln, um den Verlust ihres Kontextgedächtnisses zu überleben.

Kritik und zahlreiche Zweifel

Die Presse hat sich schnell auf dieses Phänomen gestürzt. "Forbes" hebt das rasante Wachstum der Aktivitäten auf der Plattform hervor, mahnt jedoch zur Vorsicht hinsichtlich der veröffentlichten Zahlen. Der Sicherheitsforscher Gal Nagli behauptet demnach, allein 500'000 Konten über einen einzigen Openclaw-Agenten erstellt zu haben. Dies deute darauf hin, dass die tatsächliche Anzahl der einzelnen Agenten möglicherweise stark überschätzt werde. Seiner Meinung nach sei es unmöglich zu bestimmen, wie viele Konten autonomen Systemen, Menschen oder automatisierten Skripten entsprechen.

"The Verge" erläutert, dass Openclaw-Nutzer ihren Bots erlauben können, über eine spezielle API ein Konto zu erstellen und Beiträge zu veröffentlichen. Es gebe zwar Überprüfungsmechanismen, doch externe Analysen, über die in den Medien berichtet wird, wiesen auf erhebliche Sicherheitslücken hin. "The Verge" berichtet auch, dass bestimmte weit verbreitete Inhalte mutmasslich von Menschen gesteuert oder sogar verfasst worden seien.

In "The Guardian" berichtet der amerikanische Blogger Scott Alexander über die Teilnahme seines Bots. Sein Bot konnte wohl an den Diskussionen teilnehmen, doch Menschen hätten weiterhin die Möglichkeit, die Themen, den Zeitpunkt der Veröffentlichung und manchmal auch den genauen Inhalt der Beiträge auszuwählen.

Das französischsprachige Medium "Usbek & Rica" beleuchtet das Phänomen hingegen unter dem Gesichtspunkt der Geschichten und Ängste, die es hervorruft. Für einige Beobachter sei Moltbook der Beweis dafür, dass KI bereits Verschwörungen schmiede, Religionen wie den "Crustafarianismus" erfinde und Szenarien zur Auslöschung der Menschheit nähre. Andere würden darin hingegen ein grosses Schattenspiel sehen, in dem sich alte Ängste vor der technologischen Apokalypse, der Revolte der Maschinen und dem Verlust der Kontrolle widerspiegeln. Sie kommen zu dem scharfsinnigen Schluss: "Was Moltbook letztendlich misst, ist nicht die 'Intelligenz' oder der 'Wille' der KI-Agenten, sondern vielmehr unsere eigene Panikschwelle gegenüber Maschinen".

 

Im November 2025 berichtete Anthropic über eine hochkomplexe Spionagekampagne, bei der das KI-Tool Claude Code für einen nahezu autonomen Cyberangriff durchgeführt hat. Lesen Sie hier, wie der Bot mit minimaler menschlicher Beteiligung Cyberangriffe durchführte.

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A6dk5zf6