Bosch Connected World

Panalpina arbeitet mit Bosch an Logistik 4.0

Uhr | Aktualisiert

In Berlin ist die IoT-Konferenz von Bosch zu Ende gegangen. Panalpina zeigte, wie die Logistik der Zukunft aussehen könnte. Zum Schluss sprach Eugene Kaspersky über seine Vision eines sicheren IoT.

Stefan Karlen, CEO und President von Panalpina (Source: Netzmedien)
Stefan Karlen, CEO und President von Panalpina (Source: Netzmedien)

Am zweiten und letzten Tag der Bosch Connected World in Berlin ging es zunächst um das Thema Industrie 4.0. Stefan Hartung, Member of the Board bei Bosch, bezeichnete Sensoren als Grundvoraussetzung für eine smarte Fabrik. Diese alleine bringen aber noch keine Intelligenz, so Hartung. Erst mit einer Vernetzung und der Anbindung an eine Cloud für die Analyse werden smarte Daten daraus - soweit nichts neues.

Stefan Hartung, Member of the Board of Bosch. (Source: Bosch)

Hartung betonte weiter, dass es Partner brauche, um die Herausforderungen durch die Komplexität zu meistern. Dies erfordere ein Umdenken, gerade bei alten und gesetzten Unternehmen. In der neuen Welt der Industrie 4.0 könne niemand mehr alles von Anfang an entwickeln. "Sie brauchen Partner", sagte Hartung.

Diese Partnerschaften sollten nicht nur einfach in den gewohnten Bereichen bleiben. In diesem Zusammenhang kündigte Bosch eine neue Zusammenarbeit mit dem Rückversicherer Munich Re an. Diese mache für die Firmen Sinn. Denn Bosch könne aus den Daten, etwa aus einer Fabrik, Vorhersagen machen. Diese Vorhersagen wiederum versprechen Versicherungen einen grossen Mehrwert. Dies ist der Grund, warum sich die auf den ersten Blick fremden Firmen zusammengetan haben, sagte Hartung. "Think out of the Box", forderte Hartung die Anwesenden zu ähnlichen Partnerschaften auf.

Schon eine lange Partnerschaft verbindet Bosch mit dem Schweizer Logistikunternehmen Panalpina. Folglich kam auch der CEO von Panalpina, Stefan Karlen, zur Keynote nach Berlin. Bei der Logistik der Zukunft, von Hartung "Logistik 4.0" getauft, sieht er noch viel Potenzial für Optimierung. Viel Geld und Zeit könne hier noch durch die Digitalisierung und IoT eingespart werden, betonte Karlen. Wie sich Bosch und Panalpina die Zukunft vorstellen, zeigte er im Anschluss.

Panalpina zeigt, wie Logistik 4.0 aussehen könnte

"Supply-Chain ist mehr als nur ein Produkt zu bewegen; es geht darum, Menschen und Güter miteinander zu verbinden", brachte Karlen seine Sichtweise auf den Punkt. Als er 1991 in der Logistik begann, da waren noch Telefon und Fax die Kommunikationsmittel der Wahl. Heute wollen die Kunden hingegen alles in Real-Time über ihre Waren wissen, vom genauen Standort bis hin zur Temperatur. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, arbeite Panalpina eng mit Bosch zusammen.

Karlens Vision ist es, dass Waren in Zukunft ihre eigenen Entscheidungen treffen, ähnlich wie ein Mensch, der bei einem annullierten Flug neue Wege zum Ziel sucht. Ein weiteres Beispiel wäre, wenn ein Sensor in einem Flugzeugcontainer den Piloten informiert, dass es zu warm wird, damit er die Temperatur im Frachtraum anpasst.

Mit Bosch erprobt Panalpina gerade Sensoren an Frachtpaketen. Über diese Geräte lasse sich die Fracht in Echtzeit nachverfolgen. Wenn sich ein LKW etwa verspätet, werde die Zentrale automatisch informiert, damit der Lieferweg angepasst wird. Dies könne etwa die Umbuchung auf einen anderen Flug sein.

Gleichzeitig sind die Pakete mit einem E-Ink-Display ausgestattet. Der QR-Code auf diesem und die dazugehörigen Informationen lassen sich auch aus der Ferne anpassen. Damit seien Veränderungen auch von unterwegs mit wenigen Mausklicks möglich, wie Karlen demonstrierte.

Oben rechts: Das E-Ink-Display von Panalpina. (Source: Netzmedien)

Karlens Vision ist die einer autonom agierenden Fracht. In Zukunft könnten die bei den Transporten gewonnenen Daten auch dazu genutzt werden, Aussagen für die Zukunft zu machen, um etwa Probleme vorherzusehen. Panalpina brauche solche Verbesserungen, um den Bedürfnissen der Kunden nach schnelleren Lieferungen gerecht werden zu können. Die Lieferzeiten stünden stark unter Druck. Mit Technologien wie Blockchain, IoT und KI werde sich in Zukunft die Logistik revolutionieren, kündigte Karlen an. Gleichzeitig liess er keinen Zweifel daran, dass Panalpina dabei ganz vorne mitspielen will.

Kaspersky warnt vor der Sicherheit im IoT

Der Stargast des zweiten Veranstaltungstages war ohne Zweifel Jewgeni/Eugene Kaspersky, der Gründer und CEO von Kaspersky Labs. "Wir müssen uns um die Sicherheit im IoT kümmern, bevor es wirklich schlimm wird", sagte er gleich zu Beginn seines feurigen Vortrags.

Vor allem die Zahl der hochprofessionalisierten Angriffe sei in den letzten Jahren stark gestiegen. Mit rund 100 gibt Kaspersky dies an. Von diesen seien mindestens 15 Prozent kriminell, hinter den anderen vermutete er Geheimdienste verschiedener Länder. Vor allem Russland, die USA, China und Israel seien verantwortlich.

Eugene Kaspersky, der Gründer und CEO von Kaspersky Labs. (Source: Netzmedien)

In der Szene gebe es viele Russen. Russische Software-Ingenieure sind die Besten, gleichzeitig sind russische Cyberkriminelle die Schlimmsten, wie Kaspersky es formulierte. Beide Gruppen kommen von den gleichen Unis in Russland und sie sind inzwischen zu einem Exportschlager geworden. Die Globalisierung hat auch das Feld der Cyberkriminalität erfasst.

IoT-Sicherheit ist ein Muss

Der Bereich IoT wachse stark. Für Kriminelle werde er daher immer attraktiver, wie Kaspersky hervorhob. Es gebe immer mehr Malware für IoT-Anwendungen und wenn nicht bald etwas unternommen werde, werde das Problem immer grösser.

Vor allem industrielle Steuerungsanlagen, sogenannte "Supervisory Control and Data Acquisition" (SCADA), seien ein lohnendes Ziel. Erste massive Attacken gab es schon. Ein prominentes Beispiel ist Stuxnet, welches das iranische Atomprogramm angriff. Andere Angriffe auf Raffinerien, Stromanbieter oder Spitäler fanden in den letzten Jahren statt. Die Zahl der Angriffe auf solche Infrastrukturen steigt laut Kaspersky stetig.

IoT-Geräte müssen immunisiert werden

Als Lösung für die zunehmende Sicherheitsproblematik bei IoT forderte Kaspersky einen Paradigmenwechsel. Der Schutz müsse von Grund auf sichergestellt sein, ähnlich dem Prinzip "Security by Design". Kaspersky nannte dies Sicherheit durch Immunisierung. Es darf keine externe Applikation brauchen, die für Sicherheit sorgt, sondern die Sicherheit müsse sozusagen in der DNS des Systems eingebaut werden. Berechtigungen auf Zugriffe müssten daher so restriktiv wie möglich sein.

Angriffe müssten so teuer sein, dass der potenzielle Schaden oder Profit diese nicht rechtfertigen kann. Hacks müssten daher durch die Immunisierung möglichst kostspielig werden. Die Entwicklung von Applikationen werde dadurch zwar teurer, aber das Mehr an Sicherheit sei dies wert, zeigte sich Kaspersky überzeugt.

Für Kaspersky ist jetzt die Zeit, sich um die Sicherheit zu kümmern. Noch seien IoT-Geräte vergleichsweise einfach. Entsprechend einfach wäre es Sicherheit durch Immunisierung einzubauen. Je komplexer die Systeme werden, desto schwieriger wird es Sicherheit nachzurüsten. "Bitte warten Sie nicht", appellierte Kaspersky an das Publikum.

Zum Abschluss forderte Kaspersky, dass es mehr Sicherheitsexperten brauche. Es gibt viel Arbeit zu tun und die Länder müssten investieren. Auch der Austausch zwischen den Partnern bei der Sicherheit müsse ausgebaut werden. Nur mit ausreichend Sicherheits-Ingenieuren könne sichergestellt werden, dass man in der Zukunft noch ruhig schlafen könne. Dies sagte er in Anbetracht dessen, dass Menschen ihr Leben bald in die Hände von selbstfahrenden Autos oder Zügen legen. Diese müssten so sicher wie möglich sein.

Zur Bosch Connected World kamen mehr als 4000 Gäste aus der ganzen Welt. Zudem sprachen mehr als 100 Redner über die unterschiedlichsten Aspekte von IoT. Im nächsten Jahr wird es wieder eine Bosch Connected World geben. Der Termin werde der 15. bis 16. Mai 2019 sein, kündigte Bosch an.

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