Zukunft der Digital Signage

Wo die Science-Fiction-Technologie bleibt

Uhr | Aktualisiert

In Science-Fiction-Filmen lässt sich die Zukunft von Digital Signage schon erahnen – überdimensionale, von künstlicher Intelligenz gesteuerte Hologramme reagieren auf und plaudern mit Konsumenten. Die Basis solcher Technologien ist bereits vorhanden. Und die Branchentrends ­gehen in diese Richtung, auch wenn sie noch nicht auf den Strassen zu sehen sind.

(Source: Ramon Kagie / Unsplash)
(Source: Ramon Kagie / Unsplash)

Die technologischen Trends der letzten Jahre haben uns 2019 Zustände wie in einem Science-Fiction-Film erwarten lassen. Die Gegenwart ist aber ernüchternd. In der Gepäckausgabe 2 des Flughafens Zürich wurden zwar kürzlich 22 NEC-Bildschirme aufgestellt. Klar, digitale Werbetafeln halten vermehrt Einzug, doch mehr als die immer gleichen Grossbildschirme sind im Digital-Signage-Bereich momentan nicht in Sicht.

Eine Enttäuschung für all diejenigen, die schon überdimensionale, interaktive Displays wie im Film "Blade Runner 2049" erwartet hatten. Ausgefallene dynamische Projektionen, Augmented-Reality-Lösungen, clevere Werbedrohnen oder interaktive Touchscreens? Fehlanzeige. Umso erstaunlicher ist das in Anbetracht der ISE 2019, die zeigt, dass sich das Anwendungsfeld von Digital Signage immer mehr ausweitet.

Die für 2018 angekündigten Trends sind auch dieses Jahr wieder im Trend. Ende 2018 stellte LG den Prototyp eines fast vollkommen durchsichtigen Fernsehbildschirms auf Basis von OLED-Technologie vor, sowie Displays, die so dünn und flexibel sind, dass sie sich wie ein herkömmliches Papierposter zusammenrollen lassen. Wenn solche Geräte dann irgendwann auch noch wetterfest sind, könnten sie künftig Schaufenster und Bildschirm gleichermassen sein. Zudem könnten sich Displays dann über unebenen Flächen ausbreiten lassen. Auch dieses Jahr sagen uns Spezialisten aus der Branche innovative und bemerkenswerte Technologien für 2019 voraus.

Laut Florian Rotberg, Gründer und Inhaber von Invidis Consulting, wird OLED im Digital Signage noch keinen Marktdurchbruch erleben. "Die hauchdünnen Displays von LG werden die Rolle eines aussergewöhnlich schönen und 'sexy' Showstoppers behalten, aber der Umsatz damit dürfte sehr begrenzt bleiben", schreibt Rotberg in "The Year Ahead Issue". Während LGs Konkurrenten betonen, dass OLED noch nicht für den kommerziellen Einsatz bereit sei, glaubt Rotberg jedoch, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis LG die Technologie für einen anspruchsvollen Betrieb rund um die Uhr verbessert habe.

Neue Fähigkeiten sind gefragt

LED werde zur Disruption in der Wertschöpfungskette und im Business der Systemintegratoren führen. "Die LED-Installation erfordert eine ganze Reihe neuer Fähigkeiten, die derzeit von Digital-Signage-Integratoren nicht angeboten werden", sagt Rotberg. Im Vergleich zu Displays oder Projektoren seien LED-Cabinets Komponenten, die vor Ort in andere AV-Techniken integriert werden müssten und damit zusätzliche Arbeiten erforderten. Samsung sei in dieser Sparte der Konkurrenz mit entsprechenden Lösungen voraus: Magicinfo (ein CMS), SoC (macht den externen Media Player überflüssig) und SDS (eine schlüsselfertige LED-Lösung). Letztlich werde Samsung in der Lage sein, LED-Signage direkt "aus der Box" inklusive Wartung und Service anzubieten.

Dass das LED-Videowall-Geschäft ein Komponentengeschäft bleibt, glaubt Rotberg nicht. Es werde eher zum Lösungsgeschäft. "Im Zuge des technologischen Fortschritts von SMD-basierten Lösungen hin zu Micro-LED und COB werden immer mehr LED-Anbieter eine fertige Out-of-the-Box-Lösung anbieten", sagt Rotberg. Fertige Lösungen hätten den Vorteil, dass die Cabinets werkseitig auf Qualität geprüft und eingestellt sowie mit standardisierten Wandhalterungen ausgeliefert werden können.

Mehr als Displays

"Digital Signage wird sich auch in diesem Jahr weiter von einer reinen Werbe- und Informationsanzeige hin zu einem intelligenten Marketingsystem entwickeln", sagt Thomas Walter, Section Manager Strategic Product Marketing von NEC. Künstliche Intelligenz (KI), Real-Time-Analysen und zielgruppenspezifische Kundenansprachen gehörten zu den kommenden Innovationen und eröffneten für die Kampagnenplanung und -ausführung neue Möglichkeiten. NEC habe mit einer Analytics-Learning-Plattform in den USA bereits ein entsprechendes Angebot geschaffen, das über personalisierte Anzeigen und mithilfe von KI auf Inputs reagiere.

Auch Rotberg ist überzeugt, dass KI die Digital-Signage-Industrie verändern wird. Sprachassistenz und intelligente Tools werden hier Einzug halten. Die grösste Herausforderung bei KI-Anwendungen für Verbraucher sei die Angst vor der Kommunikation mit KI-Installationen im öffentlichen Raum. "Die Verbraucher werden sich schnell daran gewöhnen, die Sprachsteuerung auch an öffentlichen Touchpoints zu nutzen", ist Rotberg überzeugt.

Digital-Signage-Anwendungen würden heute spezifischer mit Blick auf Einsatzort und Zielsetzung geplant. Laut Walter ergeben sich daraus komplexe Anforderungen, wie hohe Helligkeitswerte, ein spezielles Spiegel- oder Schutzglas, Bildschirmformate wie 16:4, Outdoor-Tauglichkeit oder flexible Oberflächen. Zudem werde sich der Einsatz von 4k-UHD als Trend der vergangenen Jahre weiter fortsetzen. Dieses Format etabliere sich als Standard im Signage-Umfeld, weil die Lesbarkeit bei kurzen Betrachtungsabständen besser sei.

Nochmehr Display

Nicht nur bei der Aussenwerbung, sondern auch im Innenbereich von Büros dürfte Digital Signage breitere Nutzung finden. "Videowalls werden in Sitzungszimmern wichtiger", sagt Heinz Meli, Geschäftsführer von Mobilepro. Die Ansteuerung von Digital-Signage-Programmen werde auch immer benutzerfreundlicher und dadurch auch zugänglicher für Neueinsteiger wie auch für Profis. "Die Pflege und die Anpassung ist aber oft sehr zeitraubend, sodass hier mittels Sensorik und künstlicher Intelligenz bereits heute viel automatisiert werden kann", so Meli.

Bei Projektoren setze sich der Trend zu Laserlicht fort, sagt Walter. Durch den Einsatz dieser Lichtquelle hätten sich die Einsatzmöglichkeiten von Projektoren drastisch verbessert. Schliesslich würden moderne Laserprojektoren rund um die Uhr eine hohe Helligkeit zu niedrigen Kosten bieten. Die Nachfrage nach diesen Geräten werde weiter steigen, unter anderem bei kreativen und aussergewöhnlichen Anwendungsfällen.

"Extended Reality wird künftig zu einem integralen Bestandteil von Digital-Signage-Inhalten werden", fügt Walter an. Allerdings könne und müsse Digital Signage noch relevanter für die Zielgruppe werden, um wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Konkret bedeute dies, dass Inhalte für den Nutzer Vorteile bringen müssen. Interaktivität soll dabei eine Schlüsselrolle spielen. Sie lasse sich beispielsweise über die Interaktion mit Touch-Oberflächen oder über die Integration von Sensoren erzielen. "Dadurch können Unternehmen sehr gut kontextbasierte Inhalte präsentieren, etwa, wenn über Barcode-Scanner oder Berührungssensoren bestimmte Aktionen ausgelöst werden", sagt Walter. Dazu gehören auch Kameras, die den Besucherstrom anonym messen, Profile erstellen und Inhalte anpassen. Diese Technologie ist nicht nur denkbar – sie wird schon angewandt. Etwa in Microsofts Pop-up-House in Zürich: In der Eingangshalle beim Empfang ist ein Monitor mit Kamera aufgestellt, eine Lösung aus dem Hause Monostream, einem Schweizer Softwareentwickler. Besucher, die daran vorbeigehen, werden vom mit Azure betriebenen Gerät gescannt. Die Lösung schätzt dann das Alter der Person und stellt dynamisch Emojis auf Basis ihres Gesichtsausdrucks dar.

Die ausgefallenen Technologietrends für Digital Signage sind also nicht bloss Zukunftsmusik. Auf der Strasse haben sich diese Innovationen zwar noch nicht gross gezeigt, doch das könnte sich bald ändern. Die Branche ist schon auf dem Weg dahin.

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DPF8_124934

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