Handelsstreit mit den USA

Huawei verliert Lizenz für Handy-Prozessoren

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von oli / Watson

US-Firmen wie Google, Microsoft und Intel haben die Zusammenarbeit mit Huawei bereits pausiert. Nun folgt der nächste Tiefschlag.

(Source: kelly marken / Fotolia.com)
(Source: kelly marken / Fotolia.com)

Update vom 23.05.2019:

Ein Sprecher von ARM hat gegenüber "The Verge" Stellung genommen und bestätigt, dass das Unternehmen die US-Restriktionen gegen Huawei mittragen muss:

"ARM hält sich an die neuesten Beschränkungen der US-Regierung und führt laufende Gespräche mit den zuständigen US-Regierungsbehörden, um sicherzustellen, dass wir die Vorschriften einhalten. Es sei nicht klar, ob ARM nur verhalten auf die Anordnung des US-Handelsministeriums reagiere, oder ob dem Unternehmen geraten wurde, die Geschäfte mit Huawei direkt einzustellen, schreibt The Verge.

Originalmeldung vom 22.05.2019

Die Schlinge um Huawei zieht sich zu. Der britisch-japanische Chip-Designer ARM soll seine Mitarbeiter angewiesen haben, "alle aktiven und alle anstehenden Aufträge" mit Huawei und seinen Tochterfirmen zu pausieren. Dies berichtet "BBC". Für Huaweis Smartphone-Sparte wäre dies quasi der Todesstoss – sofern die USA ihre Blockade aufrechterhalten.

ARM entwickelt das Chip-Design, auf dem fast alle Mobile-Prozessoren von Huawei, Apple, Samsung, Qualcomm und weiteren basieren. "ARM liefert mit seinen Cortex-Architekturen und diversen anderen Komponenten die Grundlagen für die Entwicklung von Prozessoren für Smartphones und andere mobile Geräte von Herstellern in aller Welt", schreibt das deutsche Techportal "Winfuture".

ARM stellt also Prozessoren nicht selbst her, sondern lizenziert seine Halbleitertechnologien an Huawei, Samsung, Apple und Co. Ein Ende der Zusammenarbeit wäre für Huawei fatal.

In einem internen Schreiben habe ARM seinen Angestellten untersagt, weiter Kontakt zu Huawei zu pflegen. Bewahrheitet sich der "BBC"-Bericht, würde Huaweis Tochterfirma HiSilicon von den essenziellen Chip-Designs von ARM abgeschnitten.

Huawei darf offenbar seine aktuellen Prozessoren, die auf ARMs Know-how basieren, weiter nutzen und in seinen Smartphones und Tablets verbauen. Auch der im weiteren Jahresverlauf erwartete Top-Prozessor Kirin 985 soll "nicht von der US-Blockade betroffen" sein. Künftige Prozessor-Generationen müssten aber von Grund auf neu entwickelt werden. Dies dürfte Jahre dauern und Huawei weit zurückwerfen.

Auch die Google-Holding Alphabet hat die Zusammenarbeit mit Huawei teilweise abgebrochen. Das Unternehmen erhielt nun von der US-Regierung allerdings eine Schonfrist von 90 Tagen. Lesen Sie hier mehr dazu.

"Unglückliche Situation"

ARM begründet das Ende der Zusammenarbeit damit, dass die Chip-Designs des Unternehmens Technologien enthalten, die aus den USA stammen. Das US-Hauptquartier befindet sich in San Jose, im kalifornischen Silicon Valley. Geforscht und entwickelt wird laut "BBC" auch in Austin, Texas. Kommt hinzu: Rechtlich befindet sich der Sitz von ARM in den USA.

Im internen Schreiben an die Angestellten, das der "BBC" vorliegen soll, ist von einer "unglückliche Situation" die Rede. ARM selbst verliert mit Huawei einen Grosskunden. Offiziell haben sich bislang weder ARM noch Huawei zum Bericht der "BBC" geäussert. ARM wurde 1990 in Cambridge, England, gegründet. 2016 wurde die Firma vom japanischen Telekommunikations- und Medienkonzern Softbank übernommen.

Am Business Day in Zürich kam Huawei nicht darum herum, sich zu den aktuellen Entwicklungen zu äussern. Kevin Liu Kai, General Manager Enterprise von Huawei Schweiz, sprach vom Notfallplan des Unternehmens. Ausserdem stellte Huawei sein Angebot für Business-Kunden vor. Lesen Sie den gesamten Event-Bericht hier.

Huaweis Consumer-Chef äussert sich erstmals

Richard Yu, Chef von Huaweis Consumer Business Group, hat sich am Dienstag erstmals in einem per WeChat geführten Interview mit dem US-Medium "The Information" geäussert: Yu bestätigt, dass die US-Sanktionen Huawei "eine sehr harte Zeit" bescheren würden, zumal "die US-Regierung uns nicht erlaubt, Microsoft Windows, Google Android und Intel-Produkte zu verwenden."

Durch das von den USA verhängte Verbot für US-Firmen, mit Huawei Geschäfte zu tätigen, werde man faktisch dazu gezwungen, ein eigenes Betriebssystem und Ökosystem entwickeln zu müssen. Huawei plant also eine Alternative zu Android und Windows. Dass dies bitter nötig werden könnte, zeigt der Fakt, dass Microsoft Huaweis Windows-Laptops bereits aus dem Microsoft Store genommen hat.

Es sei für ihn kaum zu glauben, dass die US-Regierung für Huawei den Zugang zu Android einschränke, sagte Yu weiter. Es handle sich schliesslich um ein Produkt für Konsumenten, das in keiner Weise in Zusammenhang mit Problemen bei der Sicherheit von Telekommunikationsnetzen stehe. Es sei für ihn eine "grosse Überraschung" gewesen, dass die Amerikaner diesen Weg eingeschlagen hätten.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Watson.ch

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