Kontrahenten im digitalen Rüstungswettlauf

Der US-Wahlkampf wird im Serverraum und auf Facebook entschieden

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Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA ist in vollem Gange. Republikanern und Demokraten ist dabei jedes digitale Hilfsmittel recht. Im Zentrum des Rennens um das Weisse Haus: Facebook & Co.

Donald Trump auf Wahlkampftour im Oktober in Dallas, Texas. (Source: Wikimedia Commons/The White House)
Donald Trump auf Wahlkampftour im Oktober in Dallas, Texas. (Source: Wikimedia Commons/The White House)

2020 will US-Präsident Donald Trump wiedergewählt werden - und die Demokraten wollen das um jeden Preis verhindern. Dabei setzt die Partei so stark auf digitale Technik wie nie zuvor. Wie sie dabei vorgeht, verriet der ehemalige IT-Berater der Demokraten, Raffi Krikorian, in einem Interview mit Radio SRF.

Die Demokraten hätten bei seinem Antritt 2016 in puncto Digitalisierung viel Nachholbedarf gehabt, sagt Krikorian. Das Tech-Team sei von zwölf auf 50 Leute vegrössert worden. Ausserdem habe er ein Data-Warehouse mit Wählerinformationen mit aufgebaut. Er sagt dazu:

"Wir können jetzt Daten-gesteuerte Kampagnen machen und von Minute zu Minute entscheiden, ob wir etwas anpassen müssen. Und wir können grenzenlose Datenmengen ins System speisen und riesige Analysen von verrückten Daten-Sätzen machen."

Wahlkampf auf allen Kanälen, mit allen Mitteln

Sowohl Republikaner wie Demokraten setzen für 2020 auf Social Media. Aber auch Fernsehen und Werbung per Post seien nach wie vor wichtig, sagt Krikorian. Wer gewinnen wolle, müsse am Ende die Lufthoheit für den Familientischen erobern. Trotzdem ist er sich sicher: "Die Wahlen 2020 werden in die Geschichtsbücher eingehen. Die Technologie wird die Politik und die Wahlen tief beeinflussen."

Wo soziale Medien und Google im Spiel sind, da ist das Thema Fake News nicht weit. Krikorian geht davon aus, dass schmutzige Propaganda, gehackte Konten und der Einsatz künstlicher Intelligenz den Wahlkampf begleiten werden. Die Demokraten müssten deshalb auch bei der Cybersicherheit Fortschritte machen.

Auf der anderen Seite kommen die digitalen Plattformen ins politische Kreuzfeuer, wie "Watson" berichtet. Nachdem Trump ein Verschwörungsvideo über seinen Konkurrenten Joe Biden verbreitete, forderte das Wahlkampfteam der Demokraten Facebook und Twitter dazu auf, solche Agitation in Zukunft zu unterbinden.

Twitter reagierte daraufhin. CEO Jack Dorsey kündete am Mittwoch an, die Plattform werde keine politische Werbung mehr akzeptieren. In einem Tweet heisst es: "Wir haben die Entscheidung getroffen, die gesamte politische Werbung auf Twitter weltweit einzustellen."

Keine neue Regeln bei Facebook

Facebook dagegen wolle an seiner bisherigen Policy nichts ändern. Man werde Werbung von Politikern nicht auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen, habe die Firma verlauten lassen. "Wer zahlt, darf weiterhin Lügen verbreiten", schreibt Watson dazu. Das Vorpreschen von Twitter setze das Soziale Netzwerk allerdings unter Druck, im US-Wahlkampf genauer hinzuschauen.

Offener Wahlkampf ist das eine, die verdeckte Beeinflussung von Wahlverhalten auf Social Media das andere. Im Frühling 2018 kam Facebook im Zuge des Datenskandals um die britische Analysefirma Cambridge Analytica in die Schlagzeilen. Das Unternehmen hatte über 50 Millionen Datensätze von Facebook-Usern benutzt, um damit republikanische Kandidaten im US-Wahlkampf zu unterstützen. Aufgrund von Daten, die etwa auf Facebook-Likes basierten, wusste Cambridge Analytica, welche Argumente die Wähler von einer Sache überzeugen konnten.

Facebook sah sich in der Affäre um Cambridge Analytica selbst als Opfer. CEO Mark Zuckerberg versprach daraufhin einen "grundsätzlichen Wandel". Das soziale Netzwerk, von Skandalen, Vorfällen und Vorwürfen durchgeschüttelt, wolle sich mit einem Fokus auf den Datenschutz neu erfinden, sagte er auf der Entwicklerkonferenz F8 im vergangenen Mai. Im August kündigte Facebook ausserdem an, stärker gegen Fake News vorzugehen.

Wählermanipulation durch soziale Medien war in diesem Jahr auch in der Schweiz ein Thema. Lesen Sie hier mehr dazu.

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