Vorbei mit Homeoffice

Zoom holt seine Angestellten ins Büro zurück

Uhr
von Oliver Wietlisbach, watson.ch

Zoom hat Millionen Menschen geholfen, von zu Hause aus zu arbeiten. Doch nun beordert der Videokonferenz-Anbieter seine Angestellten zurück ins Büro. Die Begründung scheint der eigenen Werbeaussage zu widersprechen.

Ausgerechnet Zoom glaubt, dass seine Teams effizienter sind, wenn sie im Büro arbeiten. (Source: Chris Montgomery / Unsplash.com)
Ausgerechnet Zoom glaubt, dass seine Teams effizienter sind, wenn sie im Büro arbeiten. (Source: Chris Montgomery / Unsplash.com)

Es klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber die nüchterne Realität: Spätestens ab September sollen die allermeisten Zoom-Angestellten wieder ins Büro kommen. Dies berichtete die "New York Times" am Montag.

Von einem Anbieter von Videokonferenz-Software würde man als Letztes erwarten, dass er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurück im Büro sehen will. Aber Zoom hat tatsächlich angekündigt, dass jeder Angestellte, der im Umkreis von 50 Meilen (ca. 80 Kilometer) eines Zoom-Standorts wohnt, wieder mindestens zwei Tage pro Woche im Büro arbeiten muss. Das dürfte die überwiegende Mehrheit der 7400 Menschen betreffen, die bei Zoom auf der Gehaltsliste stehen.

Ein Unternehmenssprecher sagte, man glaube, dass "ein strukturierter hybrider Ansatz" für Zoom "am effektivsten ist", weil er den Angestellten ermögliche, "mit ihren Teams zu interagieren".

Das ist nicht falsch. Der Videokonferenz-Anbieter widerspricht damit aber teils seiner eigenen Werbeaussage, die verspricht, dass Zoom "Zusammenarbeit wie im Büro direkt von zu Hause aus" ermögliche.

Auf der Webseite beschreibt sich Zoom als "zentrale Verbindungsplattform für Innovationen und Kreativität", die Teams zusammenbringe und helfe, Arbeit neu zu denken.

Selbst scheint man davon nicht mehr zu 100 Prozent überzeugt zu sein.

85 Prozent der Homeoffice-Mitarbeiter wollten im Homeoffice bleiben

Anfang 2022 holte Zoom weniger als zwei Prozent der Belegschaft vollständig ins Büro zurück, alle anderen konnten ganz oder teilweise im Homeoffice bleiben.

"Die Arbeitnehmer wollen wirklich die Wahl haben, und sie entscheiden sich dafür, weiterhin zu Hause zu arbeiten", sagte Zooms Finanzchefin Kelly Steckelberg damals gegenüber dem Online-Portal marketwatch.com. Sie zitierte eine interne Umfrage, gemäss der etwa 85 Prozent der Homeoffice-Angestellten zu Hause bleiben wollten. Nur ein Prozent der Angestellten wollte demnach vollständig zurück ins Büro, mehr als die Hälfte zeigte sich gegenüber einer teilweisen Rückkehr offen.

Vor eineinhalb Jahren sagte Steckelberg, grosse Mitarbeiterversammlungen würden nur noch wenige Male im Jahr zu besonderen Anlässen stattfinden. Das ist nun Makulatur.

Die Zurück-ins-Büro-Order kam laut NYT naturgemäss nicht bei allen Angestellten gut an. Das Pendeln sei Zeitverschwendung, meinten einige frustrierte Mitarbeiter, die sich während einer Firmensitzung direkt bei Zoom-Chef Eric Yuan beschwert hätten.

Rückkehr wegen Fokus auf KI?

Yuan sagte jüngst, dass der Aufbau von KI-Fähigkeiten für Zoom Priorität habe. Es ist denkbar, dass der Fokus auf Künstliche Intelligenz mit ein Grund ist, warum der Firmenchef seine Angestellten wieder mehr im Büro haben will. Bekanntlich integrieren Microsoft und Google KI-Anwendungen mit Hochdruck in ihre Videokonferenz-Produkte; Zoom steht unter Druck, um nicht abgehängt zu werden.

Mit der teilweisen Rückkehr ins Büro ist Zoom in guter Gesellschaft. Auch Apple, Amazon, Google, Meta und viele mehr holten ihre Belegschaft bereits zuvor vermehrt ins Büro zurück, während sie gleichzeitig Zehntausende Stellen strichen.

Entschieden gegen Homeoffice hat sich schon früher Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk ausgesprochen. Wer nicht mindestens 40 Stunden pro Woche ins Büro komme, könne auch gleich kündigen, gab Musk vor einem Jahr den Tarif durch.

Dieser Beitrag ist zuerst auf watson.ch erschienen

Webcode
RGxoKPDW