Satya Nadella am WEF 2026

Microsoft-CEO pocht auf breite Anwendung von KI

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von Yannick Chavanne und Übersetzung: Joël Orizet, nki

Satya Nadella plädiert am WEF 2026 für eine breite Anwendung von künstlicher Intelligenz als Voraussetzung für Wertschöpfung und gesellschaftliche Akzeptanz - auch mit Blick auf den hohen Energiebedarf. Zudem relativiert der Microsoft-CEO die Bedeutung des Standorts von Rechenzentren und definiert digitale Souveränität stattdessen über die Kontrolle über die eigenen KI-Modelle.

Microsoft-CEO Satya Nadella am WEF 2026. (Source: ©WEF_BvLoebell)
Microsoft-CEO Satya Nadella am WEF 2026. (Source: ©WEF_BvLoebell)

Am diesjährigen Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos hat Satya Nadella betont, dass künstliche Intelligenz nur dann ihr wirtschaftliches Potenzial entfaltet, wenn sie in möglichst vielen Bereichen zum Einsatz kommt. Eine breite Anwendung sei die Grundvoraussetzung, um einen wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen. Nur so lasse sich auch der Einsatz knapper Ressourcen - wie Energie für den Betrieb der KI-Modelle - legitimieren. Im Gespräch mit Blackrock-Chef Larry Fink erklärte der Microsoft-CEO, dass KI die Ergebnisse im Gesundheits- und Bildungswesen, im öffentlichen Sektor und in der Wirtschaft verbessern müsse. Andernfalls, so Nadella, "verlieren wir schnell die soziale Legitimität, knappe Ressourcen wie Energie zu verbrauchen".

Nadella betonte zudem, wie wichtig es für jedes Unternehmen sei, KI im Alltag zu nutzen. Er verglich die Technologie mit einem "kognitiven Verstärker" oder gar einem "Schutzengel". Als Beispiel nannte er einen Arzt, den die KI von administrativen Aufgaben befreit. So könne dieser sich wieder stärker auf die Beziehung zum Patienten konzentrieren - ein Gewinn für das Gesundheitssystem.

Nadellas Plädoyer für eine breite Anwendung kommt nicht von ungefähr: Es deckt sich mit den wirtschaftlichen Interessen von Microsoft und anderen grossen KI-Anbietern, die ihre Investitionen in Rechenzentren und Energieinfrastruktur rentabilisieren wollen. Diese Logik prägt auch die Prognosen einer kürzlich veröffentlichten Studie von Google und Digitalswitzerland. Sie verspricht der Schweizer Wirtschaft einen jährlichen Zuwachs von 15 Milliarden Franken - allerdings nur, wenn die hiesige Wirtschaft KI bis 2034 flächendeckend nutzt.

Nadella stuft Standort von Rechenzentren als zweitrangig ein

Auf die Frage von Larry Fink nach der Datensouveränität weitete Satya Nadella die Debatte aus. Zwar erkenne er die Bedeutung des Themas an, doch herrsche oft ein falsches Verständnis von Souveränität. Laut dem Microsoft-CEO verliert ein Unternehmen an Wert, wenn es sein Wissen nicht in Modelle integriert, die es selbst kontrolliert. Dieser Wert fliesse dann einseitig an externe Modellanbieter ab.

Während sich die Debatte oft auf den Standort der Rechenzentren konzentriert - den Nadella für zweitrangig hält - plädiert er für eine Souveränität, die sich durch die Kontrolle über die eigenen KI-Modelle definiert. Nur wer das firmeneigene, implizite Wissen in diese Modelle integriere, könne das bewahren, was ein Unternehmen wirklich von der Konkurrenz unterscheidet.

Der Auftritt von Satya Nadella am WEF 2026 ist auf Youtube abrufbar.


Nicht jeder am WEF teilt Satya Nadellas Optimismus. Palantir-CEO Alex Karp schlägt einen kritischeren Ton an, warnt vor blinder KI-Euphorie und argumentiert, dass die Technologie vor allem technischen Fachkräften nützen wird - mehr über den Auftritt des Palantir-Chefs am diesjährigen WEF erfahren Sie hier

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