Europäische Open-Source-Alternative "Euro-Office" erntet Kritik
Die neue Office-Suite "Euro-Office" wird von mehreren europäischen Organisationen unterstützt und soll eine europäische Alternative zu den dominierenden Office-Suiten bieten. Libreoffice-Herausgeber The Document Foundation kritisiert jedoch die technische Ausrichtung des Projekts und stellt nun dessen Beitrag zur digitalen Souveränität infrage.
Hinweis der Redaktion: Der Originalartikel wurde nachträglich um die Stellungnahme von Nextcloud ergänzt.
Die am 9. Juni 2026 lancierte Office-Suite "Euro-Office" soll das europäische Angebot für Produktivität und Zusammenarbeit stärken. Die Lösung wurde in Nextcloud Hub 26 Spring integriert, die Open-Source-Plattform von Nextcloud. Euro-Office basiert auf einer Abspaltung von Onlyoffice und ist Teil einer grösseren Initiative mehrerer europäischer Organisationen, darunter Ionos, Eurostack, XWiki, Openproject, Soverin, Abilian und BTactic. Langfristig sollen die Partner die Lösung in ihre eigenen Angebote integrieren.
Das Projekt stösst jedoch innerhalb der Open-Source-Community auf deutliche Kritik. The Document Foundation, die Organisation hinter Libreoffice, veröffentlichte in einem Blogbeitrag einen offenen Brief, in dem sie mehrere Aussagen der Euro-Office-Koalition infrage stellt. Dabei erinnert sie daran, dass mit "OpenOffice.org" seit 2001 und "LibreOffice" seit 2010 bereits seit Jahren in Europa entwickelte Open-Source-Office-Suiten existieren.
Besonders kritisch beurteilt die Stiftung die Entscheidung von Euro-Office, standardmässig auf das von Microsoft entwickelte und kontrollierte Dateiformat OOXML zu setzen. Dies stehe im Widerspruch zum erklärten Ziel der europäischen digitalen Souveränität. Aus Sicht von The Document Foundation biete das offene Format ODF, das seit vielen Jahren von der Libreoffice-Community unterstützt werde, deutlich bessere Voraussetzungen für Unabhängigkeit und Kontrolle über eigene Inhalte.
Gegenüber "ICTjournal" räumt Nextcloud die Problematik proprietärer Formate ein: "Wir sind uns einig, dass proprietäre Dateiformate ein ernsthaftes Hindernis für die digitale Souveränität darstellen", sagt Christoph Weissthaner, Senior Communications Manager bei Nextcloud. Die Entwicklungsarbeiten von Euro-Office würden sich deshalb auf eine bessere Unterstützung des ODF-Formats fokussieren. Laut Weissthaner soll ODF langfristig den bisherigen Standard OOXML ablösen und zum bevorzugten Format der Suite werden.
Die Debatte verdeutlicht die anhaltenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb des europäischen Open-Source-Ökosystems. Dabei geht es nicht nur um die Wahl des richtigen Dateiformats, sondern auch um die Frage, wie sich die Kompatibilität mit bestehenden Nutzergewohnheiten mit dem Ziel der digitalen Souveränität vereinbaren lässt.
Auch in Zürich muss die digitale Souveränität warten: Die Stadt verschiebt den Ausstieg von Microsoft 365. Zwar hat man eine Open-Source-Alternative identifiziert, doch deckt diese nicht alle Funktionen der M365-Umgebung ab. Lesen Sie hier mehr dazu.
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