Agentforce World Tour Zürich

Salesforce sieht Unternehmen auf dem besten Weg zum "Agentic Enterprise"

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von Marc Landis und NetzKI Bot und dwi

Salesforce ist auf Welttournee, um Unternehmen den Weg zum "Agentic Enterprise" zu weisen. An der Agentforce Wold Tour in Zürich skizzierte Salesforce, wie KI-Agenten Unternehmensprozesse verändern können. Für Reiner van Leuken, den globalen Leiter AI Product Management bei Salesforce, stehen Zugriffskontrolle, feste Regeln und ein neuer Zugang zu Business-Software im Fokus.

(Source: Netzmedien)
(Source: Netzmedien)

Salesforce sieht Unternehmen vor einem Wandel, den der Softwarekonzern selbst herbeiführen will: MItarbeitende sollen zunehmend KI-Agenten steuern, statt Aufgaben direkt selbst auszuführen. Aber auch die Steuerung der verschiedensten Agenten aus diesem "Tool-Zoo" soll wiederum ein Super-Agent übernehmen, der kürzlich lancierte Agentforce Coworker. Das sagt Reinier van Leuken, Leiter AI Product Management bei Salesforce, in einem Hintergrundgespräch anlässlich der Agentforce Worldtour im Zürcher Kongresshaus. 

Mit dem "Coworker" beschreibt Salesforce eine Art übergeordneten Agenten als zentralen Einstiegspunkt. Mitarbeitende müssten dann nicht zwischen vielen spezialisierten Agenten wählen. Stattdessen könnten sie über eine zentrale Oberfläche Fragen stellen oder Aufgaben auslösen; der Agent delegiere einzelne Aktionen an weitere Agenten im Hintergrund.

Van Leuken beschreibt diese KI-getriebene Veränderung anhand des Wandels in der Arbeit von Programmierern. Diese schreiben Code zunehmend nicht mehr selbst, sondern leiten eben diese Agenten an, prüfen deren Ergebnisse und orchestrieren die Zusammenarbeit mehrerer Agenten. Ein ähnliches Muster erwartet er auch in anderen Wissensberufen, etwa im Vertrieb, im Recht, im Rechnungswesen oder im Marketing.

Das Leitmotiv des "Agentic Enterprise" genannten Unternehmens, in dem Menschen und Agenten gemeinsam die anfallende Arbeit erledigen, rief Salesforce-Gründer Marc Benioff anlässlich der Dreamforce in San Francisco im vergangenen Herbst aus, wie Sie hier nachlesen können. Benioffs Salesforce wettet zu 100 Prozent auf den Erfolg der KI-Transformation durch Agenten, die alle Unternehmensprozesse revolutionieren sollen.

Salesforce misst diesen angestrebten Wandel unter anderem über sogenannte "Agentic Work Units", also einzelne Einheiten, in denen ein Agent der Agentforce Arbeit für ein Unternehmen ausführt. Im Rahmen der letzten Investorenkonferenz meldete Salesforce demnach 3,8 Milliarden solcher Einheiten; die Menge sei um mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Welche Aussagekraft diese Zahl tatsächlich hat, ist unter Analysten allerdings umstritten.

Von predictive zu agentic

Van Leuken, der seit rund zehn Jahren im KI-Produktbereich von Salesforce arbeitet, begleitet den Weg von Salesforce von frühen "Einstein"-Anwendungen mit prädiktiver KI hin zu den heutigen generativen und agentischen Systemen. Am Anfang sei es etwa um Prognosen, Churn-Modelle oder Lead Scoring gegangen, sagt van Leuken. Heute beschäftigen sich sein Team und er mit unstrukturierten Daten, RAG und Coding Agents.

Ein zentrales Thema sei Vertrauen in die Resultate, die ein KI-Agent liefert. In der Cloud-Ära habe sich Vertrauen stark auf Datensicherheit bezogen. In der agentischen Ära gehe es zusätzlich darum, ob Unternehmen einem Agenten Geschäftsprozesse anvertrauen könnten oder eben nicht. Salesforce habe deshalb in feste Regeln und Kontrollmechanismen investiert. Ein Agent solle etwa nur jene Daten sehen, die auch der jeweilige User sehen dürfe. Er arbeite im Kontext dieses Nutzers und unterliege denselben Zugriffsrechten.

Van Leuken unterscheidet zwischen Anweisungen und Regeln. Reine Prompts oder Instruktionen reichten aus Sicht von Salesforce nicht aus, wenn ein regulierter Prozess zuverlässig laufen müsse. Kunden könnten deshalb festlegen, welche Vorgaben als harte Regeln gelten und welche als Richtlinien. Eine Login-Prüfung oder ein Zugriffsrecht solle der Agent demnach nicht kreativ interpretieren können.

Öffnung für Drittanbieter

Ein weiterer Schwerpunkt der Agentforce World Tour ist "Headless 360". Salesforce will seine Plattform so öffnen, dass Nutzer und andere Systeme Funktionen auch ohne klassische Salesforce-Oberfläche ansprechen können. Van Leuken verwies auf Coding Agents wie Claude Code oder Codex sowie auf Schnittstellen zu Anwendungen wie Slack, Microsoft Teams oder ChatGPT. Nutzer könnten Salesforce demnach auch über andere Frontends bedienen, sofern die Instanz entsprechend verbunden sei.

Für die Erlangung der nötigen Kompetenzen verweist van Leuken im Gespräch auf Salesforce-Weiterbildungsangebote über die Trailhead-Plattform. Das dortige Training werde sich nicht nur auf technische Plattformthemen beziehen, sondern auch auf die Frage, wie Arbeit mit Agenten organisiert werde. Zugleich sieht er eine neue Generation von Mitarbeitenden, die bereits mit KI-Werkzeugen aufwachse und diese selbstverständlich in Arbeitsprozesse einbinde.

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