3-D-Printing B2B-Event

Der (weite) Weg in die gedruckte Wirklichkeit

Uhr | Aktualisiert

Am Mittwoch hat der Distributor Swissintrading zu einer Infoveranstaltung rund um das Thema 3-D-Druck geladen. Im Runway 34 direkt am Rollfeld des Zürcher Flughafens informierten sich Fachhändler über die Möglichkeiten der noch jungen Technologie.

3-D-Druck ist im Kommen, im 3-D-Druck liegt die Zukunft. So hallt es zumindest vielfach durch die Medien. Doch was sich hinter der Technologie tatsächlich verbirgt, wissen nur wenige, zu wenige. 

Trotzdem drängen immer mehr Hersteller mit erschwinglichen Geräten für Endverbraucher auf den Markt. So richtig durchsetzen kann sich die Technologie bei den Konsumenten deswegen aber noch nicht. Zu komplex erscheint die Bedienung, zu gering der Mehrwert durch gedruckte Gegenstände. 

40 Fachhändler informierten sich zum Thema 3-D-Druck

Der Distributor Swissintrading will das ändern. Am Mittwoch hat das Unternehmen zu einer B2B-Infoveranstaltung rund um das Thema 3-D-Druck eingeladen. Rund 40 Fachhändler folgten der Einladung und kamen an den gut zweistündigen Event im Restaurant Runway 34 direkt am Rollfeld des Zürcher Flughafens. 

Im Rumpf einer ausgedienten russischen Passagiermaschine, die mitten im Restaurant parkiert ist, liefen 3-D-Drucker von CEL, Ultimaker, Beeverycreative und Minifactory. Gleich daneben, über der linken Tragfläche des Flugzeugs sprachen das deutsche Unternehmen iGo3D.com, die Bernina-Tochter Crown Technics, der finnische Hersteller Minifactory und Maroc 3-D über die Marktentwicklung und die Zukunft der Technologie. 

Konsumenten an die Technologie heranführen

iGo3-D-Geschäftsführer Michael Sorkin sagte, dass Konsumenten anfangen würden, den 3-D-Druck zu verstehen. Nur noch etwa 34 Prozent der Kunden, die in seine Läden kommen, würden nach einer 3-D-Brille fragen, um die gedruckten Werke auch dreidimensional betrachten zu können. Vor einigen Jahren seien es noch über 60 Prozent gewesen, die glaubten, dass 3-D-Drucker auf Papier drucken und eine spezielle Brille nötig sei, um das Ergebnis in 3-D sehen zu können. 

Trotzdem stelle die "Ausbildung" der Konsumenten die wohl grösste Herausforderung dar. Noch ist der 3-D-Druck kein Massenphänomen. Doch wer sich jetzt informiere und das nötige Fachwissen aneigne, um die Konsumenten Schritt für Schritt an die Technologie heranzuführen, der könne in einigen Jahren ganz vorne mit dabei sein. 

Neue Geschäftsfelder entdecken

Dabei öffnen sich die unterschiedlichsten Geschäftsfelder. Sorkin sprach vom Bildungssektor, Kleinserien- und Prototypenproduktion, Anwendungen im medizinischen Umfeld und dem 3-D-Faxing. Gerade letzteres könnte vor allem für Konsumenten interessant sein. Sorkin stellt es sich folgendermassen vor: 

Sorkin ruft einen Freund an, der gerade eine neue Handyhülle entworfen und anschliessend über seinen 3-D-Drucker ausgedruckt hat. Sorkin gefällt die Hülle so gut, dass er sie auch drucken will. Er bittet seinen Freund, ihm die Hülle respektive das 3-D-Modell per Mail zu schicken, damit er sie selbst ausdrucken kann. Ein 3-D-Fax also. 

Steigt HP im Oktober in den Markt ein?

Auf die Frage, warum die grossen Druckerhersteller wie Canon, Brother oder HP noch nicht in den Markt eingestiegen sind, schmunzelt Sorkin. HP werde im Oktober mit einem Drucker im Bereich um 5000 Euro auf den Markt kommen. Die anderen Hersteller sind sich hingegen noch unsicher in welche Richtung sich die Technologie entwickeln wird. Zu viele verschiedene Druckverfahren und Materialien würden sich da draussen tummeln.

Damit hat Sorkin nicht Unrecht. Es gibt mehr als 70 verschiedene 3-D-Fertigungsverfahren. Sie firmieren allerdings nicht unter dem Namen 3-D-Druck. Fachleute sprechen von additiver oder generativer Fertigung, wie Dieter Woschitz, Leiter des Instituts für Rapid Product Development der Inspire AG, einer Firma mit Beteiligung der ETH Zürich, gegenüber der Aargauer Zeitung vergangene Woche sagte. 

Erstellen von 3-D-Modellen für viele zu komplex

Die additiven Verfahren haben alle eines gemein: Sie erstellen auf Basis von digitalen 3-D-Modellen durch das schichtweise Ablagern von Material ein Objekt. Die Krux an der Sache bilden die digitalen 3-D-Modelle. 

Für das Erstellen eines 3-D-Modells benötigt man nämlich entsprechende Software. Die ist mitunter sehr komplex und oftmals sehr kostspielig. Eine Lösung bietet hier die Opensource-Plattform Thingiverse. Dort kann jeder 3-D-Modelle hoch- und herunterladen. Gratis. 

3-D-Modelling-Software aus dem Hause Siemens

Das Problem hierbei: Die Grenzen für den 3-D-Druck zuhause bildet so die Vorstellungskraft anderer, nicht die eigene. Der Hersteller CEL will hier Abhilfe schaffen. Für seinen Drucker "Robox" entwickelte das Unternehmen eine vereinfachte Software mit intuitiver Bedienlogik. Doch auch hier müssen sich Nutzer intensiv mit der Materie auseinandersetzen, wollen sie selbst dreidimensionale Objekte entwickeln und drucken. 

Der finnische Hersteller Minifactory will seine Kunden ebenfalls dazu bewegen, selbst zum Entwickler zu werden. Das Unternehmen kooperiert mit der finnischen Siemens-Tochter Ideal PLM. Die Firma bietet die 3-D-Modelling-Software Solidedge. Eine Einzellizenz der Software kostet für gewöhnlich 5000 Euro. Minifactory konnte mit dem Unternehmen für Privatanwender einen deutlich tieferen Preis aushandeln. 200-300 Euro sind es aber trotzdem noch. 

Chance für Fachhändler

Mit "Kampus" bietet Minifactory zudem eine digitale Lernplattform für 3-D-Druck und –Modelling. Auf der Plattform finden sich derzeit 200 Tutorial-Videos zum 3-D-Druck. 200 weitere zum Thema 3-D-Modelling sollen in kürze folgen. Die Videos sind bislang nur in Englisch und Finnisch verfügbar. Je nach Resonanz der einzelnen Märkte seien aber auch andere Sprachen denkbar, sagt der Hersteller. 

Es passiert also einiges in der noch jungen Branche. Doch die Hersteller alleine werden aus dem Trend keinen Massentrend machen können. Die Komplexität der Technologie bedingt eine fachgerechte Einführung und Support. Hier bieten sich Möglichkeiten für den Fachhandel. Chancen, die aber auch mit viel Arbeit verbunden sind. Es reicht nicht einen 3-D-Drucker ins Regal zu stellen und zu hoffen, dass er sich von selbst verkauft. Der Fachhandel muss beratend zur Seite stehen, die Geräte vorführen und erklären.

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