Marktbericht

Ein bisschen Fitness im Unternehmen

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Für Sportler gehören Wearables heutzutage schon fast zur Standardausrüstung. Die smarten tragbaren Geräte geben dem Nutzer ein direktes Feedback und helfen, das Training zu verbessern. Im Geschäftsumfeld lässt der Durchbruch jedoch auf sich warten. Dabei könnten sich Unternehmen die gleichen Messungen zunutze machen. Und noch viel mehr.

In Bechtles Logistikzentrum in Neckarsulm nutzen die Mitarbeiter Datenbrillen. Die Brillen scannen Barcodes. Die Mitarbeiter haben so beide Hände frei, für andere Aufgaben. (Quelle: Bechtle)
In Bechtles Logistikzentrum in Neckarsulm nutzen die Mitarbeiter Datenbrillen. Die Brillen scannen Barcodes. Die Mitarbeiter haben so beide Hände frei, für andere Aufgaben. (Quelle: Bechtle)

Wearables haben ihren Siegeszug längst angetreten – und sie beschleunigen ihren Marschschritt. Im vergangenen Jahr wurden gemäss den Marktforschern von IDC 80 Millionen derartiger Geräte ausgeliefert. Im laufenden Jahr soll die Stückzahl um 38,2 Prozent zulegen und auf 110 Millionen Einheiten ansteigen.

Die smarten tragbaren Geräte geben dem Nutzer direktes Feedback über seine eigenen Leistungen. Diese Fähigkeit, sich selbst zu vermessen, stösst insbesondere bei Sportlern und Gesundheitsbewussten auf Interesse. Weswegen Wearables sich bisher in erster Linie im Consumer-Umfeld breitmachten.

Gesunde Mitarbeiter sind motivierte Mitarbeiter

Der grosse Durchbruch im Geschäftsbereich lässt allerdings noch auf sich warten. "Wir stehen noch am Anfang einer Entwicklung", sagt Mischa Stamm. Stamm ist Head of Personal Health und Mitglied der Geschäftsleitung bei Swisscom Health. Der Aspekt der Selbstvermessung bietet jedoch auch für Unternehmen interessante Möglichkeiten. Der Geschäftsvorteil von Wearables liegt gemäss Stamm in ihrem Potenzial, die eigenen Mitarbeiter zu motivieren. Denn durch die tragbaren Geräte werden die Mitarbeiter mit sich selbst konfrontiert statt mit generellen Anweisungen etwa von der Weltgesundheitsorganisation WHO. "Wer seine eigenen Daten sieht, ist eher bereit, etwas an seinen Gewohnheiten zu ändern", sagt Stamm.

Obwohl die Entwicklung noch am Anfang steht, steigt die Nachfrage nach derartigen Anwendungen laut Stamm in der Schweiz rasant. Viele Unternehmen würden bereits ihre Mitarbeiter mit Bewegungskampagnen für Themen der Gesundheit sensibilisieren. Swisscom geht diesbezüglich mit gutem Beispiel voran. Dabei zeigt das Unternehmen, dass Wearables auch einen spielerischen Aspekt in den Berufsalltag einbringen können. "Mitarbeiter konnten in Kampagnen mit Schrittzählern in Teams einander herausfordern oder gemeinsam Ziele erreichen", sagt Stamm. Beim Personal seien diese Aktionen sehr gut angekommen.

Datenbrillen in der Logistik

Mit Fitnesstrackern hat sich die Produktkategorie der Wearables jedoch längst nicht erschöpft. Komplexere Geräte können auch direkt in die Geschäftsprozesse eingreifen. Wie Wearables Arbeitsabläufe verändern können, zeigt Bechtle. Das Unternehmen rüstete seine Logistikmitarbeiter im deutschen Neckarsulm mit Datenbrillen aus. Zusammen mit der Mobile App "SAP AR Warehouse Picker" lassen sich so bislang manuell gesteuerte Prozesse automatisieren. Die Brille übernimmt dabei Aufgaben wie etwa das Einscannen von Barcodes, wodurch der Mitarbeiter seine Hände frei behält.

"Das ist ein Beispiel dafür, wie die Digitalisierung eine konkrete Verbesserung im betrieblichen Wertschöpfungsprozess ermöglicht", sagt Michael Sambeth, Business Development User Experience & Mobile Solutions bei SAP Schweiz. Das deutsche Softwarehaus entwickelt Lösungen, um Smart Devices in Kundendienst, Lagerwirtschaft und im Gesundheitswesen zu integrieren.

Wearables starkt von Akzeptanz der Nutzer abhängig

Wearables erschliessen auch Geschäftsbereiche, die bislang eher als lokalitätsgebunden galten. Wie etwa Unified Communications. An der ISE 2016 in Amsterdam zeigte Ricoh, was möglich ist. Der Hersteller präsentierte den Prototyp einer tragbaren Konferenzlösung. Dieser bestand aus einem Helm, an dem eine nach vorne gerichtete Kamera und ein kleines Display befestigt waren. Wann die Lösung marktreif ist, konnte Ricoh noch nicht sagen.

Das Potenzial scheint vorhanden. Aber wie weit Unternehmen bereit sind zu gehen, bleibt noch eine offene Frage. "Wie auch schon beim Thema Enterprise Mobility ist dies stark von der ­Akzeptanz der Nutzer abhängig", sagt Sambeth. "Ist diese Akzeptanz gegeben, wird sich das Thema etablieren, weil es zu ­konkreten Vorteilen für Nutzer und Unternehmen führt."

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