Marktbericht

Die Ära der klassischen Datenbanken neigt sich dem Ende zu

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von Coen Kaat

Keine Datenbank ohne Datenbankmanagementsystem. SQL-Systeme dominieren den Markt. Noch. Die Redaktion schaute sich um und fragte, wohin die Reise wohl gehen wird.

(Quelle: Sentavio / Shutterstock.com)
(Quelle: Sentavio / Shutterstock.com)

Wo es IT gibt, da gibt es Daten. Wo es Daten gibt, gibt es einen Bedarf nach Datenbanksystemen. Und in der Ära von Big Data sind Daten in gigantischen Massen vorhanden. Ein Datenbanksystem bestehen aus zwei Grundelementen: der eigentlichen Datenbank und dem sogenannten Datenbankmanagementsystem (DBMS). Die Datenbank ist die Ansammlung aller Informationen auf der Maschine. Das DBMS ist die Schnittstelle zwischen dem Menschen und den Daten in der Datenbank. Die Software verwaltet sämtliche Anfragen der Nutzer an die Datenbank. Zudem bestimmt sie das Fundament der Datenbank. Also die Art und Weise, wie die Daten in der Datenbank gespeichert werden – das Datenbankmodell.

Das wohl bekannteste dieser Modelle ist das relationale Datenbankmodell. Dieses hat sich in den vergangenen 40 Jahren zum De-facto-Standard in der Welt der Datenbanken etabliert. Die Daten werden in diesem Ansatz als Ansammlung miteinander verknüpfter Tabellen gespeichert.

Für die Abfrage der Daten kommt bei relationalen Datenbanken in der Regel die Datenbanksprache SQL zum Einsatz. SQL steht für Structured Query Language – auf Deutsch: strukturierte Abfragesprache.

 

Ein neuer Ansatz

Die IT stand in den letzten vier Jahrzehnten jedoch nicht still. "Die heutigen Anforderungen an ein DBMS sind mit klassischen Ansätzen nicht zu erfüllen", sagt Jörg Latza, Vice President Hana Product Management bei SAP. Ein neuer Ansatz musste her. Der Markt fand diesen in den sogenannten NoSQL-Datenbanken. Diese werden generell als Bruch mit der Tradition relationaler Datenbanken gesehen. Die Bezeichnung steht dabei nicht etwa für "No SQL", also Englisch für "Kein SQL". Stattdessen ist es die Abkürzung von "Not only SQL", also "Nicht nur SQL". Entsprechend verwenden derartige Systeme sowohl SQL wie auch andere Formen der Datenspeicherung. Einige Anbieter sehen folglich in SQL auch die Zukunft von Datenbanksystemen. "Immer mehr Anwendungen sind auf strukturierte Datenspeicher angewiesen und werden die Ansätze von NoSQL verfolgen", sagt etwa Michael Silberman, Managing Director für die Schweiz bei der Software AG.

 

Open-Source-Anbieter im Aufwind

Im NoSQL-Bereich drängen auch zunehmend Open-Source-­Anbieter in den Markt. Nadine Brehm, Sales Leader Watson Data Platform bei IBM DACH, sieht in diesem Trend etwa eine "kostengünstige Alternative für bestimmte Anwendungsszenarien". Dies zeigt sich etwa in den Daten von DB-Engines.com – einem Dienst der österreichischen IT-Beratungsfirma Solid IT. Diese analysiert fortlaufend den Markt für DBMS-Lösungen. Dabei halten sie auch die Popularität von Open-Source-Anwendungen fest.

Der Trend ist eindeutig. Der Anteil wächst zwar langsam, aber stetig. Im April 2016 lag die Popularität von Open-Source-Systemen noch bei 37,4 Prozent. April 2015 bereits bei 43,5 Prozent und April 2017 bei 46,2 Prozent.

Noch dominieren gemäss DB Ranking zwar relationale Datenbankmodelle. Der Trend hin zu NoSQL-Systemen dürfte aber anhalten. Denn geht es um grosse Datenmengen, stossen relationale Datenbanken rasch an ihre Grenzen und können nur schwer für Big-Data-Probleme optimiert werden. Und die Datenmengen nehmen in nächster Zeit wohl kaum ab.

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