Big Data im Motorsport

Wie McLaren aus Formel-1-Daten ein Geschäft macht

Uhr | Aktualisiert

Formel-1-Rennen haben sich zu regelrechten Datenfabriken entpuppt. Die Rennställe haben das grosse Geschäft längst gewittert. McLaren will mit seiner Technologiefirma Applied Technologies im grossen Stil Daten sammeln und diese zu Produkten und Dienstleistungen veredeln.

Dell EMC tritt seit Anfang Jahr als Sponsor und Technologiepartner von McLaren auf. In der englischen Stadt Woking, südwestlich von London, unterhält der Rennstall den Sitz seiner Forschungsabteilung, die McLaren Technology Group. Dort präsentierte Dell EMC vergangene Woche sein neues Angebot an Speicher-Arrays der Linie Powermax. McLaren zeigte derweil auf, was ein Rennstall mit Big Data anstellt.

Wie McLaren sein Geschäft digitalisiert hatte, erklärte Karen McElhatton, seit vergangenem März CIO des Herstellers. Ausgangspunkt sei eine Flut an Daten gewesen, die von Rennen zu Rennen grösser geworden sei.

Komplett datengesteuert

McLarens Technologiefirma Applied Technologies entstand 2004 aus einem Zusammenschluss von McLaren Composites und TAG Electronics. Die Firma sei komplett datengesteuert, sagte die Informatikchefin. "Applied Technologies ist wie ein Start-up. Wir wollen aus den Daten, die wir sammeln, etwas verbessern können – im Sport, in der Automobilindustrie, aber auch für den öffentlichen Verkehr oder etwa für das Gesundheitswesen."

McLaren entwickelte beispielsweise eine Lösung für die Verkehrsregelung von Zügen in Singapur. Zudem arbeitet das Unternehmen mit Flughäfen zusammen, um den Transport von Flugzeugen am Boden zu optimieren. "Wir haben auch einen dynamischen Fahrsimulator entwickelt, den auch andere Hersteller nutzen", sagte McElhatton. Mit diesem Simulator könnten Hersteller bestimmte Tests, die früher eine Woche gedauert hätten, heute in einem Tag durchführen.

Mit der Datenflut umgehen

Die zwei Formel-1-Fahrzeuge von McLaren seien mit insgesamt 300 Sensoren ausgestattet. Diese würden pro Wochenende ein Datenvolumen von 250 Gigabyte sammeln. "Neuerdings kommen bei jedem Grand Prix 1 Terabyte an Videodateien hinzu", sagte McElhatton. Um diese Datenmengen zu verwalten, unterhält McLaren zwei Rechenzentren in Woking. Zudem "bauen wir bei jedem Rennen ein weiteres Data Center in den Boxen auf", ergänzte die Informatikchefin.

So würden manche der gesammelten Daten direkt neben der Rennstrecke verarbeitet. Andere Daten würden "live" an 200 Mitarbeiter geschickt, die im Hauptquartier von McLaren das Rennen kontinuierlich simulieren und alle möglichen Szenarien mit einberechnen. Die Algorithmen, die bei diesen Berechnungen zum Einsatz kommen, würden von den jüngsten Fortschritten auf dem Gebiet des maschinellen Lernens profitieren.

"In der Formel 1 ist die erlaubte Rechenleistung begrenzt. Diese Einschränkung treibt Innovationen voran", sagte McElhatton. Für die Informatikchefin des Rennstalls bestehe die grösste Herausforderung darin, "IT-Lösungen unglaublich schnell bereitzustellen, die drei Unternehmensbereiche Racing, Automotive und Applied Technologies zusammenzubringen, und die richtigen Entscheidungen aus einer Vielzahl von Möglichkeiten zu treffen".

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