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Auch die Cloud kann man löschen

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von Coen Kaat
Coen Kaat, stellvertretender Chefredaktor (Source: Netzmedien)
Coen Kaat, stellvertretender Chefredaktor (Source: Netzmedien)

Bei Business-Software gilt das Gleiche wie in praktisch allen anderen Bereichen der IT: Vieles ist bereits in der Cloud, der Rest marschiert in Richtung Cloud. Was dies für den Schweizer Markt bedeutet, lesen Sie in der September-Ausgabe des "IT-Markt". Was dies für mich derzeit bedeutet, lesen Sie hier.

Diese kleine Anekdote über die IT-Schwachstelle Mensch begann vor rund fünf Monaten. Google stellte die Desktop-Software Google Drive ein. In der Redaktion wurde sie rege genutzt, um etwa Dateien zu teilen und gemeinsam zu bearbeiten sowie für die eigene Ordnung. Alle Dateien, die ich in meinem Redaktionsalltag verwende, sind fein säuberlich in einem Ordner namens Google Drive abgelegt. Darunter auch Files, die ich immer wieder aktualisiere und bearbeite.

Im März wechselte die Redaktion auf den Nachfolger Google Drive File Stream. Die Konsequenz: Alle auf meinem Rechner synchronisierten Dateien sind neu nicht mehr im Ordner Google Drive, sondern unter Google Drive File Stream abgelegt. Eine perfekte Kopie meiner bisherigen Dateiensammlung.

Die Lektion, die ich daraus zog: Lösche nichts, auf das du nicht verzichten kannst oder das du nicht aus dem Gedächtnis wiederherstellen kannst!

Und hier kommt die Schwachstelle Mensch ins Spiel. Effizient wie ich bin, verwende ich allerlei Verknüpfungen, um meine häufig benötigten Dateien und Tabellen möglichst schnell zu finden. Nach dem Wechsel auf File Stream lief zwar alles noch prima – alle Verknüpfungen funktionieren weiterhin. Aus Paranoia – und weil ich mich selbst kenne – behielt ich den alten Ordner dennoch weiterhin auf meinem Rechner. Man weiss ja nie.

Als sich der Rechner Anfang August wieder einmal beklagte, dass zu wenig Speicherplatz vorhanden sei, beschloss ich jedoch, den alten unnötigen Ballast zu löschen. Ich prüfte gefühlte 1000 Mal – wie gesagt, ich kenne mich selbst –, um sicherzugehen, dass ich auch wirklich den alten Ordner und nicht den neuen lösche. Und mit einem Klick war alles weg. Das mulmige Gefühl blieb, aber dafür hatte ich wieder 30 Gigabyte freien Speicher auf meinem treuen Arbeitsgerät.

"Das ausgewählte Element ist nicht verfügbar", warf mir mein PC vor, als ich das nächste Mal auf eine Verknüpfung klickte. Selbstverständlich dachte ich zuerst, dass Google mich heimlich abgemeldet hatte. Aber nein. Der Ordner und alle seine Dateien waren noch vorhanden. Lediglich meine Verknüpfungen führten ins Leere. Sie folgten noch dem alten Dateipfad zu den alten Dateien im alten Ordner. Die alten Dateien, die nun weg ­waren. Die alten Dateien, die – im Gegensatz zu den neuen Dateien – stetig auf dem Laufenden gehalten wurden. Bis sie weg waren. "Jemand" hatte vergessen, die Verknüpfungen anzupassen.

Die Lektion, die ich daraus zog: Lösche nichts, auf das du nicht verzichten kannst oder das du nicht aus dem Gedächtnis wiederherstellen kannst! Entweder das oder: Investiere in eine Back-up-Lösung!

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