Britischer Browsertest

Dieser Browser bietet die beste Privatsphäre

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von dsc, Watson

Britische Forscher haben untersucht, wie populäre Browser "nach Hause telefonieren". Die Resultate dürften einige überraschen.

(Source: Isabel Ródenas / Pixabay)
(Source: Isabel Ródenas / Pixabay)

Was ist passiert?

Der Brave-Browser schlägt die Konkurrenz um Längen, was den Schutz der Privatsphäre betrifft. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle wissenschaftliche Studie. Forscher haben untersucht, ob und wie die sechs populärsten Web-Browser "nach Hause telefonieren", das heisst, wie häufig sich die Browser mit den Backend-Servern verbinden.

Welche Browser wurden getestet?

  • Brave von Brave Software

  • Chrome von Google

  • Edge von Microsoft

  • Firefox von Mozilla

  • Safari von Apple

  • Yandex (russisch-niederländische Entwicklerfirma, populärster Browser bei Russischsprechenden)

Was wurde untersucht?

Die Wissenschaftler führten mehrere Tests durch, um abzuleiten, ob der Browser die IP-Adresse des Benutzers im Laufe der Zeit verfolgen konnte (Tracking) und ob Details über die Besuche von Webseiten durchsickerten. Zu diesem Zweck wurden die Daten erfasst und analysiert, die an die sogenannten Backend-Server der Browser-Anbieter übermittelt wurden. Und zwar beim Starten nach einer Neuinstallation, bei einem Neustart (des Browsers) und nach dem Einfügen und Eingeben einer URL in die Adressleiste. Schliesslich untersuchten die Computer-Wissenschaftler auch noch, was der Browser tat, wenn er "im Leerlauf" war.

Wer hat die Studie durchgeführt?

Dafür verantwortlich zeichnet der britische Informatik-Professor Douglas J. Leith, von der School of Computer Science & Statistics am Trinity College in Dublin, Irland.

Welcher Browser schneidet am schlechtesten ab?

Edge von Microsoft. Ein Windows-Spezialist von drwindows.de erklärt: "Beim ersten Start generiert Edge eine einzigartige Hardware-ID. Diese ändert sich niemals, auch dann nicht, wenn man den Browser neu installiert. Gesendete Daten lassen sich somit über die gesamte Lebensdauer eindeutig einem Gerät zuordnen. Selbst wenn keine Verknüpfung mit dem Benutzerprofil erfolgt, ist das selbstverständlich unschön. Leith merkt an, dass Microsoft die gleiche ID grundsätzlich auch in anderen Apps verwenden und die Informationen verknüpfen könnte."

Auch der in Russland populäre Yandex-Browser verwendet die gleiche fragwürdige Methode. Problem sei in beiden Fällen der Einsatz von Identifiern, die an die Geräte-Hardware gebunden sind, hält winfuture.de fest.

Bei Edge komme dazu, dass der Browser einen Werbe-Server von Microsoft kontaktiere, der mehrere Identifier zurückschicke und entsprechende Cookies setze. Microsoft erläutere dieses Verhalten auf einer Support-Seite und schreibe, dass es sich abschalten und von den Servern löschen lasse.

Wenn man es mit dem Datenschutz im Browser ernst meine, sollte man wahrscheinlich auf Edge oder Yandex verzichten, schreibt The Register in einem aktuellen Bericht. Zumindest wenn man dem Professor Glauben schenken wolle.

Auch Chrome, Firefox und Safari arbeiten mit solchen "Identifiern", wird in der Studie konstatiert, diese Nummern ändern sich aber, wenn man den Browser neu installiert.

Das einzige Programm, das die irischen Experten vollends empfehlen können, sei der Brave-Browser, fasst winfuture.de zusammen. Dieser Browser werde von Brendan Eich entwickelt, dem früheren Chief Technical Officer und Chef von Mozilla und somit auch Firefox. Der "Feuerfuchs" landete mit Google Chrome und Apples Safari im Mittelfeld – und dies obwohl das Unternehmen gemäss eigenen Angaben sehr viel tut, um die Privatsphäre der User zu schützen.

Was sagen die Entwicklerfirmen?

Die IT-Sicherheitsexperten der Firma Sophos haben die Browser-Anbieter mit den Ergebnissen konfrontiert.

Apple habe nicht auf die Anfrage reagiert. Auch Yandex habe keine Stellung genommen. Und Google wollte die Erkenntnisse nicht kommentieren, sondern verwies auf ein Dokument mit dem Titel Chrome Privacy White Paper.

Auch eine Mozilla-Sprecherin ging nicht auf konkrete Rückfragen ein, sondern liess verlauten: "Firefox sammelt zwar einige technische Daten darüber, wie Benutzer mit unserem Produkt interagieren, aber dazu gehört nicht die Browsing-History. Diese Daten werden zusammen mit einer eindeutigen, zufällig generierten Kennung übertragen. IP-Adressen werden für eine kurze Zeit zur Sicherheit und zur Betrugserkennung gespeichert und dann gelöscht. Sie werden aus den Telemetriedaten entfernt und nicht dazu verwendet, die Benutzeraktivitäten über die verschiedenen Browsing-Sitzungen hinweg zu korrelieren."

Dieser Artikel erschien zuerst am 12. März 2020 auf watson.ch.

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