Entscheidung nach heftiger Kritik

Deutschland, Österreich und Estland setzen auf das Contact Tracing der ETH

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Wie die Schweiz entwickeln nun auch Deutschland, Österreich und Estland Contact-Tracing-Apps, die auf dem dezentralen DP-3T-Konzept beruhen. Dieses wird an den ETHs Lausanne und Zürich entwickelt. Frankreich verfolgt im Alleingang einen stärker zentralisierten Ansatz.

(Source: Gustavo Fring from Pexels)
(Source: Gustavo Fring from Pexels)

Deutschland, Österreich und Estland haben beschlossen, ihre Contact-Tracing-Apps nach einem dezentralisierten Konzept zu entwickeln, wie "Reuters" berichtet. Demnach schliessen sich die drei Länder der Schweiz an, die ihre App zur Bekämpfung der Covid-19-Ausbreitung auf dem DP-3T-System aufbaut. DP-3T wird an den ETHs Lausanne und Zürich, dem US-amerikanischen MIT und weiteren Forschungseinrichtungen entwickelt. Die Schweizer App wird bereits von der Armee an der EPFL getestet und voraussichtlich am 11. Mai veröffentlicht, wie Sie hier lesen können.

Österreich veröffentlichte eine erste App bereits vergangenen Monat. Sie soll mit einem künftigen Upgrade auf das DP-3T-System aktualisiert werden. Deutschland wiederum unterstützte bis vor wenigen Tagen noch den stärker zentralisierten Ansatz des konkurrierenden PEPP-PT-Konzepts, mit dem auch die Schweizer technischen Hochschulen zusammenarbeiteten, bevor sie sich davon distanzierten. Dieses System wurde zuletzt heftig kritisiert, weil es mehr Daten sammelt und verwendet, als notwendig sind. In einem offenen Brief warnten Hunderte von Wissenschaftlern davor, dass ein solcher Ansatz die Gefahr einer "beispiellosen Überwachung der Gesellschaft" als Ganzes birgt.

Apple und Google machen Druck

Laut einer anonymen Regierungsquelle, die von Reuters zitiert wird, hat sich Deutschland für den eher dezentralisierten Ansatz entschieden, weil er von Apple und Google explizit befürwortet wird. Die beiden Tech-Giganten wollen in Kürze eine API in ihre Betriebssysteme einbauen, um die Bluetooth-Nutzung für Contact Tracing zu ermöglichen. Die Konzerne machten allerdings klar, dass die API nicht für App-Projekte zur Verfügung stehe, die auf zentralisierte Systeme aufbauen.

Dies wiederum stellt Entwickler zentralisierter Ansätze vor grössere technische Herausforderungen. Ohne die API lässt sich die Konnektivität von Android- und IOS-Smartphones nicht voll ausnutzen. Von der Einschränkung betroffen ist etwa die von Frankreich entwickelte App, an der inzwischen mehrere Partner aus dem Privatsektor beteiligt sind, darunter Capgemini, Dassault Systèmes, Orange und Withings.

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